Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA

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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #1
Von Lynchburg, VA, geht es die US 29 nach Norden. Nach etwa 30 Meilen starren uns rechter Hand aus dem Unterholz heraus ein paar Scheinwerferpaare an. Die Scheinwerfer leuchten schon lange nicht mehr, ebensowenig wie die rostigen Oldtimer noch fahren, zu denen sie gehören. Wir halten auf einem staubigen Schotterparkplatz. Es gibt rostige Werbeschilder und eine alte Zapfsäule, die wohl nur noch einem dekorativen Zweck dient. Dahinter versteckt sich ein gelber VW Käfer, direkt vor der Eingangstür zu einer heruntergekommenen Werkstatt: “Melvin’s Auto Sales” steht auf einem kaum lesbaren Schild über dem brüchigen Vordach. Alles hier scheint einer seltsamen Mischung aus Verwahrlosung und liebevoller Sammelleidenschaft zu folgen. Ich bin mir unschlüssig: Ist es ein Schrottplatz oder ein Autofriedhof?

Hier geht´s weiter zum Blog mit Bildern:
http://www.americanbackroom.com/lang/de/2009/10/melvin/
 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #2
Zurück zum Isolationismus

Noch in Virginia treffen wir an einer Kreuzung in der kleinen Gemeinde Coleen auf den 56jährigen Glenn. Ich will gerade Fotos von einem verfallenen Haus schießen, das mit einem Regenbogen verziert ist, da gibt einer auf der gegenüberliegenden Straßenseite voller Inbrunst Zitate von Patrick Henry und Thomas Jefferson zum Besten. Er stellt sich mir als Glenn vor und ist überzeugt, dass sowohl Jefferson als auch Henry im späten 18. Jahrhundert regelmäßig ihren Kaffee auf der Veranda des kleinen Ladens tranken, den Glenn gerade renoviert. Möbel will er hier verkaufen. Selbstgemachte. Glenn hat viele Berufe. Möbelschreiner ist nur einer davon. Fotograph ein anderer. Für ein paar Monate im Jahr arbeitet er noch auf dem Bau. Aber seine große Leidenschaft gilt der Tierwelt. Fast 60 Tiere beherbergt er in seiner Animal Clinic, die etwas abgeschieden einige Meilen im Hinterland liegt. In unserem Gespräch wird sehr schnell klar, woher diese Tierverbundenheit rührt: Glenn hat nicht viel übrig für die Menschheit, die ihn mit ihrer Gewaltbereitschaft, ihrer Habgier und ihrem Egoismus allzu oft enttäuscht hat. Es wundert mich wenig, dass er eine Warnung für das Jahr 2012 ausspricht, wenn uns allen mit dem Ende des Maya-Kalenders der Weltuntergang bevorsteht. Wobei Glenn nicht als Spinner abgestempelt werden möchte. Vorsichtshalber relativiert er seine Worte: Der Maya-Kalender sei doch nicht ganz so streng zu sehen, sondern stünde nur für das Ende eines Zyklus’, nicht gleich das Ende der Welt. Nur um nach einer kurzen Gedankenpause dann doch noch nachzuschieben: “Aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn alle Konzerne, Banken und globale Großunternehmen im Feuer untergehen würden.



Das klingt schon eher nach dem, was ich nach unserem Gespräch erwartet hatte. Glenn hält also nicht viel von Globalisierung. Die Vereinigten Staaten sollten sich besser aus dem Weltgeschehen raushalten – sowohl in militärischer, vor allem aber auch in marktwirtschaftlicher Hinsicht. Zurück zum Isolationismus also? Ein friedliches Nebeneinander der Kulturen, kein Miteinander. Für Glenn der Weg zum Glück der Menschheit.
Mit diesen Worten im Ohr führt uns unsere Reise durch Schuyler, VA. Der winzige Ort in den Vorläufern der Blue Ridge Mountains gelegen, steht für die Besinnung auf die einfachen Werte, für Familie und Zusammenhalt – vielleicht ist es ja genau das, wonach sich Glenn eigentlich sehnt. Denn Glenn hat drei Töchter. Und wenn er etwas bedauert, dann ist es, dass er zu wenig Zeit mit Ihnen verbracht hat, während sie aufgewachsen sind. Schuyler ist die Geburtsstätte des Schriftstellers Earl Hamner Jr. und Inspirationsquelle für sein Buch “Sommer der Erwartung” und die daraus entstandene TV-Serie “Die Waltons”. Hier sagen sich Fuchs und Hase mehr als nur Gute Nacht.



