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Reiseberichte USA

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Alt 13.10.2009, 21:28   Wilder Südwesten für Anfänger - Die 21 Tage Schleife Beitrag #1
Makewood Mann
Wattenscheider
 
Benutzerbild von Makewood
 
Registriert seit: 07.07.2009
Ort: Wattenscheid
Beiträge: 66
Reden Wilder Südwesten für Anfänger - Die 21 Tage Schleife

So ein Jetlag ist schon eine fiese Sache und obwohl wir einen Extra-Urlaubstag eingeplant hatten, fühlt man sich, als wäre man nach Hause gerudert. Trotz der körperlichen Defizite muss ich aber zugeben, dass wir drei fantastische Wochen erlebt haben und noch einige Zeit brauchen werden um die erlebten Ereignisse zu verarbeiten.


Doch fangen wir lieber vorne an. Im Januar war es wieder einmal an der Zeit den Jahresurlaub zu planen und neben einer Woche Skifahren im Bayerischen Wald war noch nichts angedacht. Irgendwie kam meine Freundin dann auf die Idee in die USA zu reisen und ganz ehrlich? Die erste innerliche Reaktion war ungefähr so: „ Ja, nee ist klar !“ Nachdem ich mich allerdings bemüht hatte kurz darüber nachzudenken, formten sich die Gedanken in ein : „Ja gut, aber…“ und so beschlossen wir uns mal etwas schlau zu machen.
Der weltbeste Ansprechpartner zu diesem Thema war schnell ausfindig gemacht, denn der Nachbar meiner Eltern hatte durch seine 975 USA-Reisen zweifelsohne das nötige „Know how“ um uns zu beraten. Kurzerhand luden wir uns zu einem Besuch ein und nach wenigen Minuten hatte der gute Jens uns quasi überzeugt. Die Frage war nun nicht mehr ob überhaupt, sondern wie und wo! Auch hier fanden wir schnell Antworten, denn nach kurzen Überlegungen kam nur eine Mietwagenrundreise in Frage. Zielort : Der Südwesten, die Einstiegsdroge Nr.1, wie uns Jens bestätigte. Grundsätzlich war nun nur noch zu klären, ob wir alles selbst planen oder einen Reiseveranstalter wählen wollten. Nachdem auch hierfür ein Tipp bereit lag (Canusa-Katalog), entschieden wir uns für eine Anfrage für die 21-tägigen Rundreise durch den Südwesten der Staaten und innerhalb kürzester Zeit lag das Angebot auf dem Tisch. Keine zwei Wochen später wurde die Anzahlung überweisen.


Die nach der Buchung deutlich zu spürende Euphorie verflog nach einigen Wochen wieder etwas, der Alltag hatte uns wieder und die Gedanken waren eher auf andere Dinge fokussiert. Im späten Frühjahr änderte sich das „Gefühl“ dann in den Status Vorfreude und so konnte allmählich mit der Planung begonnen werden. Zunächst wurden nochmals alle gebuchten Hotels via Google-Earth abgeklappert (vor der Buchung wurde natürlich auch schon geguckt). Anschließend begann die Informationssammelphase, wo quasi alle möglichen Quellen angezapft wurden. Als besonders hilfreich empfand ich übrigens die Reiseberichte hier im Forum, die oft tolle Tipps beinhalteten. Via Internet konnte man zudem diverse „Touri-Magazine“ bestellen. Das Informationsmaterial wurde zum Teil direkt aus den Staaten und dies komplett kostenfrei versandt. Zwar beinhaltete das Material viel Werbung, doch viele Dinge wie z.B. das Kartenmaterial waren sehr hilfreich.


Anfang September nahm der Spannungsbogen dann nochmals deutlich zu und nachdem mein Einsatz als Trauzeuge eine Woche vor Reisebeginn vollbracht war und somit nur noch das Ziel Reisebeginn im Kalender stand, gab es fast kein Halten mehr. Leider war dies bei meiner Freundin nicht ganz so, denn sie musste noch zwei Klausuren in ihrem Fernstudium schreiben. Nachdem der letzte Satz geschrieben war, ging es dann auch bei ihr innerlich los und so konnte es nun endlich Samstag werden.


TAG 1 : Samstag 19.09.09


Um 07:30 Uhr schellte der Wecker und schon ein paar Minuten danach waren die letzten Dinge für die Reise verstaut. Drei von vier Koffern waren bereits am Vorabend im Auto gelandet, der letzte Koffer folgte. Eigentlich wollten meine Eltern mit ihrem Auto den Shuttleservice spielen, doch am Vortag streikte der Vectra meines Vaters und verweigerte jede elektrische Aktivität. Gut, dass dies nicht morgens oder gar auf der Fahrt nach Düsseldorf passiert ist! Kurzerhand beschlossen wir also, dass mein Vater mein Auto zurück fährt und somit war der Shuttleservice auch kein Problem mehr. Überpünktlich checkten wir am Schalter der Lufthansa ein und wie zuvor erwartet erhielten wir die Bordkarten für den Flug nach Frankfurt und für den Flug von Frankfurt nach San Francisco. Das Gepäck würden wir ebenfalls erst in San Francisco wiedersehen. Um sämtliche Koffer erleichtert schlenderten wir noch zu einem Café im Flughafen. Für einen Cappuccino war noch Zeit und so schwatzten wir noch etwas mit meinen Eltern bevor wir den Airbus der Lufthansa bestiegen. Pünktlich hob die Maschine ab und alle Angst den „großen“ Flieger zu verpassen verschwand schlagartig. Kaum oben waren wir auch wieder unten. Das internationale Terminal von Frankfurt ist schon beeindruckend. Massen von Menschen schoben sich an diesem Samstagmittag durch die Gänge des Terminals und schier endlos viele Sprachen wurden gebrabbelt. Nach einem kleinen Snack machten wir es uns irgendwo gemütlich. Nachdem das Einstiegs-Gate endlich von der Anzeigetafel preisgegeben wurde, begaben wir uns zum entsprechenden Ausgang. Bevor wir jedoch den Wartebereich betreten durften, mussten wir zunächst durch die Passkontrolle des deutschen Grenzschutzes. Ein kurzer Blick in den Pass und wir waren durch. Dadurch, dass wir recht lange bei der Kontrolle anstehen mussten, war es nun auch schon Zeit zum Boarding und was hatte der Herr vergessen? Die Meldung der ersten USA-Adresse auszufüllen. Unser Reiseveranstalter hat bei der Zusendung der Reiseunterlagen ein Formular beigelegt, das man vor dem Flug in die Staaten ausfüllen sollte. Es war ein formloses Blatt, wo die erste Hoteladresse in den Staaten angegeben werden sollte. Dieser Zettel sollte dann vor dem Boarding der Fluggesellschaft übergeben werden. Ein großes Problem wurde der fehlende Zettel nicht, denn das Bodenpersonal von United war auf Zack. Man hatte zwei Damen für die die elektronische Erfassung der Daten abgestellt und so war nach einer abermals kurzen Wartezeit alles im PC vermerkt. Ein kurzer Eintrag auf der Bordkarte und schon durften wir den Flieger betreten. So stiefelten wir zwei beide in den ersten Jumbo unseres Lebens und wenn man sonst nur mit dem Airbus Ferienflieger unterwegs ist, ist man ob der Größe des Flugzeuges schon beeindruckt. Die Plätze waren schnell gefunden und nachdem das Handgepäck verstaut war schaute ich mich erstmal etwas um. Auffällig war, dass die 747 der United Airlines schon etwas älter war. So einiges wirkte etwas schrammelig. Ins Bild passten dann irgendwie auch die „Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter“. Von der Lufthansa mit Häubchen und guten Outfit verwöhnt, wunderte man sich schon etwas über das Erscheinungsbild der Damen und Herren. Bis auf wenige ausnahmen hatte man das Gefühl, dass ein Altenheim in den Staaten frei bekommen hat und auch die Kleidung wirkte etwas „überaltert“. Auch während dem Flug merkte man einen deutlichen unterschied, denn obwohl immer höflich und korrekt, wirkte so manches Servieren oder Fragen subjektiv betrachtet etwas unkonventionell. Auch das Bord-Entertainment war aus den Achtzigern. Das erhoffte Inseat-Entertainmentprogramm entpuppte sich als „Wir-zeigen-ihnen-alle-Filme-hintereinander-System“, wobei ich den großen Vorteil hatte, dass ich noch keinen der Filme gesehen hatte. Also den deutschen Tonkanal gesucht und los ging es. Während sich meine Freundin innerhalb der ersten drei Stunden ein komplettes Buch rein gezogen hatte, zog ich mir Film für Film rein und als der letzte der geplanten Filme (Star Trek) zu Ende war und die Durchsage kam, dass man bald landen würde, staunte ich nicht schlecht. Die Zeit war förmlich wie im Flug vergangen und so wagten wir dann einen Blick aus dem Fenster. Geblendet von der Helligkeit konnte man viel Natur erkennen und auch der spektakuläre Rundflug um die San Francisco Bay hatte was für sich. Die Landung nahte! Ach so: Im Flugzeug wurden zwischendurch übrigens noch das berühmte I94-W (grün) Formular und ein Zettel für die Zolldeklaration ausgegeben. Obwohl ich großkotzig behauptete, dass ich das Online-Esta-Verfahren durchgeführt habe, sagte man uns, dass wir das mal getrost vergessen können und man trotzdem den grünen Zettel ausfüllen solle. Murrend habe ich das dann für uns erledigt (wenigstens den Zollzettel brauchte ich nur einmal für beide ausfüllen) und es war gut so.
Nach der Landung leerte sich der Flieger allmählich und der erste persönliche Bodenkontakt folgte in Kürze. Die Horrorszenarien mit stundenlangem Warten vor Augen, stürzten wir zur Passkontrolle und was war? Pustekuchen. Innerhalb von 5 Minuten war alles vorbei. Zwar waren nicht wenige Leute in unserer 747, doch hatten knapp 10 Schalter geöffnet und offensichtlich waren vielen Amerikaner im Flugzeug. Das im Flugzeug ausgefüllte Formular wurde dann in unsere Reisepässe getackert, zuvor musste man jedoch seine Fingerabdrücke hinterlassen. Erst Finger rechts, dann Daumen rechts, dann Finger links, dann Daumen links. Anschließend noch mal in die Diggicam grinsen und dann ab durch die Mitte. Überhaupt muss man sagen, dass der Beamte vor Ort sehr freundlich war. Zwar hab ich ihm nicht alle Fragen beantwortet, da ich nicht Multitasking fähig bin und zeitgleich auf die Reihenfolge des Fingerscans geachtet hatte, aber letztlich war das auch egal. Auf ging es zum Gepäckband und, ich staune immer noch, es waren tatsächlich alle vier Koffer da. Minuten später standen wir dann auf der zweiten Ebene an der Haltestelle des von Germany gebuchten Go-Lorries Wagen, der uns für 15 $ pro Nase ins Hotel fahren sollte und auch hier muss man sagen: Alles super geklappt. Nachdem der Fahrer zwei andere Haltestelle abgefahren hatte, machte sich der Bulli auf den Weg nach Downtown und nach knapp 25 Minuten und den ersten Fahrtipps für Fortgeschrittene, waren wir am Hotel. Unsere erste Station war das Serrano, welches sich an der Ecke Taylor/O`Farrell befindet. Kurz dem Fahrer noch ein Trinkgeld zugesteckt und schon standen wir in der Lobby. Sofort kümmerte sich ein Kofferträger um uns (ich war Kn dieser Situation sehr dankbar) und so war der Rest ein Klacks. Wir checkten ein und ließen uns die Koffer in das Zimmer tragen. Da wir nichts zu trinken hatten, entschlossen wir uns noch kurz um den Block zu gehen und etwas Wasser zu kaufen. Da standen wir nun in San Francisco, konnten es selbst kaum glauben und starrten durch die Straßen. Ferngesteuert liefen wir einmal um den Block und kauften einen kleinen Kanister Wasser und ein paar Cookies. Danach ging es rasch ins Bett, denn wir konnten beide nicht mehr…



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Makewood ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.10.2009, 22:30   Wilder Südwesten für Anfänger - Die 21 Tage Schleife Beitrag #2
Champagner
Amerika Tourist
 
Benutzerbild von Champagner
 
Registriert seit: 16.06.2009
Beiträge: 108
Hey, ich schmeiß mich hier weg vor Lachen - bidddääää mehr!!!
Übrigens sind wir glaub im selben Jumbo geflogen (nur drei Wochen früher)- mit dem kleinen Unterschied, dass bei uns das Filmprogamm nicht funktioniert hat (von dem Triebwerkausfall und der nicht schließenden Tür, die uns insgesamt 2 Stunden Verspätung bereitet haben, will ich gar nicht reden...) - mein Mann, der vom Fach ist, hat kurz überlegt, bei der Videogeschichte einzugreifen, dachte aber dann, dass das Flugpersonal vielleicht beleidigt ist, wenn sich so ein Jungspund von 50 Jahren einmischt . Tja, bei Euch war das dann alles frisch repariert - schön für Euch, würd ich mal sagen

So, jetzt schreib mal schnell weiter - bin immer dankbar für sprachlich anspruchs- und dazu noch humorvolle Lektüre!

Bele
Champagner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.10.2009, 08:16   Wilder Südwesten für Anfänger - Die 21 Tage Schleife Beitrag #3
Makewood Mann
Wattenscheider
 
Benutzerbild von Makewood
 
Registriert seit: 07.07.2009
Ort: Wattenscheid
Beiträge: 66
Hatte ich erwähnt, dass wir beim Hinflug knapp 40 Minuten später los sind weil irgendwas kaputt war ? Ach ja : Beim Rückflug (auch wenn wir noch nicht so weit sind) waren die lavoratories defekt. Ein tolle Sache bei einem 10 Stunden Flug . Immerhin haben wir nur 30 Minuten bis zum Start warten müssen.Wenn man nicht zuuu viel erwartet ist United aber ok.

Bericht geht bald weiter, keine Angst !
Makewood ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.10.2009, 08:50   Wilder Südwesten für Anfänger - Die 21 Tage Schleife Beitrag #4
kat28051984 Frau
Amerika Fan
 
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Registriert seit: 27.08.2009
Beiträge: 95
Bilder: 3
warte auch schon auf die Fortsetzung
kat28051984 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.10.2009, 10:14   Wilder Südwesten für Anfänger - Die 21 Tage Schleife Beitrag #5
Maulende Myrthe Frau
USA-Infiziert
 
Benutzerbild von Maulende Myrthe
 
Registriert seit: 10.06.2009
Ort: Nordseeküste
Beiträge: 183
Bilder: 76
Na, da steig ich doch mit ein, schließlich fliegen wir in Kürze auch mit United Seniors nach L.A.....HURRRRAAAAA!!!
Maulende Myrthe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.10.2009, 08:05   Wilder Südwesten für Anfänger - Die 21 Tage Schleife Beitrag #6
Makewood Mann
Wattenscheider
 
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Ort: Wattenscheid
Beiträge: 66
So, Freunde der Sonne, es geht weiter...

TAG 2 : Durch die Stadt Teil I (Sonntag 20.09.09)

04:00 Uhr, ich war hellwach und neben mir wälzte sich meine Freundin hin und her. Kurzerhand beschlossen wir den Fernseher anzumachen und siehe da, dass Programm war so langweilig, dass wir beide noch einmal einschliefen und tatsächlich erst um 08:00 Uhr wieder aufwachten. Der Weg ging zum Fenster, Vorhang zur Seite und ja, wir waren tatsächlich noch in San Francisco. Der Blick aus dem 10 Stock des Hotels war ein Augenaufreißer (oh, ein amerikanischer Müllwagen und da ein amerikanisches Taxi und sogar ein amerikanischer Bus!) und nach der allmorgendlichen Dusche und dem positiven Wetterbericht aus dem Fernsehen ging es zum Frühstück. Es folgte die erste Überraschung des Tages. Irgendwie hatten wir Schlimmes erwartet, doch am Eingang der Bar, die morgens zum Frühstücksraum umfunktioniert wurde, wurden wir höflich empfangen. Während im Hintergrund angenehme Swingmusic dudelte, begleitete man uns zu einem Tisch und fragte uns, was wir zum Frühstück haben wollten. Zur Auswahl stand ein Bagel, Toasts oder ein Croissant. Nachdem unsere Wahl jeweils auf den Bagel gefallen war, gab es zunächst frischgepressten (!!!) Orangensaft, Kaffee und je einen Teller mit Früchten (Melonen, Erdbeeren, Annanas etc). Ausgesprochen köstlich und viel zu gesund für ein Frühstück der Fast-Food-Nation! Es folgte der Bagel, der in Form und Größe in Kombination mit dem Frischkäse völlig ausreichend war. Gut gelaunt ging es nach dem Frühstück noch mal kurz nach oben und anschließend auf die erste Stadtrundreise. