Route 66

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SteffiG
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  • Route 66 Beitrag #1
Route 66-große Freiheit zwischen Zäunen

Wer träumt nicht davon, einmal die legendäre „Mother Road“ zu fahren? 2448 Meilen quer durch Amerika von Chicago nach Los Angeles. Vorbei an endlosen Weiden und Wüsten, durch unzählige kleine Orte, Geisterstädte, über Bergpässe und durch Wälder. Gewöhnlich wird die Strecke als Harley-Tour angepriesen. Wer käme auch auf die Idee, sie mit dem familientauglichen Minivan, in dem auf der Rückbank zwei Kinder sitzen, zu bewältigen?
Inspiriert durch das Lied von Nat „King“ Cole „Get your kicks on route 66“ beschlossen wir, genau dieses Abenteuer zu wagen und machten uns auf, die große Freiheit zu entdecken.
Der Weg ist das Ziel: diese Floskel scheint alleine dieser Straße zu gehören. Im Laufe der Zeit, personifiziert man sie und weiß, die Straße ist dem Suchenden wohlgesonnen. Meistens auf jeden Fall. Die seltenen Fälle, in denen man im Nirgendwo landet, lassen sich verschmerzen und es wäre auch zu leicht, würde man immer die Route sofort finden.

Beginnend in Chicago, lässt man sich von der Faszination dieser Stadt leicht in ihren Bann ziehen. Wer auf dem John Hancock Center im 94. Stockwerk die Aussicht auf die Stadt, den Lake Michigan und den Strand genießt, um kurz darauf am selbigen ein kühles Bier zu trinken, weiß, es kann nur noch schlechter werden.

Wird es auch, da die nächste Großstadt St. Louis, außer dem Gateway Arch, dem imposanten bogenförmigen Bauwerk am Ufer des Mississippi und der größten Brauerei Amerikas, als Industriestadt nicht viel zu bieten hat. Zumal die geplante Raddampferfahrt auf dem Fluss wegen bedrohlichem Hochwasser ausfällt. Immerhin kann man im hiesigen alten Gerichtsgebäude eine Kopie der Unabhängigkeitserklärung für zwei Dollar kaufen und fühlt sich somit schon fast als Amerikaner.

In Oklahoma City, nach Illinois und Missouri die Stadt im dritten Staat, sind die Gegebenheiten besser und es ist schwer, sich für eine Sehenswürdigkeit zu entscheiden. Wir schauen uns das National Memorial an und gedenken in der zweistündigen Besichtigung der 168 Toten des Anschlages von 1998.
Es wird hier anschaulich über das Attentat berichtet und wir fahren weiter mit einem Gefühl der Traurigkeit und der Frage, warum es Menschen gibt, die so etwas tun.

In Texas werden wir aufgemuntert, von dem Angebot ein Zwei-Kilo-Steak samt Beilagen umsonst zu bekommen, sofern es in 60 Minuten gegessen werden kann. Da weder der Hunger noch das Verlangen groß ist, bei dieser Mahlzeit auf einem Podest samt rückwärts laufender Digitaluhr unter den Blicken aller Gäste im Restaurant zu speisen, bestellen wir lieber normale Portionen. Keiner traut sich die Klapperschlange für sieben Dollar zu bestellen, da auf der Speisekarte angedroht wird, dass sie klein ist und voller winziger Knochen, man sie aber dafür sein Leben lang nicht vergessen wird. So etwas gönne ich mir später, dem Angebot eines Saftladens „Taste our amazing wheat grass“ kann ich nicht widerstehen und bestelle mir ein Gläschen gepresstes Gras. Kühe mögen das bestimmt und ich bin eine Erfahrung reicher, eine von diesen, die man nicht braucht.

Kleinere und größere Abstecher weg von der Straße sind erwünscht und auch notwendig, möchte man nicht auf eine Begegnung mit den „Blues Brothers“ oder der Besichtigung von Nationalparks, dem Grand Canyon und das Nachtleben von Las Vegas verzichten.

Wer es nostalgisch mag, sollte mit der Grand Canyon Railway fahren, der historischen Eisenbahn, die von Williams aus direkt bis zum Canyon fährt. Hold-up durch Cowboys und Betreuung von Schauspielern in historischen Kostümen ist inklusive und macht insbesondere Kindern viel Spaß.