Zwischen den wenigen Wohnhäusern, zwei Kirchen, dem Waltons Mountain Museum und einem Souvenirladen herrscht Grabes- und Windstille. Die Sonne brennt an diesem frühen Herbsttag. Keine Menschenseele weit und breit. Die Wohnhäuser wirken verschlossen, teils verlassen, teils sind sie auch schon ganz schön heruntergekommen. Ob hier hinter den Fassaden tatsächlich die perfekte Familie gelebt wird, wie sie im Fernsehen vorgemacht wurde, kann man nur erahnen. Schuyler jedenfalls scheint längst in der Wirklichkeit angekommen zu sein. Auch hier sind die Folgen der Globalisierung zu sehen: Der örtliche Grocery Store hat längst dicht gemacht. Dass es hier mal eine Tankstelle gab, davon zeugt nur noch ein großes Schild, das sicher schon lange keine Benzinpreise mehr aufführt.
Ein Anblick, der uns noch in vielen anderen Small Towns begegnen wird, durch die wir kommen. In dieser Nacht steht uns eine lange Fahrt bevor: Bis nach Louisville in Kentucky wollen wir es bis zum Morgen schaffen.
Weitere Eindrücke aus Virginia und richtig große Bilder gibt es im Flickr-Album…

Hier gibt´s mehr...
American Backroom
 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #3
Durch den Bluegrass State

Unsere Fahrt durch Kentucky führt uns über Winchester, Paris, Frankfort, Louisville, Elizabethtown, Hodgenville und Hardyville nach Tennessee. Obwohl Kentucky kaum südlicher liegt als Virginia zählt es bereits zu den Southern States – und die Menschen sind stolz darauf, auch wenn mit Abraham Lincoln einer der berühmtesten Söhne des Staates den Sezessionskrieg auf Seite der Nordstaaten anführte. Abgesehen von der Metro Area Louisvilles (das man hier als weiches, kehliges Luvel ausspricht) mit 1,2 Millionen Einwohner geht es durch ländliche Regionen. In Kentucky nicht besonders schwer. Im Gegensatz zur breitgefächerten industriellen Entwicklung in den Nachbarstaaten hat sich Kentucky größtenteils seine Agrarwirtschaft bewahrt und ist der Bundesstaat mit den meisten Farmen je Quadratkilometer....
Hier geht´s weiter

Hier noch ein paar Impressionen aus Kentucky:
oder mehr im Flickr-Album
 
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habe fertig o.O
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #4
Schoener Bericht und tolle Bilder :)
 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #5
Foto-Landkarte

Hallo Freunde,

da ja unsere Fotos so gut ankommen, hier noch schnell der folgende Link zu unserer Foto-Landkarte bei Flickr. Damit ihr genau seht, wo unsere Fotomotive liegen und unsere Reiseroute nachvollziehen könnt.
 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #6
Canterbury Tales

In Anspielung auf das texanische Nummernschild unseres Leihwagens fragt man uns an einer Tankstelle in Nashville, ob wir vorhätten, hierher zu ziehen. Möglicherweise sind auch die Taschen und Koffer und deren Inhalt, die nach 10 Tagen on the road im Heck des Wagens wuchern, der Auslöser. Jedenfalls gibt man uns den Tipp: “This is not a good place to be.
Auf Nachfrage, was er damit meine, winkt der ältere Minderheitenvertreter ab und bekräftigt im Weitergehen nur noch einmal, dass dies kein guter Ort zum Leben wäre. Und als wolle er besonderes Gewicht in seine Aussage legen, indem er sich mit uns verbündet, zeigt er uns noch seine ID: Er ist Texaner. Stolz nickt er uns zu: “Take care!“. Dann zieht er seines Weges.
Wir brechen auf gen Süden. Sobald wir die letzten Ausläufer Nashvilles, der Hauptstadt von Tennessee mit knapp 630.000 Einwohnern, hinter uns gelassen haben, erstrecken sich rechts und links der Straße Wiesen in saftig-satten Grüntönen. Eingefasst von schier endlosen weiß lackierten Holzzäunen. Nur vereinzelt wird das Grün unterbrochen von wenigen Farbklecksen wie Pferden und Rindern.
Eine Autostunde südlich stoßen wir auf die Siedlung Canterbury, deren Einfahrt mit Burgwachtürmchen und buntem Fensterglas unsere Neugierde weckt. Lest hier weiter...

 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #7
Ich wollte ja schon immer mal wissen, was der Hintergrund jener rot-weiß-blau gestreiften Zylinder ist, die sich hierzulande an zahlreichen Friseurläden finden.
Eine gute Gelegenheit das herauszufinden, bietet sich uns in der Kleinstadt Thompson’s Station, Tennessee. Etwas außerhalb der Stadtgrenzen zwischen einer Tankstelle und einem Schrottplatz steht ein unauffälliges kleines Haus. Die Tür steht sperrangelweit offen.
Und gleich neben dem Türrahmen dreht sich besagter Zylinder, den man Barber’s Pole nennt, wie ich bald herausfinden werde. Im Innern erwartet den Besucher ein altes Sofa, ein Boxsack und ein Kickertisch mit Star Wars-Figuren als Spielermännchen. Poster von Comic-Superhelden vervollständigen den ersten Eindruck.
Ein Friseursalon? Richtig. In einem beengten Zimmerchen, zwischen alten Möbeln, Familienfotos, einem Poster mit den Westernhelden des Spielfilms “Tombstone” und einer winzigen Kochnische sitzt Jason. Jason ist Barber. 35 Jahre alt. Stets guter Laune. Es fasziniert ihn, dass wir den weiten Weg aus Deutschland gekommen sind, um zufällig in seinem Barber Shop zu landen. Er bemerkt gleich, dass ein Haarschnitt bei mir nicht notwendig ist. Vielleicht ist er ein wenig enttäuscht, aber das lässt er sich nicht anmerken. Auf Kundschaft wartet Jason jedenfalls. Doch in der Zeit, die wir bei ihm verbringen, wird keine Kundschaft auftauchen. Womöglich ist die Lage des Salons nicht die Beste. Der kleine Laden war früher Teil des Schrottplatzes. Jason hat ihn aufgekauft und zu einem Salon umbauen lassen. Laufkundschaft gibt es hier wenig. Falls man in der Auto-Nation Amerika denn überhaupt von Laufkundschaft sprechen darf.
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #8
Was ist normal in Alabama?

Durch Alabama führt uns unsere Route meilenweit durch Kiefernwälder, aus denen immer wieder unbefestigte Seitenstraßen durch die kräftige rötliche Färbung der Erde hervorstechen. Die klimatisierte Blase, die unser Mietwagen darstellt,lässt uns nichts spüren von der Schwüle des Südens. Man wird jedesmal aufs Neue überrascht von der Wand aus Hitze und Luftfeuchtigkeit, gegen die wahrhaftig stößt, wenn man aus dem Wagen steigt.
Wie die meisten Südstaaten hat auch Alabama aufgrund seiner landwirtschaftlichen Prägung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wirtschaftliche Einbußen hinnehmen müssen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg haben sich hier verschiedene schwere Industrien angesiedelt und für den Aufschwung gesorgt. Auch die Automobilindustrie ist einer der stärksten Wirtschaftsfaktoren des 4,6-Millionen-Einwohner-Staates. Tuscaloosa, wo unsere Reise durch den Süden beginnt, machte beispielsweise Ende der 90er Jahre Schlagzeilen, als Mercedes Benz hier sein erstes Werk in Nordamerika errichten ließ. Heute gehören der Automobilhersteller und diverse Zulieferfirmen in Tuscaloosa zu den wichtigsten Arbeitgebern.
Außerhalb industriell geprägter Regionen sieht das Leben hingegen noch immer sehr einfach aus. Man möchte fast behaupten, dass die Zeit stehen geblieben ist.
Das gilt mancherorts wohl auch noch immer für die Rassenfrage.

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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #9
Von Biloxi bis New Orleans: Entlang der Küste Mississippis

Unsere kurze Fahrt durch den Staat Mississippi soll uns eigentlich nur binnen eineinhalb Stunden nach New Orleans bringen. Daraus wird nichts. Das fängt schon mal damit an, dass wir auf halber Strecke feststellen, dass ich die Geldbörse mit unserer Kreditkarte in einem Frühstücksdiner in Ocean Springs liegen gelassen habe. Glücklicherweise waren wir am Morgen die einzigen Gäste des Lokals, so dass die Bediensteten die Geldbörse finden konnten, bevor es ein anderer tat. Inzwischen ist der Laden gut gefüllt und als ich die Tür aufreiße, rufen mir gleich drei Kellnerinnen über die Köpfe der anwesenden Gäste zu: Didn’t you forget something! (Hast Du da nicht was vergessen?) Mit diesem leicht neckisch-vorwurfsvollen Tonfall und analogen Blicken, während aus der hintersten Ecke die Schichtführerin bereits mit der Geldbörse in der Hand wedelt, so dass nun auch der letzte Gast Zeuge meiner Schussligkeit ist. Ich sehe mich schon in Zeitlupe der Schichtführerin entgegenlaufen und das verlorene Stück unter tosendem Applaus der Anwesenden entgegennehmen. Soweit kommt es nicht. Dazu muss noch erwähnt werden, dass ich eigentlich kein Geldbörsen-Mensch bin. Für gewöhnlich trage ich keine bei mir. Ich mag weder ausgebeulte Gesäßtaschen noch das endlose Kramen nach Münzen in den meist unnatürlich düsteren und viel zu klein geratenen Münzfächern. Ich habe also ein über Jahre hinweg praktisches System entwickelt, den Alltagsgebrauch an Karten, Scheinen und Kleingeld ganz ohne Geldbörse und auf das Wesentlichste reduziert mit mir zu führen. Und verloren hab ich davon eigentlich auch noch nie was. Ehrlich. Nur eben jetzt, während der Zeit in den USA. Da muss ich mich erst wieder daran gewöhnen, mit einer Geldbörse zu hantieren. Und auch nur, weil man ja ständig alle möglichen Karten, IDs, Coupons oder den Presseausweis griffbereit haben muss.

