Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98

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Mammut-Tour a la Greenhorn (Classic '98)


Das was ich jetzt versuche hier zu berichten ist mit Sicherheit kein Reisebericht mit wertvollen Tipps für Trails und Hinweise auf versteckte landschaftliche Schönheiten. Es handelt sich um meine erste USA-Rundreise anno 1998. Ein Stück her schon, gespickt mit blutigen Anfängerfehlern. Da hier ja gern noch Passagiere zusteigen, muss ich gleich mal warnen. Diese Tour wird kein Zuckerschlecken, Ihr müsst äußerst gern Auto fahren, Euch in der Ernährung umstellen und dürft nichts gegen billige Motels haben.... Alle Erstreisenden können hier nachlesen was sie besser nicht machen sollten und erfahrende USA-Reisende können sich vor Lachen die Bäuche halten oder sich die Haare raufen. Eine irre Tour, … Erholungseffekt unter Null. Viel gesehen aber bloß nicht richtig,


Vorwort: USA aus Versehen:rolleyes:


Die Story hat natürlich eine Vorgeschichte. Es war zum Jahreswechsel 1997/98, ich machte derzeit meine Umschulung zum Reiseverkehrskaufmann. Ich hatte gerade ein längeres Praktikum im Reisebüro um den Alltag dort kennenzulernen. Wie man Badeurlaub in Spanien, Ferienhäuser in Skandinavien und Busfahrten zur Tulpenblüte nach Holland verkauft. War interessant und hat auch Spaß gemacht.USA war nicht so nachgefragt, hier und da mal Flugtickets für Familienbesuche etc. Mein Mitumschüler und späterer Tour-Guide war zeitgleich in einem anderen Reisebüro und war damals schon zweimal in den Staaten. Beide waren wir ungebundene Singles.


Mit den Sonderangeboten kam ein Flyer der Condor reingeschneit, „2 fliegen – Einer zahlt!“ Die Condor hatte damals eine neue Route ins Programm aufgenommen, München – Las Vegas via Köln mit Zwischenstopp rückzu in Denver. Dazu bot man einen Mietwagen inklusive an. Alles so um die 1400DM rum, für 2 Personen ein toller Preis. Da kam also mein Spezi zu mir in mein Reisebüro und sagte er fände niemand der zu der Zeit mit ihm mitfliegen könne und ich sagte scherzhaft, „ meine Güte dann komme ich eben mit“. Wir simulierten die Buchung am Computer mal ob das tatsächlich für den Preis geht. Es ging! Allerdings kommt hier schon Lektion 1, „immer das Kleingedruckte lesen!“ In dem Moment war das Angebot nämlich fest gebucht! Es gab nicht wie bei anderen Buchungen Reservierungsoptionen, alles war sofort im Kasten. Man nennt das „Buchen ohne Verstand, oder wer lesen kann ist klar im Vorteil.“ Jetzt war Schluss mit Flachserei, wir hatten soeben zwei Tickets gebucht. Ach Du Schreck, das war eigentlich überhaupt nicht eingeplant für das Jahr. Was nun? Ganz klar, ab auf die Stadtverwaltung und einen Reisepass beantragt. Im Jahr 8 nach der „Wende“ hatte den noch nicht sehr viele Bürger in Neufünfland, genügte ja meist der Perso in Europa.


Ganz ehrlich, ich hatte von nichts eine Ahnung was die USA angeht. Ich hätte auch geglaubt Mount Rushmore liegt neben Disneyland. Entfernungen konnte ich nicht einschätzen. Das Land kannte ich nur aus den Nachrichten oder dem Kino. Amokläufer, wilde Schießereien, ab und zu sorgt Schwarzenegger für Ordnung, die spielen dort den ganzen Tag Football und essen Burger bis es qualmt. Rock-Berühmtheiten wie Bruce Springsteen oder CCR begleiteten mich schon durch mein DDR-Leben, … alles klar, ein Land wo Freiheit groß geschrieben würde (letzteres stimmt übrigens, toll!). Ganz nebenbei, … diese Klischees pflegen viele die sich noch nie mit dem Thema befasst haben.


Es sollte eine Low-Budget-Tour werden. Um besser durchs Leben zu kommen fuhr ich nebenbei noch Taxi an den Wochenende, finanziell war ich nicht besonders stark aufgestellt damals, kam aber zurecht. Der Countdown lief also... Etwa 6 Wochen lagen zwischen der Spontanbuchung und dem Abflug von Köln. Ich machte mir um nichts einen Kopf, Lothar kannte sich ja aus, war ja schon drüben.


Auf nach Köln


Es war kurz nach Fasching, Anfang März 1998. An einem Montagmorgen ging der Flieger und der Wetterbericht machte etwas Sorgen. Schnee und Eis waren nochmal angesagt. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, also entschieden wir uns sehr zeitig aufzubrechen. Wie gesagt sehr zeitig..., wollten wir doch auf keinen Fall den Flug gefährden weil wir unterwegs feststeckten, immerhin über 300km bis Köln-Bonn.Wir fuhren kurz vor Mitternacht ab, der Flug ging am späten Vormittag. Natürlich war ich noch nie so schnell nach Köln gefahren wie in dieser Nacht. Alles frei auf der A44 und der angesagte Schneefall erfreute vielleicht die Kinder in der Oberpfalz. Aber auch gut so. Auto abstellen auf einen riesengroßen Langzeitparker-Stellplatz. Natürlich fuhr kein Shuttlebus frühs kurz vor Drei. Schleppen war angesagt, aber wir sind ja groß und kräftig. Durch einen geöffneten Nebeneingang kamen wir ins Terminal. Außer ein paar Reinigungskräften gehörte der Airport uns. An Sleep and Fly hatten wir natürlich nicht gedacht, ich war vorher noch zwei Nächte Taxi gefahren und eigentlich stehend ko. Die Ersten am Check in, gute 5 Stunden zu früh! Gut das wir uns an der Tanke unterwegs ein Sixpack Bier mitgenommen hatten, aber Vorsicht.... man will ja nicht angebrütet einchecken oder gar noch nicht befördert werden wegen Trunkenheit. Als angehende Reiseverkehrsleute sollte man ja Bescheid wissen. Die Zeit ging nicht rum, elend lang zog sich die Nacht. Die ersten Reisenden nach Berlin und sonst wohin gaben uns aber Hoffnung, … es gibt noch Leben in Köln-Bonn! Und irgendwann gesellten sich weitere Menschen zu uns mit Ziel Las Vegas und wunderten sich über ein paar rumstehende Bierbüchsen....


Mein erster Transatlantik-Flug


Irgendwann kam die Maschine aus München die die Kölner Zusteiger aufnehmen sollte. Auf den besten Plätzen saßen natürlich die Leute die schon in Bavaria eingestiegen waren. Ein großer Airbus, roch noch irgendwie neu. Mittelplatz in der Mittelreihe. Ich bin recht groß und überlegte gleich ob ich mir gleich einen Knoten in die Beine mache... Takeoff! Neben mir eine liebenswerte ältere Dame aus dem Sauerland und zur anderen Seite Lothar der wohl schon vor der Nordsee in den Schlaf des Gerechten fiel. Meine Nachbarin zur Rechten tat dies nicht. Es war wirklich eine nette Person. Ich konnte mir spätestens über Schottland vorstellen wie sie die leckersten Kuchen bäckt, gen Island wurde ich mit der Familienhistorie bekannt gemacht. Die Schwester wohnte seit den 50ern bei Las Vegas, ist mit einem GI in die Staaten gegangen. Weiter will ich nicht ausholen, sonst steigt wohl möglich niemand bei uns ein.... Die Familien-Saga wechselte auf Höhe Grönland in den Speiseplan für die nächsten zwei Wochen. Ehrlich, einen rheinischen Sauerbraten mache ich Euch heute noch aus den Effeff vom Feinsten. Böse sein konnte ich der Dame allerdings auch nicht, es war eben eine nette Omi die wohl für ihr Leben gern erzählte. Kurz vor Kanada stellte ich mich schlafend... Zehn Jahre später, auf meinem zweiten Flug in die Staaten hatte ich eine kleine Asiatin als Nachbarin, die war muxmäuschenstill. Anno 2008 dankte ich meinen Schöpfer für so viel Gnade und dachte an die Omi mit dem Sauerbraten und bleierte ab und zu in einen leichten Schlummer. Von Sauerbraten von damals träumte ich dabei eher nicht...


So lange war ich noch nie geflogen, mal in den Mittelmeerraum oder ganz früher mit einer IL18 nach Budapest (eines der letzten Abenteuer im real existierenden Sozialismus!), das geht ja fix, manche Taxifahrt dauerte seiner Zeit länger. Was man so aus dem Fenster ab und an mal erspähen konnte sah alles andere als spannend aus. Der Präsident empfing uns nicht auf dem Monitor mit warmen Worten und Arni schaute auch nicht rein ob alles in der Spur läuft, schlichtweg unspektakulär. Der freundliche Condor-Pilot machte die Passagiere auf den Bryce Canyon zur Linken aufmerksam. Was sollte das sein?! … ich sah nur rotes Gestein. Ein wirkliches Greenhorn war ich also, keine Ahnung von nichts, sollte doch dieser Nationalpark in meiner Hitliste später ganz weit vorne landen. Beim Landeanflug auf Las Vegas saß ich natürlich auf der Seite wo es außer Wüste nichts zu sehen gab. Was sollte ich hier?!? Ich überlegte ob ich Lothar, der vor einer Stunde schon wieder erwacht war und selbst die Bordmahlzeiten verpennte, hassen sollte. Durch die Imigration und schon gab es den nächsten Patzer. Lothar hatte man am Haken. Hier wurde die Lektion 2 der „grünen Karte“ behandelt. Bei seiner letzten Ausreise war die wohl nicht ordnungsgemäß bearbeitet worden so das mein Reisekollege seit dem als illegal im Land galt. Dieses Problem konnte zwar mit den Stempeln im Pass geklärt werden, aber dadurch waren wir die Letzten am Gepäckband und gar die Allerletzten die bei der Autovermietung ankamen. Natürlich hatte der ganze Flieger dieses Sonderangebot wahrgenommen und es macht sich nicht von selbst so gut 100-150 Paare mit Autos auszustatten. Aber als alter „Ossi“ kannte man sich ja noch gut mit anstehen aus... Damals gab es das Mietwagen-Center beim Flughafen noch nicht, alle Vermieter hatten eigene kleine Busse die die Leute rankarrten. Einen Plymouth Neon wurde unser Gefährt, nicht sehr groß aber für zwei Personen ganz ok. Das Auto wusste noch nicht an wen es geraten war und was ihm die nächsten zwei Wochen an Meilen bevor stand. :rolleyes:


Weit mussten wir nicht mehr, nur um zwei Ecken zum Motel6. Schnell noch einen Sprung in den kleinen Pool..., dies musste der Himmel auf Erden sein. Entspannen!!!!! Meine Blicke fielen auf das riesige MGM Hotel gegenüber das das benachbarte Motel6 fast zu erdrücken schien. Es war wohlig warm im Pool wie bei uns im Sommer und ich konnte es nicht fassen das es erst nachmittags um 4 war wo ich doch schon ewig auf den Beinen war. Danach fiel ich halbtot auf dieses wunderbare Bett und schlief auf der Stelle ein.:redface:
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #2
1.Nacht in Las Vegas


