TV-Sendungen der vergangenen Woche

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Gast5560
Gast
  • TV-Sendungen der vergangenen Woche Beitrag #1
Moin,

manchmal muss ich mich bei den Sendungen ja richtig aufregen, so geschehen in der vergangenen Woche gleich zwei Mal: Zuerst bei „Grizzly-Giganten“ von Andreas Kieling, am 9.4.04 im ZDF. Tolle Bilder und interessante Infos – so weit ich das beurteilen kann. Witzig fand ich, wie der Autor versuchte mit der Hand einen Lachs zu fangen, wobei ich nie gedacht hätte, dass er das wirklich schafft. :)

Was mich störte war, dass dazu gekauftes Filmmaterial in die Rahmenhandlung gepresst und bewusst verändert wurde, ob es nun stimmte oder nicht. Ich weiß nicht, ob ich die Schuld bei den Fernsehsendern, die interessante Geschichten haben wollen oder den Filmemachern, die sich nach den Wünschen ihrer Kunden richten und Geld damit verdienen müssen, suchen soll. ???

Auf jeden Fall stammte die von einem „zufällig vorbei kommenden Trapper mit angesehene Geschichte, wie ein Wolfsrudel einen Grizzly von einem geschlagenen Elch vertreibt“ aus dem Jahr 2000 im Denali Nationalpark. Damals war ich nämlich auch dort, habe das meiste darüber von den Park Rangern gehört und einen guten Teil mit angesehen (siehe auch ein Foto in meiner Bildergalerie). Gut erkennen konnte ich das an der Landschaft im Hintergrund, aber vor allem am Leitwolf, der mit einem Funksender markiert war. So wurde im Film z.B. verschwiegen, dass der Elch bei den Attacken des Wolfsrudels zwei Tiere davon verletzt hatte und sich zwei Grizzlies an dem von den Wölfen geschlagenen Elch gütlich taten, bevor diese sich über die Reste hermachen konnten.

Noch mehr brachte mich ein Kurzbericht aus dem „Weltspiegel“ in der ARD vom11.4.2004 auf die Palme bzw. meinen Ficus. >:( In Alaska werden die Wölfe wieder aus dem Flugzeug abgeknallt, weil sie die ganzen Elche töten und die Indianer nichts mehr zum Essen haben. Rotkäppchen lässt grüßen! Erneut empfehle ich „Never cry wolf“ (Ein Sommer mit Wölfen) von Farley Mowat (1963) als Lektüre.

Dass früher in Alaska schöner Regelmäßigkeit ganze Sippen verhungerten (siehe auch „Zwei alte Frauen“ von Velma Willis), weil das Wild ausblieb, ist doch wohl bekannt. Deshalb lebten die Indianer außerhalb der Küstenbereiche, wo es ausreichend Lachse gab, auch nur in kleinen Sippen zusammen. Mittlerweile leben etwa 635.000 Menschen in Alaska und die Nutzung von Gewehren, ATV’s und Schneemobilen hat die Zahl der Elche nicht unbedingt größer werden lassen. Ebenso tausende Jäger aus den „Lower 48“ und Europa, die gegen gutes Geld ihre Elchtrophäen schießen können.

Aber nein, wieder mal sind die Wölfe die Schuldigen. Wären die Ahnen der Indianer nicht vor 15.000-30.000 Jahre von Asien eingewandert, hätten die Wölfe bis heute bestimmt schon alle Elche getötet. So ist das in der Natur wohl eingerichtet, oder ??? Und dann wieder die Mär, dass die Wölfe das Dorf belagern und die Kinder fressen wollten. Leben wir wirklich im 21. Jahrhundert? [smiley=05] Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, gibt es aus den letzten 50 Jahren keinen nachprüfbaren Bericht, dass Wölfe Menschen getötet und gefressen hätten (nicht, das ich deshalb nicht trotzdem vorsichtig sein würde, weil die Brüder ganz schön groß werden können und sich vielleicht nicht an Berichte halten).