Erfahrt mehr über Mississippi...

 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #10
Die zwei Flaggen des Billy Doland

Billy Doland wohnt nicht weit vom Meer. Vielleicht drei, höchstens vier Kilometer Sumpfland liegen zwischen seiner Farm und dem Golf von Mexico. Die kleine Gemeinde Grand Chenier erstreckt sich über mehrere Meilen entlang des State Highway 82 an der Küstenlinie Louisianas, zwischen endlosem Gras- und Schilfland, das von ein paar Wasserarmen durchzogen wird. Es sind keine großen oder alten Farmhäuser, die einen hier erwarten. Kleine Mobile Homes reihen sich an der Straße entlang, viele auf Stelzen errichtet, daneben meist ein oder zwei Schuppen, vielleicht eine Scheune oder Garage. An vielen Gebäuden wehen die Stars & Stripes in der abendlichen Brise.
Auch bei Billy Doland, der Rinder züchtet, sieht es nicht anders aus. Doch Billy Doland hat noch eine zweite Flagge, nicht nur die, die an einem dünnen Mast in seinem Vorgarten weht. Er führt uns in einen Schuppen hinters Haus und zeigt in die halbdunkle Ecke unter dem Giebel des Daches. Dort hängt sie, die Flagge, zerschlissen und zerfetzt, mit zahlreichen Reißzwecken befestigt, um die ursprüngliche Form wieder herzustellen. Vor vier Jahren wehte sie noch stolz über dem Rasen von Billy Dolands Farm. Doch dann kam der Herbst 2005, ein schwieriges Jahr hier unten an der Küste.



Nur wenige Wochen nach Hurricane Katrina kam mit Hurricane Rita der nächste gefahrbringende Sturm auf die Bewohner zu. Diesmal traf es mit voller Wucht den westlichen Küstenabschnitt Louisianas. Grand Chenier wurde im Vorfeld vollständig evakuiert.
Als Billy Doland wieder auf seine Farm zurückkehren konnte, fand er nichts mehr so vor wie es war. Sein Haus lag fünf Meilen weiter, sagt er, und schwamm regelrecht in den Sümpfen. Von seinen knapp 500 Rindern konnten gerade mal 30 lebend geborgen werden. Praktisch der totale Verlust seiner beruflichen Existenz. Doch Billy Doland will nicht aufgeben. Er liebt das Land und die Region viel zu sehr und hat sich vorgenommen, einfach weiterzumachen bis er keine Kraft mehr hat. Wenn auch in kleinerem Stil.
Als er bei den Aufräumarbeiten unter den Trümmern seiner Farm die zerschlissene Flagge hervorzog, war er bereits im Begriff sie wegzuwerfen. Es war sein Neffe, der den Einfall hatte, sie im neu errichteten Schuppen an die Wand zu nageln. Und seither hängt sie dort, als Zeichen für ihn, den Mut nicht zu verlieren.
 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #11
A Community with Pride

In Cade Lakes, Texas, einer kleinen Siedlung, etwa fünf Meilen westlich von Caldwell, ist es schwer, jemanden für ein Interview zu gewinnen. Der junge Familienvater, der am ersten Grundstück seinen Rasen mäht, hört sich zwar interessiert unser Vorhabe an, doch sobald das Wort “Kamera” fällt, will er nichts mehr mit uns zu tun haben. Wir fahren weiter über unbefestigte Wege, vorbei an zahllosen Mobile Homes, Wohncontainern, zum Teil nur noch Ruinen. Ein paar Häuser weiter steigt beißender Rauch in unsere Nase. Barbecue wird angeschürt, doch auch der Grillmeister gibt sich kamerascheu. Die meisten hier seien arbeitslos und wollen eher unauffällig bleiben, verrät er uns. Sein Nachbar ruft uns schon von der Veranda aus zu, dass wir sein Grundstück gar nicht erst betreten brauchen.
Lest mehr über die Texaner...