Mitten in meinen KO-Schlaf wurde ich von Lothar etwas unsanft geweckt, ich solle mal langsam in die Gänge kommen. Schlafen könnte ich noch wenn ich tot bin, schließlich wären wir in Las Vegas … und das ist so richtig toll erst bei Nacht! Da hatte er Recht. Es war inzwischen so kurz nach 12 in der Nacht, rein in den Neon und eine Runde über den Sprit gedreht. Ganz großes Kino! Stau mitten in der Nacht kannte ich nicht, all diese bunten Fassaden der Hotels, die glitzernden Reklamen. Ich war überwältigt. Vielleicht noch vergleichbar mit meiner erster Fahrt durchs nächtlich Westberlin zu Wendezeiten. Natürlich kann man Westberlin nicht mit Las Vegas vergleichen, mir blieb wirklich der Mund offen stehen vor staunen. 96,3KKLZ spielte bombatische Rockmusik im Radio. Geil! Totale visuelle Reizüberflutung. Wir fuhren runter zur Freemont Street in Downtown. Um diese Zeit waren dort aber auch schon die Lichter ausgegangen, soll heißen die Lichtshows waren schon vorbei und kaum noch Menschen unterwegs. Ein Serviceteam war dabei am Leuchtehimmel ein paar Leuchtkörper auszuwechseln, in einer anderen Ecke drehte ein Team eine Szene für irgendeinen Film oder Fernsehserie. Also den Strip wieder hoch und ein spät nächtlicher Spaziergang durch die umliegenden Hotels. Ich war schon wieder sowas von Baff, MGM, New York New York, Excalibur und das tollste war das Luxor von dem man nur den Spot sah und die Lichter die auf den Kanten entlang blitzten. Einfach irre! Es war inzwischen so zwischen 3 und 4 Uhr in der Früh und in allen Ecken saßen noch Leute an den Slot-Machines und Spieltischen. Das klimpern der Coins in den Cubes war damals noch ständig zu hören (schade das man das nicht mehr hat, das gehörte zu Las Vegas irgendwie dazu). Es gab so viel zu gucken. Im Luxor wurde dann der Wunsch geboren, „hier willst Du mal richtig Urlaub machen“. Dagegen war das Motel6 ja nur eine ganz kleine Nummer, Low Budget-Tour eben (wobei ich nichts gegen die Kette sagen will, preiswert und meistens ganz gut). Diese erste Nacht in Amerika ging dem Ende zu, zurück ins Bett. Klarer Fall, Las Vegas war Liebe auf den ersten Blick. Hier wollte ich bleiben, mussten wir wirklich diese Rundreise machen???



Anmerkung: Bei den Bilder handelt es sich um Scans. Natürlich bei weiten nicht so kräftig und brilliant wie heute mit digitaler Forografie.
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #3
2. Tag: Ab durch die Wüste


Heute sollte es schon losgehen in Richtung Sierra Nevada. Der Jetlag sorgte für eine kurze Nacht. Nach unserem nächtlichen Sightseeing war mein Zeitgefühl völlig aus den Fugen geraten. Ich wollte hier nicht weg, hier war es großartig. Anstatt nach nebenan an irgendeinen Frühstücksbüfett zu gehen machten wir einen Kaltstart und wollten unterwegs was frühstücken. Grober Unfug wie ich heute weiß, ich war der Annahme großes Hotel = großer Preis. Völlig falsch. Damals waren die Büfetts wirklich noch spottbillig, ich meine so um die 5-6$gab es schon gut zu futtern. Weshalb ich nicht aus der Glitzerstadt weg wollte wusste ich spätestens hinter der Stadtgrenze die seiner Zeit noch kurz hinter dem Luxor lag. Wüste! Bis Barstow über die I-15, … das interessanteste waren die riesigen Trucks teils mit Anhänger. Wow! In Barstow der obligatorische Stop am Riesenthermometer. Allerhöchste Zeit für Frühstück, es war mir überhaupt nicht aufgefallen das ich die letzte Mahlzeit im Flieger hatte. Alles durcheinander. Das Frühstück war echt lecker, ein Restaurant gleich neben dem Thermometer hatten wir uns ausgesucht. Anno '98 stand der Dollar noch deutlich stärker gegenüber der D-Mark da. Alles recht teuer und nicht unbedingt täglich tauglich für mein schmales Budget. Auch nach dem Frühstück nichts wie Wüste. Wir entschlossen uns nicht den schnellen Highway Richtung Bakersfield zu nehmen sondern über kleine Nebenstraßen zu fahren. Der Weg sollte heute das Ziel sein. Ich erinnere mich an eine Gegend die nicht wirklich schön war. Ödland, runtergekommene Häuser, teils gammelige Wohnwagen mit einem Autowrack davor. Das sollte jetzt die USA sein? Na toll, da konnte ich auch nach Espenhain oder Böhlen südlich von Leipzig fahren, da sah es lange Zeit nach der Wende noch so ähnlich aus (sorry Leute dort, inzwischen ist viel passiert und auch bei Euch ist es viel schöner geworden). Gegen Nachmittag kehrte das Grün ins Leben zurück, hügeliges Weideland erinnerte mich etwas an Irland. Wiesen und weidene Rinder, es wurde besser wenn auch nicht spektakulär. Wir tourten über schmale Strassen die oft nicht viel breiter waren als der Neon selbst. Navi gab es noch nicht und wir vertrauten voll und ganz unseren Road-Atlas. Das klappte eigentlich immer sehr gut, … ja es gab ein Leben auch ohne Navigationsgeräte! Zuweilen kamen Zweifel ob es denn der richtige Weg wäre wenn einen eine halbe Stunde mal kein Auto begegnete. Wir waren nun in Kalifornien. Visalia sollte unser Tagesziel sein. Ein wahrer Fahrtag. Greenhörner aufgepasst, muß man nicht machen! Meine Empfehlung, erstmal einen Tag am Ankunftsort aklimatisieren und die Stadt erkunden, egal wo auch immer. Kurz vor Visalia fuhren wir durch endlose Orangenplantagen, Orangen-Haine so weit das Auge reichte. Etwas Fallobst ohne Schäden sammelten wir ein, keinen Gedanken daran verschwendend ob das rechtens ist und mit welchen Chemo-Zeugs die behandelt waren. Wir entkamen unerkannt mit einem gefüllten Beutel Obst. Die schmeckten übrigens sehr gut. In Las Vegas hatte man uns das nächste Motel6 schon reserviert, das Tagesziel war erreicht! Gleich nebenan Supermärkte wo wir erstmal üppig Proviant bunkerten. Abendessen gab es an der heißen Theke am Supermarkt. Nicht besonders chic aber durchaus schmackhaft. Kein toller Tag. Ein sonnig-warmer Tag Anfang März. Unterwegs gab es keine Highlights, bzw. wir haben sie nicht entdeckt.



Fortsetzung folgt...
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #4
3.Tag: Redwoods und Yosemite


Das Jetlag hatte uns immer noch nicht losgelassen. Sehr früh waren wir schon wieder munter. Jetzt noch lange auf dem Motelzimmer zu hocken machte auch keinen Sinn, also ab auf die Tour. Irgendeinen Nationalpark würden wir heute besuchen, sollte ganz nett sein. An einer Tankstelle gab es Kaffee und Bagels. Nicht der wahre Jakob, aber wir waren ja pflegeleicht. Von Visalia ging es in einen wolkenverhangenen trüben März-Tag. Obstplantagen und nette Häuser säumten die Route, ja hier war es deutlich freundlicher als gestern auf der Fahrt durch das Ödland. Es wurde bergiger, am frühen Vormittag erreichten wir den Parkeingang des Sequoia-Nationalparks. Hier sollten diese riesigen Bäume stehen? Natürlich hatte ich die roten Bäume schon im TV gesehen und was drüber gelesen. Mal gucken... Beim freundlichen Ranger kauften wir einen Golden Eagle Pass, dieser sollte sich klar lohnen auf unserer Reise. Der Ranger erzählte uns noch wohlwollend etwas, das schnelle Englisch ging aber nicht ganz ins Ohr ,so das uns eine wichtige Kleinigkeit entging.


Es ging bergauf, die Wolkendecke lichtete sich. Da sah doch die Welt gleich viel schöner aus. Wunderschöne Panoramen taten sich auf. Durch den schmelzenden Schnee kamen aus fast jeden Felsspalt kleine Bäche hervor. Mit jeder Kehre der Serpentinen wurde der Schnee mehr der sich am Straßenrand türmte. Wir waren anscheinend mutterseelenallein im Park. Bei gelegentlichen Stopp an den Scenic-Views fiel mir die wahnsinnig saubere klare Luft auf … und die fast unheimliche Stille. Keine Geräusche der Zivilisation, nicht mal von weit weg. Dazu diese Aussichten! Fantastisch! Aber wir waren noch lange nicht „oben“, von den Redwoods keine Spur. Es folgten noch einige Kehren und ein leichter Druck im Ohr ließ spüren das man deutlich höher gekommen war. Die Schneemassen links und rechts der tadellos geräumten Straße wurden immer höher. Irgendwann kam man sich vor wie in einer Bob-Bahn (siehe Fotos). Ein bißchen abenteuerlich und traumhaft weiß. Endlich kamen wir dann auch zu den Redwood-Bäumen, … gigantische Riesen! So uralt wie sie sind haben sie schon so viel erlebt, hochinteressant. Standen sie doch schon hier als die ersten Siedler ihre Füße an der Ostküste in die neue Welt setzten. Brände hatten sie überstanden und unendlich viele Stürme. Diese Mammut-Bäume ließen einen ehrfurchtsvoll verharren. Geradezu frevelhaft fand ich da schon den Tunnel-Tree. Eine Sünde aus der Zeit der frühen Auto-Tourismus-Zeiten der USA. Ein Tunnel durch einen Baum, ein Irrsin! Eine „Attraktion“ sicher auch heute noch, ...oder auch nicht mehr. Auf der Tour anno 2009 fand ich diesen Baum nicht mehr. Umgezogen wird er ja wohl nicht sein? Wurde die Straße verlegt oder ist er umgestürzt? Auf einem freigeräumten Parkplatz machten wir eine Brotzeit? Wir hatten ja gut Proviant an Bord an dessen Geschmack sich der thüringer Gaumen erst noch gewönnen musste.







Die Schneehöhe war so bei gut 2 Meter. Ein echt tolles Erlebnis. Ein paar weitere Menschen waren außer uns dann doch noch im Park, … zumindest deren Autos. Wo waren die Zeitgenossen? Ich konnte mir nicht vorstellen das man weit in die Wälder hineinkam bei dem hohen Schnee. Jedenfalls keine Spur von Artgenossen. Wir fuhren weiter, … also zumindest ein bißchen. Hier kam das was uns der freundliche Ranger am Parkeingang sicher mitteilen wollte. „Road closed“, zeigte uns das Schild frech an, eine Durchfahrt durch den Park war somit unmöglich. … kein Durchkommen in Richtung Kings Canyon. Das war auf Höhe der Ranger Station, auch diese war bis zur Dachkante eingeschneit. Ärgerlich zwar, aber spektakulär schön in dieser Welt hoch oben in den Bergen. Wir verweilten etwas, machten Fotos und stellten bald fest das es knackenkalt war. Rückzug.


(...man beachte den Neon der wie ein Spielzeugauto neben dem Redwood wirkt)




Im Klartext hieß das, … die Bob-Bahn wieder runter und zurück nach Visalia. Gar so sehr trübte das unsere Stimmung aber nicht, war doch die Landschaft wunderschön anzusehen und auf der Rückfahrt entdecken wir Ausblicke die uns bei der Hochfahrt entgangen waren. Unten wieder angekommen empfingen uns warme sommerliche Temperaturen. Die Tour sollte ja weitergehen in Richtung Yosemite. „Wie bitte!“, werden jetzt die Experten entsetzt ausrufen! Sequoia und Yosemite an einem Tag?!?! Das war unser voller Ernst. Achtung Greenhörner, NICHT NACHMACHEN!!! Echt Frevel! Nun hatten wir das Problem das wir einen riesigen Umweg fahren mussten. Das sieht bei Google Maps nicht schlimm aus, dauert aber einige Stunden länger. Wir verließen den Sequoia N.P. am späten Vormittag und fuhren über Visalia und Fresno nach Oakhurst. Irgendwann so zwischen 2 und 3 waren wir in Oakhurst. Größere Pausen gab es nicht, außer zum Tanken. Wir wechselten uns beim Fahren ab. Sollten diese Eindrücke aus dem Redwood-Wald noch zu toppen sein?