Dazu die Aufnahmen eines Hobbyfilmers – interessanterweise wieder aus dem Denali Nationalpark im Jahr 2000 mit dem Kommentar „Ein großer Teil kann hier nicht gezeigt werden, weil es zu grausam war“, hieß es dazu. [smiley=03] In der Natur geht es nun mal nicht zu, wie in Disneyfilmen und was können die Wölfe dafür, dass sie ihre Beute nicht mit einem Prankenschlag töten können. Außerdem werden die meisten Menschen weit grausamere Szenen bereits in Kino und TV gesehen haben. Wieder kein Wort davon, dass zwei Wölfe bei der Jagd verletzt wurden und eventuell daran eingehen würden. Auch im Bus fragte damals eine Amerikanerin, warum den niemand dem armen Elch helfe. Lakonischer Kommentar des Busfahrers: „Auch die Wölfe müssen fressen!“

Wie schön muss der Tod erst für viele Tiere in den Fallen der Menschen sein, die sich ihre zerquetschten Gliedmaßen abbeißen, hilflos in den Fallen hängend lebend von anderen Räubern gefressen werden oder lustig vor sich hin erfrieren? Auch Geparde erwürgen ihre Beute, was zum Teil recht lange dauern kann. Also tot den „politisch nicht korrekten“ Sado-Wölfen und -Geparden! Meiner Meinung nach dokumentiert das nur, wie weit wir Stadtmenschen uns schon von der Natur entfernt haben. Auch das Fleisch, das ich esse, kommt aus der Kühltheke des Supermarktes von Kühen und Schweinen, die begeistert und La Paloma pfeifend in den Tod gegangen sind und die Eier von fröhlichen KZ-Hennen. [smiley=07]

Nur um das klar zu stellen: Ich habe nichts gegen die Jagd, aber bitte nicht aus diesen hanebüchenen Gründen und aus dem Flugzeug, ohne den Wölfen die geringste Chance zu lassen. >:(


Hui, jetzt habe ich mich aber ganz schön Rage geschrieben!

Baumjoe
 
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_Mari_
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  • TV-Sendungen der vergangenen Woche Beitrag #2
Hallo Baumjoe,

den bericht über die "grizzly-giganten" habe ich auch gesehen. und bei der sequenz mit dem wolfsrudel, das einen elch hetzte, mußte ich stutzen. nicht, dass ich dabei war, sondern weil ich mir ziemlich sicher bin, genau diesen ausschnitt schon mal in einem anderen bericht gesehen zu haben.
so viel zu den tricks der filmemacher!

die anderen von dir erwähnten berichte habe ich teilweise auch gesehen. muß dir in all deinen ausführungen absolut zustimmen. war doch mal wieder ein "tolles" beispiel dafür, wie die massenmedien die menschheit manipulieren kann. das mit den wölfen kann man beliebig auf andere "raubtiere" umlegen - z. b. haie.

mari
 
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Gast5560
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  • TV-Sendungen der vergangenen Woche Beitrag #3
Hey Mari,

besten Dank für die Zustimmung. Ich hatte die Szenen mit dem Wolfsrudel auch schon in einer anderen Doku gesehen. Das ist allerdings in der Branche so üblich, die Sachen schon mal mehrmals zu verkaufen. Außerdem standen an diesem Tag etwa 20 Profifilmer den ganzen Tag an der Brücke und haben gefilmt, so dass es durchaus "andere" Aufnahmen gewesen sein können.

Ich habe zwei Videos über Bären in Kanada mit zur Hälfte den gleichen Aufnahmen, aber vollkommen unterschiedlichen Kommentaren dazu. Ganz davon zu schweigen, dass die Bären auf einmal ganz andere Geräusche von sich geben ... ;)

Selbst Dokus bei den hoch gelobten, öffentlich-rechtlichen sind oftmals Volksvera... Wir merken das bloß meistens nicht, weil wir es nicht besser wissen. Die Krönung war im Jahr 2002 die ZDF-Doku "Das Gold vom wilden Strom". [smiley=05] Ich habe da mal eine Mail an das ZDF geschrieben, merkwürdigerweise aber keine Antwort bekommen. :o

Ich poste die noch mal unter einer anderen Headline.


Gruß

Baumjoe
 
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