 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #12
Roping Night in Oklahoma

Erst spät am Nachmittag kommen wir nach Oklahoma. Den ganzen Tag über hatten uns wolkenbruchartige Regenfälle durch den Nordosten von Texas und über die nie enden wollenden Freeways begleitet, die sich durch den Großraum Dallas/Fort Worth schlängeln und einen einfach nicht mehr freilassen. In Oklahoma geht es ruhiger zu. Vor allem auf den kleineren Landstraßen westlich der Interstate 35. Die sich aber ebenfalls Highway nennen. Als Highway werden praktisch alle Straßen bezeichnet, die halbwegs befestigt sind. Auch wenn bisweilen unbefestigte Straßen weitaus angenehmer zu befahren sind als manch befestigter Highway. Die berüchtigte desolate Infrastruktur des amerikanischen Straßensystems ist vielerorts offensichtlich. Vor ein paar Tagen stand ich auf einer Brücke, die über das Gleissystem des Güterbahnhofs in Barstow, CA führte. Brücken mit Fußgängerwegen sind ganz schwer zu finden. Diese hatte zumindest auf einer Seite einen. Der war zwar nur etwa vierzig Zentimeter breit und damit kaum breiter als ein Bordstein, aber wenn man sich ganz eng an das Brückengeländer drückte, war man das Gefühl los, dass einen die vorbeifahrenden Autos immer irgendwie ganz sachte streifen.
Viel beunruhigender waren die Vibrationen. Jeder vorbeikommende Wagen sorgte für ein mittleres Erdbeben und die Risse und Brüche in der Brückenstruktur verstärkten meinen besorgniserregten Gesichtsausdruck noch. Erinnerungen an den Brückeneinsturz in Minneapolis vor ein paar Jahren waren unvermeidlich. Unter mir kochten drei oder vier aneinandergekoppelte Diesellokomotiven, die einen jener endlosen Güterzüge hinter sich herziehen. Sie hatten sich dazu entschlossen, unter der Brücke stehen zu bleiben und mich alle paar Minuten mit bestialisch stinkenden Dieselwolken einzunebeln.
Lest weiter im Blog mit Bildern und erfahrt etwas über Kühe, Kälber, Cowboys...

 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #13
Pyjamaparkplatzaction

Das Roping in Coleman bringt unseren Reiseplan durcheinander. Unser ursprüngliches Ziel für den Abend war McAlester, OK. Das ist wohl nicht mehr zu schaffen. Ist ja schon Zehne, und mindestens zweieinhalb Stunden noch bis McAlester. Dort ist das Army Ammunition Plant (Link zur engl. Wikipedia), die Fabrik, die praktisch alle Bomben der US Army herstellt. Und der größte Arbeitgeber im Ort. Noch vor Wal Mart und dem Oklahoma State Penitentiary, jenem Gefängnis, aus dem die Hauptfigur Tom Joad am Beginn von John Steinbecks Roman “Früchte des Zorns” entlassne wird. Selbst der eine oder andere Pfarrer von McAlester arbeitet tagsüber in der Bombenfabrik. Das hätte ich mir gerne angesehen. Nicht den Pfarrer beim Bombenbau. Und auch nicht das Werk. Obwohl sicher hochinteressant, aber dafür wäre wohl ein langwieriges Genehmigungsverfahren erforderlich. Stattdessen hätte ich es spannend gefunden, mit den Menschen im Ort ins Gespräch zu kommen. Daraus wird jetzt nichts mehr. Muss ich mir für spätere Recherchen aufheben.

Stattdessen suchen wir das nächstbeste Motel auf. In Atoka, einem Kaff etwa eine Autostunde nordöstlich der Roping Arena, werden wir fündig. Es gibt nicht viel in Atoka. Das Best Western liegt fern unseres Budgetrahmens. Unsere Kalkulation erlaubt uns durchschnittlich nur 50 Dollar bzw. 34 Euro pro Nacht (inklusive Steuern). Bisher kommen wir sogar mit etwas weniger aus. In Atoka bleibt uns aber neben dem Best Western nur eine Alternative. Auch die ist natürlich völlig ausreichend, wie eigentlich alle Motels, die wir buchen. Allerdings werden wir um 1 Uhr nachts geweckt, um das Zimmer zu wechseln. Angeblich wegen der Handwerker. In Pyjamahosen und T-Shirt zerren wir unsere halboffenen Koffer und die Reste der Domino’s Pizza über den Parkplatz zum nächsten Zimmer. Es ist für die Jahreszeit unverschämt kalt. Ja, der Temperatursturz sei etwa vier Wochen zu früh dran, versichert uns der Hotel Clerk noch. Danke. Von Handwerkern weiß man übrigens am nächsten Morgen nichts mehr. Überhaupt sieht man keinen Grund, weshalb wir in der Nacht noch einmal durch die halbe Stadt gejagt wurden. Einen Discount gibt’s für den Zwangsumzug dann aber doch nicht. Wohl weil wir schon einen Discounttarif hätten. Aha. Davon hatte der Hotel Clerk in der Nacht zuvor aber nichts erwähnt. Wir geben dennoch klein bei. Weil, ist ja eh im Budgetrahmen. Aber Punkte für gute Führung gibt’s für das Hi-Way Inn nicht. Wir beschließen, einfach nicht mehr nach Atoka zu kommen und folgen einer neuen Route.

Statt nach Bomb Town USA fahren wir nach Westen. Das schließt zwar auch den kurzen Abstecher in die nordwestlichste Ecke Arkansas aus, aber wir müssen etwas aufholen, um den Zeitplan auf lange Sicht einhalten zu können.

Bilder aus Oklahoma findet ihr hier
 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #14
Begegnungen entlang der Mother Road



Ich bin ja eigentlich nicht der Mensch, der für Legendenbildung besonders empfänglich ist. Und schon gar keiner, der sich auf einen Hype einlässt. Aber bei der Route 66, da verspüre sogar ich ein leichtes Kribbeln im Bauch. Nicht weil ich etwa ein großer Liebhaber amerikanischer Automythen wäre. Mit Autos hab ich noch nie viel anfangen können. Vielleicht aber, weil die Romantik der Route 66 ein wenig für das steht, was auch unser Recherchetrip darstellt: Reisen um zu Entdecken. Freude am Fahren, nicht am Ankommen. Vielleicht auch, weil sie so tief verwurzelt ist im Mythos Amerika und eine ganze Menge von dem bietet, was amerikanische Folklore, das Straßen- und Städtebild sowie amerikanisches Design vielerorts und für lange Zeit ausmachte – Americana, um es mit einem Wort zu sagen. Vielleicht aber auch, weil die Route 66 tatsächlich der Urtyp einer Legende ist, der nur noch als Idealvorstellung in den Köpfen der Menschen existiert, während sie im wahren Leben mühevoll darum bemüht ist, sich überhaupt am Leben zu erhalten, wie wir bald feststellen werden. Denn anders als moderne mediengemachte Legenden, hat die echte Route 66 das mediale Interesse weitestgehend verloren und wird oft nur noch von Geschichten und dem Geschichtenerzählen am Leben erhalten. So wie es sich für eine ordentliche Legende gehört.

Etwa vier Stunden nach Atoka stoßen wir in Chandler, OK auf die Mother Road, die Mutter aller Straßen. An einer Ecke, die tatsächlich völlig unscheinbar ist und nicht einmal Spuren von Americana zu bieten hat. Selbst an den richtungsweisenden Straßenschildern fehlt die obligatorische “Historic Route 66″-Markierung. 18 North, 66 East heißt es stattdessen schlicht. Man würde fast nicht bemerken, dass man soeben einer Legende begegnet ist. Das hatte ich mir zugegeben etwas anders vorgestellt.
Bei Jiffy Trip, der kleinen Tanke auf der anderen Straßenseite, begegnen wir mit Brian Carl Louis dem ersten Menschen entlang der Route 66. Brian kommt aus Chandler, OK – “born & raised” (geboren und aufgewachsen) – und arbeitet nur zwei Blocks weiter auf einer Frucht- und Gemüsefarm: Melonen, Zwiebeln, grüne Bohnen. Sein Lebensinhalt. Mit der Route 66 hat er sich in den 48 Jahren seines Lebens noch nicht befasst. Für ihn ist das nur eine Straße. Und das 3.000-Einwohner-Städtchen Chandler nur eine typische Kleinstadt im mittleren Westen. Auch das neue Route 66 Interpretive Center, das erst vor wenigen Jahren in Chandler eröffnet wurde, hat er noch nicht besucht. Und wenn er ehrlich ist, er hat es auch nicht vor.