Zu toppen vielleicht nicht, aber auf andere Art zu ergänzen. Vorweg gesagt, man kann nicht den einen Nationalpark mit einem anderen vergleichen, das geht nicht. Sequoia war toll, Yosemite sollte es auf alle Fälle auch werden. Das erste Highlight erwartete uns nach der Tunneldurchfahrt. Einer der wohl berühmtesten View-Points im Park. Hier hatten wir schonmal zu tun uns im Gerangel mit zwei japanischen Reisebussen zu behaupten. Oha, hier war schon deutlich Trubel als am Vormittag! Die Aussicht die sich bot war atemberaubend, die Emotionen unserer fernöstlichen Mitbesucher eher ohrenbetäubend. Lange hatten sie allerdings nicht für den Foto-Stopp und die Busse fuhren weiter. Alle Touristen kennen diesen Tunnel-View. Postkarten-Panorama. Der Blick ins Tal mit seinen Wasserfällen ist wunderschön. Ab und an dachte ich daran wie es wohl die Siedler mit einfachsten Mitteln einst geschafft haben sich einen Weg durch solche Landschaften zu bahnen. Wir gönnten uns hier eine längere Verweilpause, saßen auf der Mauer, ließen die Beine ins Tal baumeln und bießen mal in die amerikanische „Polnische“ Wurst aus dem Supermarkt. Low-Budget-Tour eben. Wer bedenkt wann wir im Yosemite angekommen waren und wann es Mitte März dunkel wird weiß wieviel Zeit wir für den Park hatten.Mehr Zeit als die Scenic-Views abzufahren blieb nicht. Dafür wurde es ab etwa 4 Uhr deutlich ruhiger im Park. Die Busse waren weg. Außer der Panorama-Straße war auch noch nicht viel frei zu befahren, vom Tioga ganz zu schweigen. Auf der einen Seite rein und zur anderen wieder raus. Yosemite in dreieinhalb Stunden. Hier wieder der Warnhinweis an Greenhörner, … NICHT NACHMACHEN! Klar gingen wir auch mal ein paar Meter vom Auto weg, aber ehrlich das war sehr oberflächlich. Im Yosemite können Wanderfeunde ohne Probleme einen zweiwöchigen Urlaub machen. Sicher gibt es abseits der Straße erst die wahren Naturwunder zu entdecken. Allerdings ist es sicher auch besser wenn dies den Wanderern vorbehalten bleibt und die breite Masse der Express-Touristen (da nehme ich uns nicht aus) am Scenic-View bleibt und den Park verschont.


Nach vielen Stopps ging es dann bald schon wieder aus dem Park hinaus. Wir passierten ein Gebiet das von einem Waldbrand heimgesucht worden ist. Kahle schwarze Baumstümpfe so weit das Auge reichte. Aber das gehört zum Kreislauf der Natur dazu. Sieht zwar nicht schön aus, aber die Natur macht so mal klar Tisch und fängt von vorne an. 11 Jahre später sollte es hier wieder Grün und bewachsen sein.


In Grooveland gönnten wir uns eine Pause im „Iron Door Saloon“. Dieser ist wirklich originell und für amerikanische Verhältnisse schon richtig alt. Sicher hat hier auch schon manch Goldschürfer aus der Gründerzeit seine Whiskys gekippt. Wer da mal vorbei kommt, schaut mal rein. Der Saloon liegt direkt an der Straße. Die Tagesetappe sollte uns noch bis Modesto führen. Das ist noch ein Stück zu fahren vom Yosemite her. Das ganze inzwischen in der Dunkelheit. Nicht unmöglich, aber kein wahres Vergnügen wenn man dort nicht zu Hause ist. Ein Motel mußten wir uns in Modesto erst suchen. Ein langer harter Tag. Nebenan war irgendein asiatischer Schnell-Imbiss. Ein warmer Happen to go und noch ein Schlummertrunk im Motel, … Ende im Gelände!


Zwei Nationalparks an einem Tag und das noch mit Handicap, nicht empfehlenswert wenn man etwas bewusst wahrnehmen möchte. Das müssen so bei 300 Meilen gewesen sein, … heute sage ich „No go!“

Fortsetzung folgt!
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #5
ist noch ein Plätzchen frei? :)

Als Vorbereitung auf unseren Urlaub im Mai, fahr ich ein Stück bei euch mit :)
 
eicbaer
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #6
... gerne doch, wir machen ein bißchen Ordnung auf der Rücksitzbank. Da die Story tatsächlich jemand liest schreibe ich in kürze wie es vor in San Francisco war, ... anno '98. Als Vorbereitung ist diese Tour allerdings nicht sehr geeignet... Willkommen an Bord!;)
 
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Windhauch
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #7
Ich bin auch dabei. Sehr lustig geschrieben, bin schon gespannt wie es weitergeht :smile:
 
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zimmer_r
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #8
Noch ein Mitreisender

Hallo,

ich hoffe es ist noch Platz, also sehr schön geschrieben.
Gruß
zimmer_r
 
rower2000
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #9
Cool geschrieben, nur weiter so :). Bin dabei...
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #10
... alle Zugestiegenen heiße ich willkommen an Bord unseres "Neon"! Macht es Euch so gemütlich wie möglich. Hätten wir anno '98 geahnt das wir noch Mitfahrer bekommen, hätten wir wohl einen Van gemietet...



4.Tag: „ … if you going to San Francisco...“


… wieder eine kurze Nacht. Waren wir zwar gestern völlig KO ins Bett gefallen, merkten wir doch sehr bald warum das Motel wohl so günstig war. Es war lebhaft und geräuschvoll. So genau weiß ich nicht mehr wie es hieß, ein kleines Motel ohne Zugehörigkeit zu einer Kette. Irgendwo am Stadtrand von Modesto an einer Ausfallstraße. Gleich daneben war ein großer LKW-Parkplatz und dort war die ganze Nacht ein Kommen und Gehen. Man kann eben nicht alles haben. Das Jetlag hatte uns immer noch im Griff. Einmal aufgewacht saßen wir putzmunter im Bett, es muß wohl so frühs um 4 Uhr rum gewesen sein. So schön war es in unseren Motel-Zimmer auch nicht um die Zeit abzusitzen bis es hell wurde. Schnell waren wir uns einig, „… auf nach San Francisco“! Ein Katzensprung von Modesto aus. 90 Meilen..., da wird ja das Auto nicht mal richtig warm bei. Unsere Entscheidung war vielleicht ein guter Griff, soll doch der tägliche Berufsverkehr über die Oakland-Bridge nicht ohne sein. Wir kamen gut voran und recht schnell tauchte die Lichter-Siloette von San Francisco auf. Ein beeindruckendes Bild. Es war noch dunkel als wir an diesem März-Morgen über die Brücke gen SFO fuhren. Die Stadt war noch nicht wach. Wohin jetzt? Klare Sache, wenn man so früh schon in San Francisco unterwegs ist kann der Weg nur zur Golden Gate Bridge gehen. Lothar wußte grob wie man da hinkommt. Runter vom Interstate und an den Piers vorbei, immer geradeaus auf der Uferstraße, irgendwann mussten wir dann ja automatisch an der GGB ankommen. So war es auch. So riesig waren die Entfernungen in SFO nicht, hatte ich mir schlimmer vorgestellt.:smile:




Langsam wich die Nacht, es muss so zwischen 6 und 7 Uhr in der Früh gewesen sein. Da standen sie nun die riesigen dunkelroten Pfeiler dieser berühmten Brücke. Man hatte sie schon so oft im Fernsehen gesehen, in Hollywood-Schinken von einst, in Dokus in den Nachrichten und und und. Jetzt war ich tatsächlich hier. 8 Jahre nach der „Wende“ nun hier..., die GGB! Ein ganz großes Gefühl von Freiheit und der großen weiten Welt!!! Allein für dieses Feeling hatte sich die ganze Tour schon gelohnt. Wir hatten nicht viel Geld zur Verfügung, auch nicht allzuviel Zeit für die Tour, aber dieses Feeling gab es auf lau. Würde mich jemand fragen was ich binnen kürzesten Überlegen mit den USA verbinde dann käme wohl Miss Liberty in NYC, der Grand Canyon, die Golden Gate Bridge, Coca Cola und Donald Duck dabei heraus. Ganz spontan... War dies der American Spirit...? „Make it real!“ Free People in a free World! Selten wird es einen bewusst was Freiheit bedeutet, 1998 empfand ich das noch deutlicher als heute 12 jahre später. Aber zurück in den Neon..., wir standen vor der Mautstelle. Den Obolus entrichtet und schon fuhren wir über dieses weltberühmte Bauwerk. Wir wollten auf der anderen Seite einen der Aussichtspunkte oberhalb der Brücke ansteuern. Das war auch kein großes Problem, schnell war die Straße gefunden. Zu dieser frühen Morgenstunde war noch keine Menschenseele hier oben. Der berühmte Blick auf die Brücke gehörte uns ganz alleine. Ganz ehrlich, ein ganz großartiger Moment! Der Morgen war ein bißchen trübe und es war lausekalt am Pazifik. All das störte nicht, wurden wir doch mit einer wunderbaren Aussicht entschädigt. Schnell wurden mir die fototechnischen Grenzen meiner 0815-Kamera aufgezeigt, die Golden Gate weigerte sich vehement sich komplett fotografieren zu lassen. Da saßen wir nun, etwas müde noch, und genossen Freiheit und Aussicht. Ganz leise hörte man nur ein bißchen Verkehrsgeräusche von der Brücke und der Stadt her. Das ganze wäre nur noch zu toppen gewesen hätte man im Radio genau jetzt den Klassiker von Scott McKenzie gespielt, "... if you going to San Francisco". Ok, das hat gerade nicht gepasst. Wir fuhren noch einen View-Point höher, jetzt passte die Brücke endlich ganz aufs Foto. Es war noch die Zeit der Fotografie mit richtigen Filmen, kein Vergleich zu heute. Irgendwann wurde es dann doch zu kalt und ein knurrender Magen meldete sich. Nur einen großen Coffee to go hatten wir in Modesto an der Tanke mitgenommen. „Breakfast in Amerika“..., ich sah das Cover gleichnamiger Supertramp-LP vor mir und bekam Appetit auf alles was man zum Frühstück haben kann. Zurück über die GGB und rein nach San Francisco. Aber wohin? San Francsico ist sehr übersichtlich und auch ohne Navi kam man gut zurecht. Wir steuerten einen großen Supermarkt an. Dort bekamen wir Sandwiches, Kaffee und Orangensaft für kleines Geld. Also nicht ganz so üppig wie auf dem Platten-Cover aber lecker wenn man richtig Hunger hat.


Schnell fiel mir auf das die Leute hier alle irgendwie lockerer waren als im griesgrämigen deutschen Alltag. Kam mir das nur so vor weil ich ein emotional überfluteter Touri war oder ist hier wirklich was aus der Flower-Power-Zeit übrig geblieben? Die Bedienung an der Theke war megageduldig und war immer noch zuvorkommend als wir bei der Sandwich-Bestellung nicht so richtig zurecht kamen. Die Leute hinter uns blieben friedlich trotz der Verzögerung. Ganz klare Sache, San Francisco und ich wir mochten uns sofort. Nach diesem Morgen-Mampf wollte ich aber nun in die Stadt abtauchen. Wo hat sich Telly Savalas die wilden Verfolgungsfahrten geliefert als er reihenweise Stoßstangen und andere Fahrzeugteile in den Straßen von SFO verlor? Kurz drauf sah ich es. Diesmal hatte Hollywood nicht gemogelt, es sah genauso aus wie in der Krimiserie aus den 70ern. Geil! Autos dürfen nicht längs zur Straße parken, warum merkte ich als ich beim ersten Aussteigen fast aus der Beifahrertür fiel und Lothar kaum die des Fahrers aufbekam. Täglich würden in dieser Stadt wohl hunderte Handbremsen versagen würde man längs zur Straße parken. Der Hammer, aber für die Leute dort wohl Alltag. Einige Straßen waren so steil das die Bürgersteige als Treppe angelegt waren. Wir parkten in der Nähe von China-Town. Irre, einmal um die Ecke und schon taucht man in eine andere Welt ein. Quirliges Treiben auf der Straße. Chinesische Apotheken mit Wurzeln und allerlei exotischen Dingen die noch exotischer duften (bzw. stanken). Kleine chinesische Frisörläden, Imbißstände und ein chinesisches Sprachgewirr. Man konnte wirklich meinen in Peking zu sein. An den Straßen standen Häuser im typischen chinesischen Baustil. Alles sehr sehenswert und äußerst spannend. Damals gefiel mir China-Town viel besser als bei meiner Reise anno 2009. Das Leben auf der Straße war da nicht mehr so pulsierend, es roch nicht mehr so typisch. In den meisten Geschäften waren jetzt Läden die ähnliches Sortiment führten wie im hiesigen Asia-Shop. Ein schmaler Grad zwischen Kitsch und Kunst, Geschmackssache. An einer Kreuzung war es dann soweit, das erste Cable-Car kroch gemütlich die steile Straße empor. Wie im Kino! Diese altehrwürdigen Vehicle sind voll der Kult. Es sollte uns bei unseren Aufenthalt noch öfter begegnen. Inzwischen konnte sich die Sonne gegen die Wolken durchsetzen und bescherte uns einen milden Frühlingstag.