Ein weiteres unvergessliches Highlight ist der Antelope Canyon, der in der Mittagszeit mit märchenhaften Lichtspielen das rote Gestein zum leuchten bringt. Unser Führer wusste zu berichten, dass hier die Reporter der Zeitschrift „National Geographic“ Hausverbot haben, da sie unerlaubt Löcher in die Wände gebohrt haben, um eine Kamera zu befestigen.

Die interessante Tierwelt Nordamerikas lernt man unterwegs ganz von selber kennen. Auch wenn der einzige Büffel, den wir sahen, ausgestopft war, trifft man Gürteltiere und Vogelspinnen, sieht Geier über der Wüste kreisen und wenn man Glück hat, keine Klapperschlange, da uns gesagt wurde:“ Wenn man sie hört, ist man zu nah dran“.

In Oatman, einer kleinen Stadt, die nur über einen steilen Pass erreichbar ist, hat man das Gefühl im wilden Westen gelandet zu sein. Wildesel säumen die Straße und Cowboys erschießen sich vor dem Saloon. Der Ort konnte sich retten, da er nach der Aufgabe der Route 66 ganz auf Tourismus setzte. Auch wenn es nicht wirklich echt ist, hat es einen gewissen Charme und da dieser Pass unbedingt gefahren werden muss, ist die Pause hier recht unterhaltsam. Der deutsch sprechende Indianer der „in der Schule die Sprache gelernt hat“ lässt sich dann auch in die Reihe der Unikate einordnen, die man unterwegs zwangsläufig trifft. Er findet sein Plätzchen neben Elvis, der gar nicht tot ist, sondern in einem Kaff entlang der Route, Pommes und Hamburger serviert.

Allgegenwärtig sind die endlosen Güterzüge, die oft weit über 100 Waggons ziehen und uns fast die ganze Strecke begleiten, da diese häufig neben der Eisenbahnlinie verläuft.
Entlang der Straße gibt es so viele verlassene Gebäude und vergessene Autos, dass man sich wochenlang vorkommt, als würde man durch ein gigantisches Freiluftmuseum fahren.
Verwundert stellen wir fest, dass so gut wie alles in diesem Land eingezäunt ist. Man kann stundenlang durch menschenleere Gegenden fahren, aber immer sind links und rechts der Straße Stacheldrahtzäune, welche ein Gefühl vermitteln, im Land der begrenzten Möglichkeiten zu sein.

Es lohnt sich, nach der Reise das Buch „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck zu lesen,
Hier wird anschaulich beschrieben, dass die Route 66 einst die Straße der Flüchtlingstrecks war, die auf ihrem langen Weg in Richtung Westen die Strapazen der manchmal monatelangen Reise auf sich nahmen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Unspektakulär endet die Reise am Pazifik. Niemand nimmt Notiz von uns und es gibt kein Schild, welches auf das Ende der Route 66 hinweist. Wir sind angekommen, schauen auf das Meer und zurück bleibt ein Gefühl, welches unbeschreiblich ist. Froh heil angekommen zu sein und traurig, dass es vorbei ist, wurden wir unterwegs zu Vagabunden und müssen uns damit abfinden, von der Straße Abschied zu nehmen und in unser „normales“ Leben zurückzukehren. Wir kommen wieder, soviel ist sicher.
 
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stlouischris
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  • Route 66 Beitrag #2
schön geschrieben obwohl ich bei manch sach anderer Meinung bin ;)
 
SteffiG
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  • Route 66 Beitrag #3
Tippe auf St. Louis? ;-)

Nunja, war nicht unsere Stadt. Schweineheiß an dem Tag (kann die Stadt aber nichts für), dann haben wir uns verlaufen in eine sehr unschöne Ecke (kann die Stadt auch nichts für). Gab aber einen netten Irish Pub dort, hat uns gerettet. Dann noch Hochwasser, da kann die Stadt aber auch nichts für. Aber wir kamen aus Chicago.....da waren wir doch maßlos verwöhnt. ;-) Aber der Gateway Arch mit seinem lustigen Aufzug und das Museum of Westward Expansion, der Ausblick auf die Stadt, das Old Courthouse und letztendlich der Pub waren schon cool. Die Brauerei hatte leider schon zu. Wie es so ist auf so einer Tour, die Zeit.....die Zeit...wir hatten nur einen kurzen Einblick, aber gegen Chicago kann (und muss) die Stadt nicht mithalten, ist halt ganz anders.
 