Darla Clark ist die fröhlich freundliche Lady hinter der Kasse des Jiffy Trip. Gleich zu Beginn unseres Gesprächs zählt sie nahezu völlig automatisiert alle wichtigen Sehenswürdigkeiten entlang der 66 auf – zumindest für die nächsten 20 Meilen in beide Richtungen. Ein Must-See jagt das andere. Bis sie schließlich merkt, dass ich mich weniger für die Straße als für sie interessiere. Lest weiter im Blog mit Bildern.
 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #15
Von denen, die auszogen… ohne Truthahn

Einen wunderschönen guten Morgen und ein feierliches “Juhu, es ist Thanksgiving!” Gut, eigentlich kein Tag, den wir Deutschen feiern, aber durch die ganze Festtagslaune um einen herum, kann man sich schon mal leicht anstecken lasen. Bereits in den vergangen Tagen konnte man Leute beobachten, wie sie bei WalMart und Co. durch die Gänge schleichen auf der Jagd nach dem besten, fettesten und günstigsten Truthahn. Und an der Kasse: Vor uns Truthahn auf dem Band, nach uns Truthahn auf dem Band, dazwischen unsere Packung typisch weiches amerikanisches Toastbrot und eine Tüte Salat. Da weiß man doch, worauf man sich freut…

Jetzt ist es also soweit. In Dankeslaune begeben wir uns aus unserem Motelzimmer Richtung Frühstücksraum, wo uns strahlende Menschen mit einem fröhlichen “Happy Thanksgiving!” begrüßen. Wir tun dem Gleich und genießen unsere Cornflakes, unseren Kaffee und natürlich – Toastbrot.
Frisch gestärkt und beladen mit unseren üblichen gefühlten 20 Koffern und zehn Taschen kommen wir zur Rezeption um auszuchecken: Happy Thanksgiving! What are your plans for today? Visiting your family? (Happy Thanksgiving! Was habt ihr heute noch vor? Besucht ihr eure Familie?) Wir verneinen und klären die nette Dame auf, dass wir leider keine Verwandtschaft hier haben, dafür aber eine fünfstündige Autofahrt vor uns. Mit einem mitleidigen Blick bekommen wir eine Liste mit regionalen Lokalen überreicht, die Thanksgiving-Dinner anbieten. Lest im Blog weiter, wie der Feiertag weiter geht.
 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #16
Herzstillstand an der Route 66

Hallo Freunde,

nach längerer Zeit ein neuer Beitrag. Mittlerweile sind wir ja schon in Deutschland zurück. Kurz gesagt die Reise war wirklich stressig, aber super und es hat sich gelohnt. Ich werde auch in Zukunft Beiträge posten - die sind dann natürlich nicht mehr direkt und live aus den USA - aber lassen euch an unseren Erfahrungen teilhaben.



Wir rollen durch die Nacht und den Texas Panhandle Richtung Amarillo, als uns das Benzin ausgeht. Nicht vom Wagen, sondern vom Feuerzeug. Die letzte Tanke liegt schon eine ganze Weile zurück. Und wenn das Verlangen nach Nikotin zu groß wird, dann nimmt man es eben in Kauf, auch mal von der I-40 runterzufahren und sein Glück bei den paar Lichtern in der Ferne zu suchen. Nach Tanke sieht es dort aber auch nicht aus. Stattdessen begrüßt uns ein überdimensionierter und von Rostflecken überzogener Blechkaktus mit der neonleuchtendgrünen Aufschrift Cactus Inn. Hier, beschließen wir, werden wir übernachten. Gibt in der Dunkelheit eh nichts zu sehen. Können wir genauso gut schlafen. In dem winzigen Office greife ich als erstes in die Schale mit Streichhölzern. Dann treffe ich Peggy Baer, die Managerin des Cactus Inn. Und zugleich stolze Bürgermeisterin von McLean, Texas. McLeans erste Frau in diesem Amt. Ihre Wahl habe sogar ein internationales Medienecho nach sich gezogen, wird Peggy nicht müde immer wieder zu betonen, als sie vom Grund unserer Reise hört. Durch die Tür hinter ihr fällt mein Blick ins Wohnzimmer, von wo aus mir ihr Mann Duwain aus einem Lazy Boy zunickt, einem jener überdimensionierten, verstellbaren amerikanischen TV-Sessel, bei denen der Name Programm ist. Zwei solcher Lazy Boys gibt es in Peggy und Duwain Baers Wohnzimmer. Einen großen Fernseher. Und sonst viel Platz.