 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #11
Fortsetzung 4. Tag SFO (Text-Überlänge)

Steile Straßenschluchten die immer tolle Aussichten boten. Ein krasser Kontrast war der Blick auf Downtown. Hier die chinesischen Häuser unten der Pyramid Tower und andere Hochhäuser im Banken-Viertel. San Francisco war (bzw. ist ja immer noch) einfach toll. Möge das Schicksal diese Stadt vor weiteren Erdbeben beschützen. Es wäre ein Jammer wenn diese faszinierende Stadt Schaden nehmen würde. In der Zwischenzeit war es schon früher Nachmittag geworden, wir bummelten durch die Stadt und waren am Union Square gelandet. Zeit für Kaffee und Blaubeer-Muffins..., ganz lecker! In der Heimat der Lewis-Jeans wollten wir natürlich auch einen Shop aufsuchen. Gefütterte Jeans-Jacken sollten es sein, sollten wir sie doch im Verlauf der Tour noch brauchen. Aber erstmal eine Cable Car-Tour quer durch die City, von Market bis Fisherman's Wharf. Ganz ehrlich, das macht einfach nur Spass. Auf dem Trittbrett mitfahren und sich den Wind um die Nase wehen lassen. Hier war es wieder dieses Freiheit-Feeling. Ich denke in San Francisco spürt man das mit am besten. Die Zeit verging wie im Flug. Nach dem Bummel am Hafen war es schon später Nachmittag. Ein netter Zeitvertreib zwischen Fischkuttern, Kleinkünstlern und Souvenirläden. Nebenbei immer den Duft von Hafen und lecker zubereiteten Fisch in der Nase. Alcatraz sah man in der Bucht liegen, garnicht so weit weg. Und das soll niemand geschafft haben von dort zu fliehen? Wir bestiegen das nächste Cable Car und fuhren zurück Richtung China-Town wo wohl unser Auto noch stehen müßte. Stand es auch noch, meine Vorstellung über das alltägliche Leben in den Staaten war korrigiert. Sicher rasten hier und da die Polizei-Autos durch die Stadt und sicher gibt es auch in SFO Spitzbuben und ganz böse Spitzbuben, aber das heißt nicht das man ständig überfallen oder beschossen wird. Wie daheim, aber auch nicht schlimmer. Die Menschen waren extrem freundlich und hilfsbereit zu uns.Die Jeans-Jacken hatten wir noch auf dem Zettel. Lothar meinte auf dem Geary Blvd. gäbe es einen großen Store. Allerdings ist diese Hauptstraße etliche Kilometer lang und zieht sich quer in Ost-West Richtung durch die Stadt. Wir haben den Shop und auch das Objekt der Begierde aber gefunden. Im russischen Viertel. Doppelte Beschriftung an den Läden, auch in kyrillischen Lettern. Die Bedienung sprach wie auch nur gebrochenes Englisch, ... hätte ich den Russisch-Unterricht an der Schule nur nicht so auf die leichte Schulter genommen, bzw. vergammelt. Wir kamen aber gut ins Geschäft im Lewis Store. Nebenbei, das „Schmuckstück“ habe ich heute noch. Ganz schön abgewetzt und angestoßen, aber ich habe sie aufgehoben als Andenken an meine erste USA-Reise.


Der Magen meldete sich wieder mal. Ganz nebenbei, SFO ist ein nicht ganz preiswertes Pflaster. Restaurants in der City waren nicht drin. Der Dollar stand wie gesagt recht ungünstig und die Preise waren auch so schon nicht ohne... Beim Einkaufen in einem Supermarkt kauften wir frisches Baquette und diese gebackenen Hähnchen unter der typischen Plastikhauben-Verpackung. Ein paar Kleinigkeiten und Getränke dazu, dann fuhren wir, auf heute nicht mehr nachvollziehbaren Wegen, wieder zur Golden Gate Bridge. Schräg unterhalb der Brücke am Ufer zur Stadt, direkt am Wasser saßen wir und machten Brotzeit. Recht bescheiden zwar aber mit einem Panorama wie ein König! Einzigartig! Ich weiß es noch als ob es gestern gewesen wäre. Im März wird es ja noch recht zeitig dunkel, und die Sonne schickte sich an im Pazifik unterzugehen. Ganz großes Kino! … mit inzwischen lauwarmen Backhähnchen in der Hand. Das bietet kein Reisekatalog, … feel free!



Eine Behausung mussten wir noch suchen. Recht schwer war das nicht, hing ja überall Reklame aus. In einer Seitenstrasse des Great Hwy am Meer fanden wir ein kleines preiswertes Motel unter lateinamerikanischer Führung. Mit Spanisch-Kenntnissen war man klar im Vorteil... Das Haus unserer Wahl hatte seine besten Tage auch schon hinter sich. Es ging durch ein enges Treppenhaus in ein noch engeres Zimmer. Ach was, egal... wir wollten ja Amerika entdecken und nicht bei Hof logieren! Zumindest war kein Großparkplatz für Trucks nebenan..., was sollte noch schiefgehen. Eigentlich wollten wir nochmal ins abendliche SFO aufbrechen, aber dazu kam es nicht mehr. Von einem kurzen Probeliegen wachten wir erst spät am Abend wieder auf. Das war also der erste Tag in San Francisco, und es war ein toller Tag. Vollgepackt mit tollen Bildern, Eindrücken und mit schmerzenden Füßen... Gute Nacht SFO!
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #12
5.Tag; Zweiter Tag in SFO


Je mehr ich diese Story von vor der Jahrtausendwende aufschreibe fällt mir auf, wie viele Details mir doch noch im Gedächtnis sind, bzw. wieder wach werden. Ich erinnere mich sogar an die Nacht in SFO und das das kleine bescheidene Motel Deutsche Welle-TV im Kabel hatte. Ich hatte nämlich mitten in der Nacht reichlich Zeit zum fernsehen … Mein Reisebruder Lothar machte ganze Arbeit und sein Schnarchen war sicherlich noch jenseits des Pazifik zu hören. Später sollten gegen mich gleiche Vorwürfe erhoben werden, … was ich nur als üble Nachrede auslegen kann. Wenn es beide tun ist es ja eigentlich egal, wer zuerst einschläft ist aber klar im Vorteil.




Das Jetlag war endlich verflogen, wir waren nun auch zeitmäßig in den Staaten angekommen. Zu normaler Zeit wachten wir also auf und räumten das nicht sonderlich spektakuläre Motel. Irgendwo auf dem Geary Blvd wollten wir Frühstücken. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Cliff-House direkt am Ozean vorbei. Für einen frühmorgentlichen Ausblick sehr zu empfehlen. Es war sehr windig und die Märzluft noch sehr kalt hier direkt am Ozean. Frühstück gab's dann auch. Es ist ein Leichtes sich auch ohne die bekannten Fastfood-Riesen zu ernähren. Sicher sind die an fast jeder Ecke zu finden, aber auch genügend Alternativen. Kleine Stehcafes und Frühstücks-Restaurants bieten auch für den schlanken Geldbeutel recht gute Mahlzeiten. An den warmen Theken in den Supermärkten kann man sich auch mal versorgen. Also auch für Rucksack-Touristen und Studenten gibt es Angebote. Man muß nur mal Abseits der großen Boulevards gehen, einen Block weiter sieht es schon deutlich günstiger aus.




Heute sollte „die Story um den Autoschlüssel“ beginnen, eine Verkettung von Mißgeschicken die sich wie ein roter Faden durch die Tour ziehen sollte. Wir fanden in der Nähe der Market Street einen Parkplatz und brachen gleich wieder mit dem Cable Car auf die Stadt zu entdecken. Wo es einen gefällt steigt man einfach aus oder wieder zu. Ein Tagespass für die Öffis lohnt allemal, auch heute, nach 2-3 Fahrten hat er sich schon rentiert. Wir besichtigten das Cable Car-Museum, schlenderten durch das italienische Viertel das bei China-Town gleich um die Ecke liegt. Kurios, einmal ums Eck und schon begegnet man einer anderen Nation und deren Gewohnheiten. Multikulti ist wohl in SFO geboren. Wir waren auf dem Weg zum Pier wo die Fähren nach Alcatraz abfahren. Ganz ehrlich, der Preis schreckte uns damals ab. Beim damaligen Dollarkurs, recht gesalzen. Heute ist es sicher auch nicht ganz billig, aber wer schonmal in SFO ist muß die Insel einfach besuchen. Letztes Jahr haben wir es dann nachgeholt. Man sollte die Dollars schon ausgeben, Alcatraz ist ein Mythos und den besten Blick auf die Skyline und die GGB hat man von dort bzw. der Fähre. Hinweis für Greenhörner..., „Nicht am falschen Ende sparen!“ Wir haben das getan und lange Jahre habe ich mich zuhause geärgert wenn es im TV irgendwie um die Gefängnisinsel ging. Den Coit-Tower haben wir auch nicht besucht. Der Turm ist vielleicht garnicht so spektakulär, allerdings die Aussicht von dort oben ist einen Spaziergang da hoch allemal wert (für Faulpelze..., es fährt auch ein Bus dort hoch). Es gab an jeder Ecke was zu sehen, so war es kein Problem den Tag in SFO zu verbringen. Hier und da mal in die Geschäfte geschaut, einen Kaffee getrunken und nebenbei das Leben auf der Straße beobachtet. San Francisco ist eine nette tolle Stadt, langweilig wird es hier nicht. Am späten Nachmittag sagten wir Tschüss zur Stadt. Um dies an einen würdigen Ort zu tun wählten wir Twin Peaks. Eigentlich nur ein Berg mit Doppelspitze, aber ein Top-Panorama über die ganze City. Wenn es nicht gerade nebelig ist lohnt eine Fahrt dorthin auf alle Fälle. Wir hatten Glück mit dem Wetter, es war zwar nicht warm aber die Sonne ließ uns nicht im Stich. Nach einen letzten Foto-Stop fuhren wir weiter. Wir wollten noch ein bißchen in Richtung Santa Cruz weiterfahren. Den PCH 1 fanden wir auch ohne Navi leicht und verließen die Stadt.

... und dann war da noch die Story um den Autoschlüssel.:frown: Wie gesagt fanden wir einen Parkplatz ohne farbige Linie am Strassenrand und ohne Parkuhr. Wie ein Fünfer im Lotto in SFO! Eine lebhafte Ecke mit Bushaltestelle, Zeitungskiosken und anderen kleinen Läden. Wir parkten dort so von frühs um 10 bis mittags um 4. Die ganze Zeit war die Fahrertür abgeschlossen, ... die Beifahrertür allerdings nicht. Oh no!!!! Kaum zu glauben, unser ganzen Reisegepäck war an Bord. Jeder hätet sich bedienen können. Resultat..., nichts aber auch absolut nichts hat gefehlt! Mega-Glück gehabt! Allgemeiner Rat..., achtet auf Schlüssel und ordnungsgemäßen Verschluss Eurer Autos!