G
Gast8248
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  • Route 66 Beitrag #4
Hallöchen,

also die Route 66 ist schon arg lang. Leider beschreibt ihr sie echt kurz :biggrin:

Zitat
Unspektakulär endet die Reise am Pazifik. Niemand nimmt Notiz von uns und es gibt kein Schild, welches auf das Ende der Route 66 hinweist.

Erm. Ist das ernst gemeint?????? Da habt ihr euch aber nicht für die Route 66 vorher interessiert, denn am Pazifik IST ein Hinweis... Da endet nämlich die Route 66 und es gibt sogar eine grosse Plakette die darauf hindeutet.

Wenn man die Route 66 ernst nehmen will, dann muss man sich gut vorher informieren. Ich habe das so gut wie es ging getan und habe schon einen Teil auf meine HP gesetzt. Leider fehlt mir die Zeit, daran weiterzuschreiben. Ich habe tausende von Fotos von der Route.

LG

 
Charlie
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  • Route 66 Beitrag #5
denn am Pazifik IST ein Hinweis... Da endet nämlich die Route 66 und es gibt sogar eine grosse Plakette die darauf hindeutet.
Stimmt...haben wir auch schon ein paar Mal fotografiert nach unseren Route 66 Fahrten :biggrin:
 
SteffiG
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  • Route 66 Beitrag #6
"Erm. Ist das ernst gemeint?????? Da habt ihr euch aber nicht für die Route 66 vorher interessiert, denn am Pazifik IST ein Hinweis... Da endet nämlich die Route 66 und es gibt sogar eine grosse Plakette die darauf hindeutet.

Wenn man die Route 66 ernst nehmen will, dann muss man sich gut vorher informieren"

NEIN, wir haben uns natürlich NICHT informiert vorher, wir sind einfach so drauf losgefahren. ;-) Wer weiss wo wir gerade hingeguckt haben, als das Schild kam, ich hab auf jeden Fall keines gesehen. Vielleicht lief ja Brad Pitt gerade auf der anderen Straßenseite und hat meine Aufmerksamkeit abgelenkt. (hehe, schön wär´s) Ich dachte zumindest bis jetzt eben, dass es echt kein Schild gab und war mir bisher auch sicher, dass wir auf der richtigen Straße bis zum Ende fuhren. Wir haben drauf geachtet, aber was soll ich sagen.......kein verflixtes Schild zu sehen. In Chicago das Schild "Begin Route 66" haben wir gefunden, aber am Ende.....nö.

Fotos haben wir fast 3000 geschossen, Tagebuch nicht geführt und Lust einen ellenlangen Artikel zu schreiben hatte ich nicht, sollte halt eine Kurzgeschichte werden,die das Reisegefühl wiedergibt.


Steffi
 
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  • Route 66 Beitrag #7
Ich dachte zumindest bis jetzt eben, dass es echt kein Schild gab und war mir bisher auch sicher, dass wir auf der richtigen Straße bis zum Ende fuhren. Wir haben drauf geachtet, aber was soll ich sagen.......kein verflixtes Schild zu sehen. In Chicago das Schild "Begin Route 66" haben wir gefunden, aber am Ende.....nö.
Ist auch eigentlich kein Schild, sondern eher ein "Markierungsstein"/ Gedenkstein:

"Here you will find the famous Will Rogers plaque celebrating Route 66 as the Will Rogers Highway. The Santa Monica Pier has long been considered the unofficial end of Route 66. It had become the symbolic end of Route 66. "
http://www.cart66pf.org/66caravan/roadlog01.htm

Wenn du den link anklickst, kannst Du auch ein Bild sehen ;)

Macht aber nix, dass Ihr das verpasst habt, dann habt Ihr ja noch einen Grund, wieder einmal hinzufahren :biggrin:

Gruss,
Charlie

Edit: Hab grad noch ein besseres Bild gefunden;
http://www.ststlocations.com/gallery/showimg.php?file=/walkabouts/2008-11-09-route66-1/stst-Route66-Walk1-007-WillRogersHwy.jpg
 
SteffiG
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  • Route 66 Beitrag #8
Achso, dann ist alles klar. Tatsächlich ist der Schlussstein der Route erwähnt in meinen Reiseführern, irgendwie haben wir das wohl dann wieder vergessen.....und dann auch nicht mehr gelesen oder glatt überlesen. Na egal. Nochmal hinfahren....nee, jetzt ist geplant von Las Vegas auf die Route 1 zu fahren, dann bis Seatle und dann wieder nach Vegas. Freuen uns schon.
 
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