In McLean, the Heart of Old Route 66 (dem Herzen der alten Route 66) gibt es nicht viel zu tun. Das Cactus Inn ist eines jener 66-Überbleibsel aus der Zeit vor den Interstates. Mitte der Achtziger wurde McLean durch den Bau der I-40 nur knapp 3 Meilen außerhalb vom Strom der Reisenden ein für allemal abgeschnitten. Davor brummte das Geschäft in der damals noch rund 2000 Einwohner zählenden Kleinstadt. Übrig geblieben sind nur noch sieben- oder achthundert. Wenn man nicht gerade Route 66-Tourist ist oder dringend Feuer braucht, gibt es kaum einen Grund, die Abfahrt nach McLean zu nehmen. Es gibt weder eine Tankstelle noch ein Schnellrestaurant. Und das Steakhaus nebenan schenkt keinen Alkohol aus.
Peggy ist noch nicht lange Managerin des Cactus Inn. Kaum ein Jahr ist es her, dass sie diese Stelle angenommen hat. Mit 66 Jahren!
Mehr über Peggy und das Cactus Inn im Blog mit Bildern
 
F
Floridiana
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #17
Sagt mal, moviebrats, auf dem Foto mit der Philipps Tankstelle ist doch deutlich im Hintergrund ein niegelnagelneues Gebaeude zu sehen, auf dessen Parkplatz jede Menge Pickups stehen. Also total ausgestorben kann der Ort dann ja nicht sein.

Die Fotos finde ich uebrigens super, vor allem die von den Leuten. Wenn ich welche frage, ob ich sie fotografieren kann, dann stellen sie sich gleich in Positur und das Ergebnis wird steif. Wie macht ihr das, dass die Leute entspannt bleiben, gut drauf aussehen und trotzdem nicht steif?
 
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #18
Sagt mal, moviebrats, auf dem Foto mit der Philipps Tankstelle ist doch deutlich im Hintergrund ein niegelnagelneues Gebaeude zu sehen, auf dessen Parkplatz jede Menge Pickups stehen. Also total ausgestorben kann der Ort dann ja nicht sein.
ganz ausgestorben ist er ja auch nicht, noch zählt er knapp 800 einwohner. wenn man jedoch durch die straßen, v.a. im "stadtkern" (main st und angrenzende geschäftsstraßen), geht, stehen bis auf eines oder zwei fast alle geschäfte leer.

das gebäude im hintergrund ist übrigens eine kirche. das erklärt auch die anzahl der pickups ;)


Die Fotos finde ich uebrigens super, vor allem die von den Leuten. Wenn ich welche frage, ob ich sie fotografieren kann, dann stellen sie sich gleich in Positur und das Ergebnis wird steif. Wie macht ihr das, dass die Leute entspannt bleiben, gut drauf aussehen und trotzdem nicht steif?
danke für das kompliment :)

aber eine patentlösung hab ich auch nicht. ein trick, der oft klappt, ist, die leute nicht spüren lassen, wann man fotographiert. ich sage den leuten immer, dass ich noch einen moment brauche, bis ich die richtigen einstellungen für belichtung, etc. an der kamera vorgenommen habe (testfotos also). dann sind sie meist noch recht locker und verhalten sich natürlich, während ich aber schon das eine oder andere "brauchbare" foto knipse. sobald man aber sagt, dass man jetzt soweit wäre, dann versteifen sie tatsächlich oft. das sind die meisten halt gewohnt. daher auch "nach hinten raus" noch weiter fotographieren, also nachdem die "offiziellen" fotos geknipst wurden und sich die personen wieder entspannt haben.

was ich auch vorschlage: sag den leuten ruhig, was du gerne von ihnen hättest. also dass sie sich entspannen sollen, einfach sie selbst sein sollen, dich nicht beachten sollen oder auch mal ohne lächeln... das klappt meist ganz gut. und dann natürlich auch möglichst viele fotos schießen, nicht nur eines, dann ist die chance größer, dass man einen richtigen moment oder ausdruck erwischt. für die meisten porträts in unserer serie sind zwischen 20 und 30 bilder entstanden.
 
F
Floridiana
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #19
Danke fuer die wirklich guten Tipps.

Das mit den fast oder sogar ganz ausgestorbenen Stadtkernen, das kenne ich auch aus Florida. Dort sind dann alle Einkaufsmoeglichkeiten im Nachbarort an einer Durchfahrtsstrasse aufgereiht oder in der Mall.
 
K
kameido
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  • Live Reisebericht - 12.000 Meilen quer durch die USA Beitrag #20
Wirklich starke Bilder. Gerade das Morbide, der Zerfall ist faszinierend. Erinnert mich an meine Eindrücke z.B. aus Butte, Montana, und Atlantic City, wo Zerfall und Glanz dicht beieinander liegen. Aber wo ist dein übriger Reisebericht (12000 mls)?
 
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