Der Teil des PCH1 zwischen SFO und Santa Cruz ist nicht so spannend, zwar sieht man das Meer hier und da mal und im Speckgürtel von SFO ist allerhand los. Wochenendhäuser, Freizeitaktivitäten, und Badestrände. Alles aber Mitte März nicht so aufregend. Außerem waren wir nach dem Tag in der Stadt fußlahm. Eine gute Stunde fuhren wir noch und fanden schnell ein Motel. In welchen Ort das war weiß ich allerdings nicht mehr. Die Herberge hatte sogar einen Pool vor dem wir nicht Halt machten. Die einheimischen Angestellten und amerikansichen Gäste betrachteten unser abendliches Bad mit Entsetzen. Die Pool-Saison war für das Jahr 1998 somit eröffnet! In der Nähe war ein mexikansiches Schnellrestaurant, das war mal was Anderes. Noch ein Sixpack mit auf's Zimmer und auch Tag 5 war Geschichte.:smile:;)
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #13
Hallo EICBAER!
Dein Reisebericht ist super! Weiter so!
Gruß
Bridget
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #14
... freut mich wenn Ihr Spass an der Story habt. Es geht weiter...;)


6.Tag; PCH... oder das Theater mit El Nino


Wunderbar wieder einen geordneten Schalfrhytmus gefunden zu haben! Morgentliches trübes Wetter konnte der Stimmung nichts anhaben. An der Pazifikküste eigentlich nichts besonderes, in SFO begannen die Tage auch mit solchen Grautönen die die Sonne im Verlauf des Vormittags vertreiben konnte. Heute wollten wir gemütlich die berühmte Küstenstraße entlang cruisen. Ganz entspannt und gelassen, … California Feeling. Ging auch ganz gut los. Zimmer räumen, Klamotten verstauen und Tanken fahren. Bei der Gelegenheit gab es noch Kaffee und ein paar Donuts. Unterwegs sollte es dann nochmal was Schmackeres geben. So fuhren wir los. Santa Cruz an einem März-Vormittag unter der Woche war auch nicht so interessant, also fuhren weiter Richtung Carmel by the Sea. Den Obolus beim Ranger bezahlt und auf den Rundkurs des 17th Miles-Drives gegangen.Die Landschaft ist sehr schön und lohnt die Hand voll Dollar Eintrittsgeld. Ob man nun die Prachtvillen bestaunt oder diese mit Mißachtung straft kann jeder mit sich selbst ausmachen. Kurz vor Ende des Rundkurses kommt dann der View-Point mit dem Postkartenmotiv mit der Lone Pine. Wäre es nicht Natur, würde ich sagen das ist schon fast kitschig schön. Auch hier musste ich 11 Jahre später nochmal nachbessern, die Kamera und das grau-trübe Wetter bildeten eine Allianz gegen brauchbare Fotos. Letztes Jahr war strahlender Sonnenschein, die Sonne stand genau richtig, blendete nicht, das Meer glitzerte in schönsten Farben..., da war es für eine moderne Digital-Kamera ein leichtes die optimalen Bilder zu schießen. Damals sollte es nicht sein, ausgleichende Gerechtigkeit. Am Strand sah es damals noch aus wie Kraut und Rüben, El Nino war erst vor 2-3 Wochen durchs Land gezogen und hatte für Unordnung gesorgt. Ewigkeiten braucht man nicht um den 17th Miles-Drives zu befahren, also weiter Richtung Morro Bay. Hier waren auch wir so einsichtig das man SFO-L.A. nicht an einen Tag schaffen kann, zumindest nicht auf dem Pazifik-Küsten-Highway. Die kleine Fischerstadt sollte unser Tagesziel sein, das war machbar.




… dachten wir. Ein paar Meilen nach Carmel by the Sea war mal wieder Ende im Gelände. Schon das zweite mal. Versperrten uns im Sequoia N.P. Unmengen von Schnee die Durchfahrt, so war es hier obengenannter Wirbelsturm, bzw. dessen Hinterlassenschaften. „ROAD CLOSED“, der PCH war ab hier gesperrt. Das war ja wohl ein schlechter Scherz?! War es leider nicht. Ein Mitarbeiter eines Forstunternehmens erklärte uns das umgestürzte Bäume die Weiterfahrt unmöglich machten. Das ist wirklich Pech. Lothar grollte was vor sich hin und ich trug es mit Fassung. Wenn man nicht ahnt was man nicht sieht ist die Enttäuschung nicht so groß. Über 10 Jahre sollte es noch dauern bis ich wusste was ich damals verpasste. Eine der Traumstraßen schlechthin. Tolle Streckenführung am und über dem Ozean mit kühnen Brückenbauwerken. Die Urlauberstrecke schlechthin. Ein Einheimischer würde wohl kaum diese kurvige Strecke wählen wenn er mal eben zügig von Nord- nach Süd-Kalifornien reisen muss. Was nun? Vorwärts ging es nicht, also Atlas raus und geguckt was für Alternativen sich boten. Es ist nicht wie in unseren deutschen Landen wo man über 4-5 Dörfer eine Sperrung umfahren kann und mit 10 Minuten Zeitverlust seine Route wieder erreicht. Es gab nur eine Verbindung von Carmel ins „Inland“ zur 101. Weit und breit keine Alternative. Unsere Küstenstraße bis Morro Bay konnten wir streichen. So bogen wir ab in ein grünes, scheinbar fast menschenleeres Bergland. Nur hin und wieder zeugten einsame, typisch amerikanische Briefkästen davon das es in der Gegend menschliches Leben geben musste. Saftige grüne Wiesen wechselten sich mit dunklen Wäldern ab. Außer uns war hier tatsächlich niemand unterwegs. Lange Zeiten keine Blechkarosse. Zweifel ob man denn hier auch richtig sei ließen nicht lange auf sich warten. Eine schöne Landschaft, allerdings völlig unbekannt und bestimmt in keinen Reiseführer je erwähnt. Sicher würde gleich John Boy von den Waltons mit dem Oldtimer-Truck um die Ecke kommen. Das würde dorthin passen.



Ich weiß nicht mehr wie lange wir diese kurvenreiche und bucklige Nebenstrecke fuhren. Man sah mal eine Farm weit ab, aber nicht ansatzweise so etwas wie ein Dorf oder gar eine Tankstelle. Tatsächlich erreichten wir die Junction mit der 101 noch an diesem Tag und kamen dann einiges zügiger voran. Einzig unsere knurrenden Mägen machten sich bemerkbar und die sich dem Ende neigende Nadel der Tankanzeige sorgte für gewisse Bedenken. Es sollte ja sicher in Kürze am Highway die nächste Tanke auftauchen. Gut das wir noch eine „Schinkenpolnische Mettwurst“ in der Proviantbox haten. … Hunger treibt's rein. Damit blieb nur noch das Problem mit dem Benzinvorrat. Hier schonmal der gutgemeinte Rat an Greenhörner..., „wenn es weiter durch ländliches Gebiet geht, VOLLTANKEN!!! Auch wenn der Tank vielleicht nur halb leer ist!“ Diese Gegend brauchte anscheinend keine Tankstellen, fuhren die Leute mit warmer Luft? Aber hier wohnte ja wohl auch kaum jemand. Das könnte eng werden. Santa Cruz bis Morro Bay inklusive großen Umweg ist nicht für einen Neon-Tank. Irgendwann kam auch wieder eine Junction mit Abzweig nach Morro Bay. Unsere Tankanzeige leuchtete nicht erst seit hier und etwa 20 Meilen sollten wir noch vor uns haben. Ökologisches Fahren kannte man damals noch nicht so sehr genau, aber ich begann an diesem Tag mal damit. Witzig war das wirklich nicht, schon garnicht mehr als die Kontrollleuchte auch noch zu blinken begann. Es war still geworden im Auto, wir nahmen jedes Geräusch wahr und waren froh wenn der Motor weiter brummte. Kurzum, wir haben es geschafft. Wohl mit Rückenwind und dem Glück des Tüchtigen segelten wir in Morro Bay ein und enterten die erstbeste Gas-Station. Eine große Erleichterung stellte sich ein.


Wer trockenfährt hat sicher ohnehin schon die Lacher auf seiner Seite, ein Bußgeld gibt es in den Staaten dafür wohl auch, das richtige Problem ist aber das man nicht eben mal in den nächsten Ort laufen kann um Sprit zu holen. Glück gehabt.




Morro Bay ist ein kleines Städtchen an der Pazifikküste, früher gab es wohl Fischindustrie. An diesem Märztag war hier völlig tote Hose. Auch hier hatte El Nino ganze Arbeit geleistet. Überall lagen noch abgebrochene Äste rum und der Strand war voller Treibgut. Erstmal suchten wir ein Quartier, was wegen der lauen Nachfrage kein Problem war und auch recht preisfreundlich ausfiehl. Auf diesen Schrecken und die entgangene Aussicht wollten wir uns heute mal ein richtiges Restaurant gönnen. Ein Opfer hatten wir uns schon ausgeguckt, ein China-Restaurant warb mit All-you-can-eat-Büfett um Gäste und das für kleines Geld. Man bedenke wir waren noch fast vom Frühstück ohne Mahlzeit... Die freundlichen Asiaten schleppten ohne Murren jede Menge leere Schälchen und Teller von unserem Tisch weg. Sie hatten es versäumt uns ein zeitliches Limit zu setzen, das nutzten wir unverschämt aus und hauten tüchtig rein. Wir waren uns sicher das die anderen Gäste den Durchschnitt durch minderen Verzehr wieder ausgleichen würden und der China-Gastronom nicht in den Bankrott gehen würde. Irgendwann waren auch wir auch mal satt, und die Chinesen lächelten immer noch freundlich als wir das Lokal wieder verließen.


Jetzt weiß ich es wieder, es war ein Samstag. Wir schauten am Samstagabend den Formel 1-Auftakt aus Australien vom Sonntag live und in Farbe in unseren Motel. Auch witzig. Schade nur das Deutschland in der anderen Richtung lag, sonst hätten wir das mal mit den deutschen Lotto-Zahlen probiert. Da ist vor uns sicher noch keiner drauf gekommen... Das Sixpack vertrug sich wohl ganz gut mit dem Essen vom China-Restaurant, so ging auch dieser kritische Tag 6 entspannt zu Ende.
 
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7.Tag; Auf nach L.A.


Alle stillen Mitfahrer ausgeschlafen? Dann wollen wir mal weiter. Morro Bay bietet zwar diesen einsamen Riesenfelsen vor dem Hafen, aber ansonsten muß man diesem kleinen Städtchen nicht allzu viel Beachtung schenken. Als Etappenziel ist es ok, und satt wird man dort wie beschrieben auch. Nach einem Tankstellen-Frühstück machten wir uns auf Richtung Süden, Richtung Los Angeles. Der Highway 1 war zwar hier normal passierbar, aber nicht so spektakulär wie der Abschnitt der uns gestern verborgen blieb. Zu dem Zeitpunkt wusste ich das allerdings nicht und freute mich somit über jeden Ausblick auf den Pazifik der sich bot. Eine ganze Weile läuft der PCH allerdings etwas abseits vom Meer. Weiden und Plantagen wechselten sich mit weiten Feldern ab. Der Weg war das Ziel. Nach unserer Kalkulation sollten wir im frühen Vormittag in L.A. ankommen, wir konnten es also ruhig angehen lassen. Unterwegs füllten wir unseren Lebensmittel-Vorrat wieder auf. Santa Barbara erreichten wir bald und legten einen Kaffeestopp ein. Einen Parkplatz an der Uferpromenade fanden wir an diesem Frühlings-Sonntag schnell. Frühling dort würde man bei uns zu Hause als milden Sommertag bezeichnen. Ein paar Jogger waren unterwegs und vereinzelte Surfer waren mit ihren Brettern draußen auf dem Wasser. Ein richtiger verschlafener Sonntag außerhalb der Saison, ganz relaxt ging es zu. California-Feeling. Santa Barbara ist ein schönes Städtchen, es lässt es sich gut verweilen und in der Saison ist hier wohl schwer was los. Wir schlenderten eine Runde über die Promenade, hatten unseren Kaffee und fuhren weiter. Hier und da ein Ersatz-Fotostopp an Viewpoints oberhalb der Küste gen Ventura und Malibu als Entschädigung für gestern. Der Verkehr lief völlig relaxt in Richtung L.A. Anno 2009 führ ich ja diese Strecke wieder, ebenfalls am Wochenende, allerdings Ende April. Da ging es Stoßstange an Stoßstange, an den Parkstreifen und -plätzen war kein freies Plätzchen zu finden und die Strände waren packevoll. 1998 Ende März war es das ganze Gegenteil, dabei war wirklich schönes Wetter.



