ZDF-Doku "Das Gold vom wilden Strom"

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Gast5560
Gast
  • ZDF-Doku "Das Gold vom wilden Strom" Beitrag #1
Hallo,

hier meine kleine Wut-Email ans ZDF, etwas gekürzt: [smiley=09]


"Zur Sendung „Das Gold vom wilden Strom“, Sonntag, 5. Mai 2002, im ZDF: Ich war sehr gespannt auf die Sendung, da ich selbst seit 10 Jahren in das Yukon Territorium reise, dort im Sommer in einer Hütte lebe, und viel darüber schreibe. Ich hatte von der Sendung den Eindruck, dass hier jemand seinen Sommerurlaub mit einer Dokumentation finanzieren wollte, bei der bewusst Fakten verbogen wurden, um sie in eine Rahmenhandlung einzupassen. Fehler können vorkommen, aber hier wurden Fakten bewusst verdreht.


Fehlerliste bzw. Faktenverdrehungen und -fälschungen:

- der „wilde Strom“ wird in Flussführern mit der Wildwasserklasse I bis II angegeben und ich bin ihn mehrfach mit kompletten Anfängern gefahren
der Name der Ortschaft Dyea wurde mehrfach falsch ausgesprochen
- der Chilkoot Pass war kein „nahezu unüberwindliches Hindernis“ sondern einer von zwei Zugängen zum Inland
es wurde der Eindruck erweckt, als seien Massen von Goldsuchern auf dem Weg gestorben, was aber definitiv nicht der Fall war
- die Landschaft am Fluss Teslin wird als Teil der Goldfelder bezeichnet, ist aber tatsächlich etwa 400 Kilometer von den Klondike-Goldfeldern entfernt
- alte Blockhütten, die gezeigt werden, werden komplett den Goldsuchern des Goldrausches von 1898 zu geschrieben, sind aber tatsächlich oft Jahrzehnte später, vor allem von Trappern, erbaut worden
- der „Professor“ fährt mit langem Regenmantel, Gummistiefeln und ohne Schwimmweste im Kajak; dass mag zwar toll aussehen, ist aber vor allem aber eine gute Methode, um im Fall einer Kenterung zu ertrinken
- die „Tage der Einsamkeit“ bei der Kanutour gibt es auf Teslin und Yukon kaum noch, da dort sehr viele Kanuten unterwegs sind; außerdem ist ja anscheinend auch ein Kamerateam dabei gewesen
- wie kann man im kanadischen Yukon Territorium auf die „Wälder Alaskas“ stoßen?
- die Behauptung, „eine Grizzlymutter würde jeden Menschen sofort attackieren“ ist schlichtweg falsch; Angriffe von Bären – auch von Jungen führenden Weibchen – sind extrem selten; die Behauptung passt lediglich in die in Europa herrschenden Klischees Unwissender
- die Erzählung vom Grizzly am Zelt wirkt ohne unterstützende Bilder eventueller Risse als aus der Luft gegriffen, um eben wieder jene Klischees zu bestätigen
- drei Meter große Grizzlies mit bis zu 500 kg Lebendgewicht gibt es im Yukon Territorium nicht; lediglich die Kodiak-Bären auf eben dieser Insel und der Katmai Halbinsel in Alaska erreichen diese Größe, sind aber vom Yukon Territorium etwa 1.500 Kilometer entfernt
- wie kommt ein Mounty in Paradeuniform auf dem Pferd in die beschriebene „Einsamkeit“ am Fluss; es handelt sich wahrscheinlich um eine gestellte Aufnahme in der Nähe einer Ortschaft
- der Deutsche Hans Barchen, der „ganz in der Nähe“ Gold wäscht, arbeitet auf seinem Claim in Keno City, etwa 200 Kilometer von der historischen Goldrauschroute entfernt; auf den Bildern sieht man übrigens auch den Jeep des „Professors“, mit dem er dort wohl hin gefahren ist (auf meine Nachfrage im Ort wurden einige Leute direkt wieder sauer, weil er sich dort wohl unmöglich aufgeführt haben muss); außerdem ist das Arbeitsgerät von Hans Barchen nicht die Goldwaschpfanne, sondern mehrere Bulldozer, die er mit seinen Söhnen und Angestellten bedient; ich bin mir deshalb so sicher, weil er das etwa 1.500 Meter hinter meiner Hütte macht
- welcher Fluss wird schneller, wenn er breiter wird? Normalerweise ist das umgekehrte der Fall
- von Keno City wird plötzlich geographisch gesprungen, und zwar rund 400 Kilometer südlich zum Shipyard Island, wohl weil es dramaturgisch besser ins Konzept passte
- es wird der Eindruck erweckt, dass der „Professor“ den Dampfer SS Norcom entdeckt hätte; Tatsache ist, dass die Norcom in allen Flusskarten eingezeichnet ist, von allen den Yukon paddelnden Touristen besucht wird und viele dort zelten
- in alten Dokumenten, von denen ich ebenfalls einige studiert habe, ist nie die Rede davon, dass ein deutscher Kapitän namens William Moore „bei allen Goldfunden dabei war“
- die Five Finger Rapids habe ich sechs mal mit Kanuanfängern befahren – und zwar nicht im Kajak sondern im offenen Canadier - und kein einziges Kanu ist gekentert; auch die „starke Strömung, der selbst gute Schwimmer nicht gewachsen sind“ gibt es nicht (Vorsicht bei Hochwasser, da sieht die Geschichte anders aus!)
- durch den am Strand von Nome paddelnden „Professor“ wird der Eindruck erweckt, dass er mit dem Kajak über den Yukon und die Beringsee dorthin gepaddelt ist, was ich jedoch stark bezweifeln möchte
- die Siedlung Fort Selkirk ist nicht in den dreißiger Jahren sondern 1951 nach dem Bau des Klondike Highways verlassen worden und liegt auch nicht „mitten in Alaska“ sondern eben im kanadischen Yukon Territorium"


Gruß

Baumjoe
 
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Gast5560
Gast
  • ZDF-Doku "Das Gold vom wilden Strom" Beitrag #2
Hallo,

die Sendung wird am 12.11.05 von 17.00-17.45 Uhr auf Phoenix wiederholt. Man kann den Ton auschhalten und sich durch die Bilder an schöne Tage auf dem Yukon erinnern lassen oder sich mit Ton darüber ärgern [smiley=05].


Baumjoe
 
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