So erreichten wir auch Malibu, den berühmten Promi-Ort vor den Toren L.A.'s. Man hatte ja schon viel über diesen Ort gehört, aber für durchreisende Touristen ist er nicht sonderlich interessant. Eine breite Durchgangsstraße zieht sich parallel zum Strand hin. Zur einen Seite der Pazifik, zur anderen auf den Bergen lukten ein paar Vorbauten aus dem Villenviertel hervor. Eine stark bewachte Einfahrt war sicher der Eingang zu diesem Viertel. Aber ehrlich, wirklich interessiert hat uns das nicht. Prachtvolle Villen hatten wir ja schon auf dem 17th Miles-Drive gesehen. Was schert es mich wie die Schönen und Reichen wohnen. Zum Kaffee konnten wir da ja wohl kaum schnell mal aufschlagen. Ich bezweifele auch mal ob Julia Roberts Kuchen gebacken hatte. Vielmehr hatten wir das unwiderstehlich Verlangen ein Bad im Meer zu nehmen. Im März! Die großen Parkplätze waren geschlossen und so wagten wir es uns an der Seite in der Zufahrt zu parken. Alles provisorisch, Badeshorts aus dem Gepäck kramen und im Auto umziehen. Ein geschlossenes Drehkreuz am Eingang stellte keine große Herausforderung für uns dar. Wer kann schon von sich behaupten er hatte den Strand von Malibu für sich alleine gehabt? Recht einsam war es hier, wenigstens Baywatch-Pam hätte uns ja mal empfangen und mit den Gepflogenheiten am Beach vertraut machen können. Ein typisch gelbes Life Guard-Auto stand allerdings besetzt am Strand. Da stürmten also zwei Germanen einsam den Strand. Rein ins kühle Nass! Ein Bad im Pazifik...., wie geil war das denn!!!??? Die Leute vom Life Guard waren sicher völlig verwirrt, wer konnte so krass zurecht sein um die pazifischen Fluten im März zu testen?! Es hat Spaß gemacht! Wir ulkten eine Weile rum und genossen die Erfrischung, ganz großes Kino! Wenn man hier schon mal ist muss man auch mal ein Bad am Strand von Malibu genommen haben. So furchtbar kalt empfand ich es garnicht. Frisch ja, aber nicht kalt. Jeden hartgesottenen Ostsee-Urlauber hätten diese Wassertemperaturen ein müdes Lächeln in die Mundwinkel gedrückt. In einem verregneten Sommer ist das Baltische Meer im Hochsommer auch nicht wärmer. Irgendwann war's dann aber auch gut, und wir wollten weiter.




… und da war es wieder, das Problem mit dem Autoschlüssel. Wo war der hin? Wir hatten ja alles im Auto gelassen und ordnungsgemäß zugeschlossen. Er hätte in der Tasche von Lothars Badeshorts sein müssen... Weia! Da war er nun nicht mehr. Der gutgemeinte Ratschlag für Greenhörner..., „Autoschlüssel nie mit ins Wasser nehmen! Auch nicht in der Badehose...“ Da hatten wir also wieder ein Problem. Hoffentlich war noch etwas Glück übrig, hatten wir doch den Glücks-Fond bei unserer Parkerei in SFO schon arg belastet. Wir suchten im Wasser in dem Gebiet wo wir unser Badevergnügen hatten. Ich mache es kurz, wir mussten nicht lange suchen, wir fanden den Schlüssel ganz vorne im noch flachen Bereich im Kies wieder. Tief durchatmen! Mal wieder war uns Fortuna mehr als hold. Sicher hatte sie Mitleid mit so leichtsinnigen Gesellen aus Germany. Größere Sorgen blieben uns so erspart. Nicht auszudenken wäre der Schlüssel im tieferen Bereich abgetaucht...



Da machte es fast garnichts das der PCH zwischen Malibu und Los Angeles auch wieder gesperrt war. El Nino ließ grüßen. Die Umleitung führte uns über die Berge rüber zum Highway 101 und wir kamen auf dieser Route in der Filmstadt an. Je näher es gen L.A. ging desto breiter wurden die Straßen. Ich bilde mir ein ein routinierter Autofahrer zu sein, aber vor L.A. habe ich auch heute noch Respekt. Weniger vor dem Verkehr, man fährt dort auch recht passiv, mehr vor den verschlungenen Verkehrsknoten. Damals war ja ein Navi noch Utopie und unsere eingeprägte Route zum Hotel war ja über den Haufen geschmissen durch die Sperrung. Eine Haltebucht zum Karte studieren fanden wir in der Situation spontan natürlich mal nicht. Es gab nur eins, mit dem Verkehr in die Stadt zu treiben und die Augen offen zu halten. Unser Hotel lag in einer Seitenstraße des Hollywood-Boulevards, also hatten wir eine grobe Richtung. Bei Mario Barth hätte es dann gehießen, „... siehste schon!“ Wer schon mal in L.A. mit dem Auto unterwegs war weiß um die verschlungen Rampen die sich in mehreren Etagen durcheinander schlingen. Einmal falsch abgebogen bringt echte Probleme, zumindest für Ortsunkundige. Aber das klappte ganz gut, ich war am Steuer und Lothar der Lotse. Wir folgten konzentriert der Ausschilderung und machten eine Punktlandung am Motel 6 nahe des Hollywood-Boulevard. Diese Filiale kann ich übrigens getrost empfehlen. Für L.A.-Verhältnisse preisgünstig und ganz klar eines der besser Motel6, anno 2009 machte ich wieder hier Station.


Hallo L.A.! Tja, was sollte ich von dieser Stadt halten? Las Vegas war Glammor und Entertainment, San Francisco hatte Flair. Cable Cars, die GGB, Alcatraz. Was gab es also für uns in L.A. zu erleben. Die Stadt mit allen Vorstädten ist ein Gigant, ein Moloch, keine Stadtgrenze in Sicht. Hier wurden unsere Kinoträume gebastelt und Stars und Sternchen gaben sich alljährlich ein Stelldichein wenn Oscars und Grammies unters künstlerische Volk gebracht wurden. Damit sollten wir aber nichts tun haben. Wir checkten ein, kippten den Malibu-Sand aus den Schuhen und machten uns stadttauglich.






Inzwischen war es schon mittlerer Nachmittag, wir bummelten raus auf den Hollywood-Blvd. Ja da waren sie die Sterne mit den berühmten und weniger berühmten Stars von heute und einst. Aber irgendwie war alles ein bisschen schmuddelig. Ich hatte mir das alles strahlender vorgestellt, Las Vegas hatte ein hohes Level angeschlagen. Billige Souvenir-Buden wechselten mit diversen Unterhaltungs-Locations. Nicht so der dicke Bringer meiner Meinung nach. Ja da gab es noch das Chinese-Theater, aber so richtig wertvoll war das auch nicht. Die Zeit bekamen wir trotzdem rum. Die warme Ernährung wollte ja auch noch gesichert werden. Ein kleines mexikanisches Restaurant machte das Rennen. Nicht fein und nicht sonderlich pingelig sauber, aber für unseren Hunger hatte man was. Buritos kannte ich bis dahin nicht, sie waren spitzenmäßig! Seit dem liebe ich diese Mexiko-Döner. Die gibt es ja mit Xerlei Füllungen, … lecker! Ich spähte nach dem „Hollywood“-Schriftzug. So ein Foto muss man freilich mit nach Hause bringen, egal wie. Aber das Ding war weit und breit nicht zu finden. Heute weiß ich das man vom Kodak-Center in der offenen Ebene einen sehr guten Punkt für dieses Foto findet. Die einfache Kamera wäre allerdings ohnehin überfordert gewesen, etwas Zoom muss sein. Eine billige Fälschung sollte am Folgetag herhalten. Es wurde dunkel und so nach und nach wurden die dunklen Gestalten in den Seitenstraßen des Boulevards immer zweifelhafter. Ich will jetzt niemand Bange machen, aber als Touri muß man da abends nicht rumlaufen. Die Homeless People haben sicher ein trauriges Dasein, aber da sind mit Sicherheit auch einige Spitzbuben darunter. Ich sah im geistigen Auge die Nachrichten aus der Zeit als Straßenschlachten zwischen Schwarz und Weiß für Schlagzeilen sorgten. Also zurück auf den Hollywood-Boulevard. Dort gingen einen nur die Scientologen auf den Nerv, aber die konnte man ja ignorieren. Mit den hohen Palmen die den Boulevard säumen und der bunten Leuchtreklamen sah es nun schon viel freundlicher aus. Noch schnell ein Scherzfoto aus dem Automaten und langsam ging der Abend in L.A. zu Ende. Das Motel6 war sauber und sicher und empfing uns zur Nachtruhe. ...natürlich nicht ohne Schlummertrunk, wissen wir doch jetzt schon, „... wer wach bleibt hat verloren!“
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #16
8.Tag; Fun in L.A.

Hier in L.A. hatten wir sowas ähnliches wie Halbzeit auf unserer Tour. Was genau uns geritten hatte uns für einen Besuch des Universal-Studio Parks zu entscheiden ist bis heute unklar. Zwei erwachsene Kerls bei Bugs Bunny und Daffi Duck? Der Park ist nicht allzu weit weg vom Hollywood-Blvd., ein paar Minuten mit dem Auto. Eigentlich war es ganz angenehm dort auf einen Montag außerhalb der Ferien. Keine Wartezeiten und kein Gedrängel. Wir waren dann doch ein wenig beruhigt als wir weitere erwachsene Besucher sahen die deutlich älter noch als wir waren.



So ganz groß brauche ich den Abstecher in den Fun-Park nicht zu beschreiben. Damals lief eine Action-Show zum Kino-Streifen "Water World", das hat richtig Spaß gemacht weil kaum jemand trocken blieb auf den Rängen. Kein Problem bei Sonnenschein in L.A. und Graden wie bei uns in Deutschland im Sommer. Recht witzig war auch wenn wir beim kurzen Anstehen mit ganzen japanischen Schulklassen als Foto-Motiv herhalten mußten. Sicher würde man uns dann in Fernost als Mammuts präsentieren.:laugh:



Ein Vergnügungspark eben. Rundfahrt mit der Studio-Bahn zu Norman Bates Horror-Haus und anderen Kulissen aus bekannten Movies, actionhaltige Fahrvergnügen und einige Animations-Shows. Im Großen und Ganzen sehr ähnlich unseren deutschen Warner Brothers-Movieworld in Bottrop-Kirchhellen. Zweifelsfrei ein schöner Park, aber wenn man nicht viel Zeit auf der Tour hat kann man ähnliches auch in Deutschland besuchen und den Park ignorienen. Mit Kindern ist dann wohl auch Disney-Land noch anziehender, ... Geschmackssache sicherlich.



Immerhin, der Tag ging rasch vorbei. Wir hatten uns schon am Morgen überlegt nach dem Besuch im Park noch den Molloch Los Angeles zu verlassen und am Rand des Speckgürtels zu übernachten. Draußen in San Bernadino am Interstate lagen Motels dicht an dicht. Dort hatten wir unsere nächste Herberge. Es war so eine Art Interstate-Rasthof, Unmengen Trucker steuerten diesen Platz an. Unser Abendessen hatten dann auch wir im Truck Stop. Eine recht interessante Erfahrung zwischen den meist recht bulligen Truckern am Thresen zu sitzen bei MTV und einem Pitcher Budweiser. Eine feine Adresse sieht sicher anders aus, allerdings gab es dort eine Riesenportion Spare Ribs vom Feinsten. Die Trucker wußten das sicherlich auch und fuhren diesen Truck-Stop wohl nicht ohne Grund in großer Schar an. So ganz nebenbei kamen wir mit einem dieser Asphalt-Cowboys ins Gespräch, er hatte als GI in Berlin gedient. Aus seinen Erzählungen war zu merken wie stolz er auf seinen Truck war. Er war Einzelunternehmer, free man in a free world. So die letzte Wildwest-Romantik? Vielleicht, wobei er auch sagte der Job wäre knochenhart auch wenn er nichts anderes in seinem Leben machen wollte. Nach dem Essen zeigte er uns voller Stolz seinen Truck mit der riesigen Schlafkabine. War interessant. Wir zischten zusammen noch eine Runde Bud bevor er sich auf's Ohr legte. Eine Bekanntschaft am Rande des Highways. Gerade das sind für mich die interessanten Momente um mal die Einheimischen kennenzulernen. Ein Grund mehr um als Selbstfahrer das Land zu bereisen, mit einer Reisegruppe hat man solche Bekanntschaften wohl nur höchst selten.



So der ganz große spannende Tag war das vielleicht nicht, deshalb auch nur in spärlicher Weise beschrieben. Das leigt aber auch daran das ich nicht allzu viele Erinnerungen ab diesen Tag habe, ganz im gegensatz zu den anderen Tagen.

Fortsetzung folgt...
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #17
hei, super Bericht! Freue mich auf Fortsetzung!
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #18
9.Tag; Joshua Tree N.P., Bekanntschaften und wieder Stress wegen dem Schlüssel


Heute sollte die Reise weitergehen, weg vom Großstadtgewühl L.A.'s raus in die Wüstengebiete Kaliforniens. Da war wohl eher unser Platz, mit der Natur Auge in Auge. Dort würden sicher die letzten Abenteuer des Westens auf uns warten? Von unseren Etappenort San Bernadino an der I-10 war es nicht allzu weit dorthin. So genau weiß ich es nicht mehr, so 1 bis max. 2 Stunden brauchten wir dorthin nur. In einem kleinen Ort kurz vor dem Parkeingang legten wir einen Versorgungsstopp ein. Tanken und Einkaufen. Rauf auf den Supermarkt-Parkplatz, ausgestiegen und Tür zugeschlagen. Auf ordentliches Abschließen achteten wir seit unserer Unachtsamkeit in San Francisco ganz besonders. Derart besonders das wir immer brav die Zentralverriegelung drückten beim Aussteigen. Die meisten ahnen was jetzt kommt... Plopp..., Tür zu... aber Schlüssel noch drin! Das war es wieder, das Geschiss mit dem Autoschlüssel! Na klasse! Mussten wir doch diesmal den Schlüssel nicht suchen, wir sahen ihn trotzig im Zündschloss stecken. Was nun? Außer etwas Bargeld hatten wir nichts weiter bei uns. Sollten wir unseren eigenen Mietwagen knacken. Womit? Und wenn jemand das sieht und den Sheriff alarmiert? Der Parkplatz vor dem Supermarkt war an diesem Vormittag wie bei High Noon fast menschenleer. Und man glaubt es kaum, etwas weiter draußen rollte der Wind sogar diese typischen vertrockneten Büsche durchs Gelände. Wir guckten mal wieder recht dumm aus der Wäsche.


Aber ganz so aussichtslos war die Situation dann auch wieder nicht. Wenig später fuhr zufällig tatsächlich der Sheriff eine Runde Streife über den Supermarkt-Parkplatz. Wir zeigten ihm per Handzeichen an das wir in Schwierigkeiten steckten. Er kam tatsächlich. Nicht so ein dicker Typ Marke Sergent Pepper der einst Bandit über Amerikas Highways jagte. Nein ein sehr großer und äußerst dünner Officer stieg aus und fragte was wäre. Auch er konnte sich ein leichtes Lachen nicht verkneifen. Zum Glück hatte Lothar das Portemonnaie mit den Papieren mit draußen. Im Streifenwagen checkte der Sheriff per Funk unsere Daten und kam nach einer Weile breit grinsend wieder zu uns zurück mit einem flachen Metallstreifen mit schmalen Haken am Ende zurück. Eine ganz kurze Geschichte und man musste schon ganz genau hinsehen um zu erkennen wie er den Wagen öffnete. Das war also der „Slim Jim“, bekannt aus vielerlei Hollywood-Movies. Er wird an der Tür zwischen Scheibe und Türrahmen geschoben, runter geführt... ein Handgriff und wieder nach oben gezogen. Das war's. Ende gut alles – alles gut. Das typische Image vom griesgrämigen, unerbittlich sturen Sheriff war zerstört. Er war wirklich sehr freundlich und hilfsbereit. Auch in den Staaten gilt wohl, „... wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es auch wieder hinaus“. Wir bedankten uns und wollten uns mit einem ausgegebenen Kaffee revanchieren was dankend abgelehnt wurde. Es gab noch etwas Smalltalk a la „wohin und woher“ und wir waren um eine Erfahrung reicher. Achtung Greenhörner! Nicht nachmachen! Aufpassen, macht Euch zuerst mit den Eigenheiten der Zentralverriegelung vertraut und lasst den Schlüssel beim Aussteigen nicht stecken! Nicht auszudenken, wäre uns diese Panne etwas später draußen im Reich der Kakteen passiert... Bildmaterial gibt es leider von dieser Episode nicht, der Fotoapparat lag ja auch verschlossen im Auto. Wir frischten dann noch fix unsere Vorräte im Supermarkt auf und fuhren weiter zum Joshua Tree National Park.




Es war wirklich nur noch ein Katzensprung bis zum Parkeingang. Ab jetzt machte sich unser „Golden Eagle“-Pass bezahlt. Eine wirklich zu empfehlende Investitution wenn man mehr als nur 1-2 Parks auf der Reise besucht. Dieser Park war nun ganz anders als die ersten beiden in der Sierra Nevada. Soweit das Auge reichte Kakteen und natürlich auch die Joshua Trees die den Park den Namen gaben. Wüstengebiet. Große rundliche Felsen prägten den Park. Es war ein warmer Tag, kein Wölkchen weit und breit. Ich fand es total beeindruckend wie verschieden Klima und Vegetation allein in Kalifornien waren. Standen wir doch noch vor ein paar Tagen vor mannshohen Schneewänden im Sequoia. Was haben wir so gemacht im Joshua Tree N.P.? Das klassische Touri-Programm. View-Points abfahren, hier und da ein Foto machen, ein bisschen im Sand rumlaufen und auf die Felsen klettern. Wir hatten einfach Spaß und lasen nicht jede Zeile der Park-Info. Erst abends auf dem Zimmer entdeckten wir meist viel Wissenswertes und was wir alles mal wieder nicht gesehen hatten. Noch ein wichtiger Tipp für Greenhörner.... besser keine offenen Schuhe in Nähe von Kakteen tragen...! Autsch, die abgefallenen Teile haben auch Stachel und diese stechen gnadenlos in die Zehen oder sonst wohin. … ich kann das bestätigen. Einige Tage hatte ich noch ein Andenken an den Park mit den Joshuas.




Fazit; Der Joshua Tree N.P. ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Zwar stehen diese markanten Bäume weit verbreitet in der ganzen Gegend zwischen L.A., Las Vegas und Umgebung, aber dort kommen sie eben besonders zur Geltung. Als Ausflug von Las Vegas her allerdings viel zu weit weg, aber wer von L.A. und Palm Springs in Richtung Grand Canyon unterwegs ist sollte den Schlenker durch den Park ruhig mitnehmen. Ein schöner Flecken. Amerika.




So zur Mittagsstunde verließen wir den Park wieder in südlicher Richtung zum Interstate 10. Über Blythe ging es nach Ehrenberg. Wir fuhren über den Colorado rüber nach Arizona. Besonders spannend schien es hier nicht zu sein und deshalb fuhren wir auch gleich durch. Der State Highway 1 führte uns nördlich. Eine Querverbingung zwischen der I-10 und der I-40. Das ist aber mal nicht eben um die Ecke. Die Straße führte uns raus in die Mojave Wüste. Weit und breit nichts, absolut garnichts. Verdürrtes Land, keinerlei Vegetation, kein Baum, kein Strauch. Wie auf dem Mond. Ich erinnere mich noch gut das das meine Fahretappe war. Ein Stein aufs Gaspedal gelegt und einen Nagel ins Lenkrad geschlagen, hier könnte das gehen. Außer uns fuhr da keiner und man konnte schon auf Tage im Voraus sehen wer Sonntag zu Besuch kommt. Flaches Land das mit kleinen Senken übersät war. Mit der richtigen Geschwindigkeit konnte das ganz lustig sein.



Hier gab es nichts und hier wollte ich so schnell wie möglich wieder weg. Weshalb sollte man nicht um ein paar Meilen das Speed-Limit überziehen? Es gab ja keinen Flecken wo sich die Highway-Patrol hätte verstecken können. Denkste! Wie im billigen Klamauk-Film tauchte nach einigen Minuten doch wohl tatsächlich ein Streifenwagen hinter uns auf! Natürlich mit vollen Lametta und der ganzen Discothek an. Das Geld für den Movie-Park in L.A. hätten wir sparen können, das war wie Kino live. Bis heute ist mir unklar wo der her kam, die letzte Ortschaft lag ewig weit zurück und in der Mondlandschaft gab es keine Verstecke. Anscheinend wohl doch..., und wir hatten das nächste Problem. Wir hielten brav am Straßenrand an und warteten ab was jetzt passieren würde. Bekäme ich den Lauf einer Pistole ins linke Nasenloch und gar Handschellen angelegt? Freund Lothar hatte wohl schon Erfahrungen mit der Highway Patrol und mahnte zu keinerlei Unruhe oder unbedachten Aktionen. Brav sitzen und Hände am besten sichtbar für den Officer auf Lenkrad oder Amaturenbrett legen. Es dauerte eine ganze Weile bis der Beamte ausstieg und sich uns näherte. Ok ein Schießeisen hatte er dabei, aber mein Nasenloch blieb frei. Als er uns als friedliche Zeitgenossen kritisch gemustert hatte trat er ans Fenster mit den Worten... „german Guys, you are to fast!“ In dem Moment war ich einigermaßen beruhigt, auch dieser Staatsdiener war einer der netten Art. Ganz so sehr hatten wir seinen Highway wohl doch nicht mißbraucht. Wir versuchten uns rauszureden das wir nicht im Klaren waren nach dem Wechsel von Kalifornien nach Arizona welches denn das richtige Speed-Limit wäre. Nicht sonderlich einfallsreich, wenn es dort nichts gab aber Schilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung allemal. Kurzum er beließ es bei einer Ermahnung und strapazierte unsere Reisekasse nicht unnötig. Das Glück war uns wirklich sehr zugetan. Hinweis für Greenhörner... Keine Experimente mit dem Speed-Limit! Selbst dort wo sich Coyote und Road-Runner gute Nacht sagen ist eine Highway-Patrol unterwegs. Denkt nicht mal dran! Auf späteren Reisen habe ich mich dann immer brav dran gehalten und bin sehr gut damit gefahren...


Weiter ging es durch die Einöde. Hinter Parker kam dann wieder etwas Farbe in die Landschaft. Zur Linken tauchte jetzt Lake Havasu auf. Das leuchtende Blau des Sees war eine Wohltat für die Augen. Schön sah es dort unten aus. Eine richtige Oase im weiten Ödland Arizonas. Boote auf dem Wasser. Eine richtige Feriengegend mit allem was wohl so dazu gehört. Leider hatten wir für hier keine Zeit eingeplant, es war schon recht später Nachmittag und bis zum Tagesziel Kingman war es noch ein Stück zu fahren. Zu gern wäre ich eine Runde ins blaue Nass gesprungen.




Irgendwann erreichten wir die Stadt an der alten Route 66. Geschafft! Das war ein langes Stück vom Joshua Tree N.P. bis hierher. Das Stück ab Ehrenberg zog sich lang hin wie die Woche zwischen Weihnachten und Silvester. Ganz ehrlich, ich würde keinen empfehlen solch eine lange Etappe für einen Tag zu planen. Das waren nach grober Rechnung von heute so um die 600km. Nicht empfehlenswert. Von Palm Springs über den J.T.N.P. bis Lake Havasu City, das scheint mir noch gerade machbar. Anfängerfehler.


Wir waren heilfroh als wir unser Motel6 erreichten. Ein kurzer Imbiss beim Mexikaner und das sollte es für den Tag gewesen sein. Ein Sprung in den kleinen Pool sollte es aber noch sein. Also schnell in die Bade-Shorts gesprungen und raus zum Pool. Insider wissen das die Pools aus Sicherheitsgründen eingezäunt sind. Ein Klipp auf die Klinke und...., was war jetzt schon wieder?! „Closed in Winter-Season!“, informierte uns das nicht gerade unauffällige Schild am Zaun. Ach nö! Gefühlte 25 Grad Celsius und die machen auf Winter-Season! Unklar, aber es war eben noch mitten im März.... Ein Fotodokument gibt es von dieser Erfahrung leider auch nicht, … wäre heute sicher ein Brüller schlechthin. Noch ein wenig TV, ein-zwei Bud und Amerika sagte „Gute Nacht John Boy!“ Gute Nacht Amerika!

Fortsetzung demnächst hier...
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #19
super cooler bericht! einer der besten, die ich hier gelesen habe!

mehr davon!!!!!
 
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  • Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #20
10.Tag; … auf zum Grand Canyon


… nach einer Woche Schreibpause wollen wir mal das Städtchen Kingman wieder verlassen, so spektakulär ist es dort nun auch wieder nicht als das man länger als eine Übernachtung verweilen sollte. Auf diesen Tag war ich besonders gespannt, war doch der Grand Canyon eigentlich das Naturspektakel das ich so aus dem Fernsehen kannte. Riesengroß sollte er sein, tief und einen Zeitborgen spannen durch alle Phasen der geologischen Entwicklung. Als Schüler einer DDR-Schule hatte man generell über die nichtsozialitische Welt nicht allzu viel erfahren. Während wir wohl allein eine Klassenstufe lang die letzten sowjetischen Bauxit-Vorkommen hinterm Ural besprachen, wurde ganz Nord- und Südamerika in vier Wochen überrollt. Klarer Fall, man woltte ja den „Klassenfeind“ nicht unnötig interessant machen. Deshalb war auch der Grand Canyon nicht ansatzweise erwähnt worden. In den frühen 90ern gab es mal einen Hollywood-Streifen gleichen Namens der zwar nicht in den Kino-Olymp gelangte, aber einen interssanten Grundgedanken hatte. Es ging um Jugendbanden, Kriminalität, Drogen und allerhand sozialen Zündstoff und einem Vater dem sein Sohn gänzlich entgleiten zu schien und fast verloren war. Am Ende ging dann doch alles gut und die Familienbande war wieder gestärkt, als die Familie sich aufmachte den G.C. zu besuchen. Dort am Rand des Canyons wurden deren Probleme und Sorgen winzig klein und der große erhabene Canyon versprühte einen Hauch von Ewigkeit. Sabber sabber, … ganz großes Kino. Aber der Gedanke begleitete mich weiter, nicht ganz ohne persönlichen Bezug. Diesen großen Ort wollten wir heute sehen. An den anderen Tagen war ich immer relativ gelassen was da wohl am Tag auf uns zukäme, aber an dem Tag war das anders.


Der Tag begann mit einem Einheitsgrau, ein wolkenverhangener März-Morgen. Gegenüber der langen Hammer-Etappe des Vortags mussten wir heute nicht ganz so viel fahren. Knappe 200 Meilen, beinahe schon lächerlich für uns Meilen-Fresser. Gegen späten Nachmittag schätzten wir sollten wir dort sein. Auf dem Weg dorthin nahmen wir nicht den schnelleren Interstate, sondern machten den kleinen Umweg über die Historic Route 66. Ich mache es kurz, es war wenig spektakulär, eine ganz normale Landstraße auf der an diesen Vormittag anscheinend nur wir unterwegs waren. Viel zu sehen gab es dort nicht. Vielleicht ist das was für Nostalgie-Freunde die den Spirit dieser alt-ehrwürdigen Straße spüren können. Andererorts mag sie vielleicht in einer schöneren Landschaft mehr Charme versprühen. "Auf den Spuren der alten Reichsstraße 1", ist sicher ein ähnliches Abenteuer und eben nur was für echte Liebhaber. Route 66 war damit für uns abgehakt und fällt in die Rubrik... „man war mal dort...“. Es ging dann ein Stück über den Interstate,der hier die alte 66 unter sich begraben haben muss, weiter in Richtung Williams. Vom Interstate sah man das Depot der Grand Canyon-Bahn. Dies stimmte schon etwas ein und verbreitete ein wenig Widld West-Feeling. Ohne Stop ging es über die „64“ nach Norden. Fast immer schnurgerade zum Horizont. Ringsum platte Landschaft. Hier sollte es also zu einem der größten Naturwunder der Erde gehen??? Aha..., das hatte ich mir auch wieder anders vorgestellt. Nach einer Weile wechselte das flache Land dann gegen Baumgewuchs. Hey, Grün hatten unsere Augen ja nun schon lange nicht mehr gesehen! Eine Wohltat...




Tusayan, dieses Örtchen vor den Toren des Nationalparks nahm ich garnicht so richtig wahr und der Parkeingang war dann schnell erreicht. Netter grüner Wald..., wo sollte jetzt bitte der Grand Canyon sein? Das er nicht mehr weit sein konnte verriet der Auto-Strom in dem auch wir steckten. Aber wir fanden ohne größere Probleme schnell einen Parkplatz und gingen dann zum ersten View-Point. Da der Canyon ja wie ein riesengroßes Loch nach unten geht sieht man ihn vom weiten noch nicht, reist man doch ziemlich ebenerdig an. Dafür ist dann der allererste Blick auf das Canyon-Panorama einfach überwältigend. Wer noch nie dort war aber schon hier und da was im Fernsehen darüber gesehen hat, kann das alles vergessen. Ein einzigartiges Bild bot sich uns, wie eine Postkarte. Nicht das es jetzt zu dem Moment so farbenfroh aussah oder einzelne Felsformationen besonders gefiehlen, nein es war die Gesamtheit des Grand Canyons die mich erstmal sprachlos machte. Jetzt verstand ich was der erwähnte Kinofilm aussagen wollte. Hier bekommt man ein ganz neues persönliches Gefühl für Größe und Zeit und kommt sich selbst so klein vor. Man steht dort am Rand des Canyons und ist von dessen Grund wohl garnicht sichtbar. Man könnte jetzt philosophieren über Raum, Zeit, die Ewigkeit und das eigene Dasein, aber das gehört wohl nicht hierher. Der Grand Canyon ist vielleicht nicht der „schönste“ Canyon, wenn man das überhaupt einstufen kann, aber auf alle Fälle hat er die tiefsten Eindrücke bei mir hinterlassen. Jetzt konnte ich auch nachvollziehen was der Präsident Roosevelt einst meinte als er sagte das jeder Amerikaner einmal in seinem Leben den Grand Canyon besucht haben sollte. Der Grand Canyon ist eines der berühmtesten Wahrzeichen der USA, wenn nicht gar das Highlight schlechthin.






Nach und nach klapperten wir die Scenic-Views entlang der Parkstraße ab. Es war zwar kühl, aber die Sonne meinte es gut mit uns und sorgte für gute Sichtverhältnisse. Meine Freunde die dieses Sonderangebot der Condor auch wahrgenommen hatten waren zwei Wochen vorher geflogen und hatten bei ihren Besuch am G.C. Wolken. Im Canyon war nichts als Wolken, das nennt man wohl Mega-Pech, Sicht gleich Null. Wir hatten da dann doch wieder das Glück auf unserer Seite. Teilweise sah das Panorama richtig unwirklich aus, wie ein gemaltes Landschaftsbild. Mein 0815-Kamera stieß ständig an die Grenzen des machbaren, im Vergleich zur heutigen Digital-Technik..., gleich ein paar Quantensprünge.

Beim Betrachten der Info-Tafeln staunten wir jedesmal wieder über die Dimensionen. Allein schon die Entfernung vom Süd- zum Nord-Rim ist an der breitesten Stelle gewaltig. Den Colorado-River konnte man an manchen Stellen weit unten winzig klein sehen. Ich weiß jetzt nicht mehr genau wieviel Kilometer weit der weg war, aber es war ständig ein Superlativ das das nächste übertraf. Dieser Fluß dort unten hat über Jahr Miliionen stetig diese gewaltige Landschaft geprägt, … beeindruckend. Lange bevor es überhaupt menschliches Leben gab war der Grand Canyon schon längst in Arbeit und bis heute geht die Entwicklung weiter.






So verging der Nachmittag bis wir am Desert View-Point den letzten Aussichtspunkt erreicht hatten. So richtig konnte ich meine Blicke nicht losreißen, zu sehr faszinierte mich dieser einmalige Ort. Das sollte es schon wieder gewesen sein? Echte Hiker wandern richtig rein in den Canyon, was aber für ungeübte Turnschuh-Touristen nicht einfach und auch gefährlich sein kann. Wir Auto-Touris haben uns wie die meisten Tagesbesucher mit den View-Points begnügt, was aber auch nicht zu verachten ist.




Irgendwann mussten wir dann doch vom Grand Canyon Abschied nehmen. Ob ich hierher nochmal wiederkehren sollte? Es sollte fast genau 10 Jahre dauern, dann allerdings mit meinen Sohn. Zu seinem 18ten Geburtstag waren wir als Vater-Sohn-Duo dort, ein bißchen wie im anfangs erwähnten Kinofilm. Aber das war zu dem Zeitpunkt noch in ferner Zukunft. An diesem Märztag wollten wir erstmal noch ein Stück weiter in Richtung Kayenta fahren.


In Cameron war ein Boxenstopp fällig, Tanken und ein Imbiß. Danach ging es über Tuba City weiter auf der „160“ Richtung Kayenta. Hier war wieder das totale Nichts, gerne hätte ich wie bei einer DVD ein Stück übersprungen. Die Strecke zieht sich ziemlich lang hin und mag kein Ende nehmen. Experimente in Sachen Geschwindigkeit machten wir nach der freundlichen Rüge vom Vortag aber besser nicht mehr. Nach einer kleinen Ewigkeit kamen wir in Kayenta an, noch nicht ahnend das wir es gleich wieder verlassen sollten. An ein Motel war nicht zu denken, entweder ausgebucht oder deutlich über unserem Budget für Übernachtungen. Heute weiß ich das um Kayenta herum kaum preiswerte Übernachtungen gibt, da die Anzahl der Herbergen doch begrenzt ist und die Touris zum Monument Valley kaum eine andere Wahl haben als hier zu stoppen. Ringsrum ist ja bekanntlich das große Nichts. Wir machten kehrt, hatten wir doch gut 30 Meilen vorher ein Motel direkt am Highway gesehen das deutlich billiger war. Es war schon dunkel als wir dort ankamen. Nichts Großartiges, aber wir hatten ein Dach über'n Kopf. Ein kleines einfaches Restaurant war nebenan wo sich Coyote und Roadrunner wohl Gute Nacht sagten. Wir konnten gut damit leben und übernachten mal im Nirgendwo jenseits von Gut und Böse.


Ein großer Tag lag hinter uns, ein Tag der mich sehr beeindruckte und an den ich auch heute noch oft und gern zurückdenke. Die Police hatte nichts an uns auszusetzen und auch der Schlüssel machte nicht über Gebühr Sorgen. Nur einmal beim Hantieren mit Fotogerät und Video8-Kamera fiehl er aus der Hand und in eine Spalte am Rand des Canyon. Kein Grund zur Panik, man konnte ihn gut befreien und bis zum Abgrund waren es noch gut 20 Zentimter. ... reine Nervensache.


Wie immer gab es noch einen Gute Nacht-Trunk und ein weiterer Tag im Südwesten ging zu Ende.
 
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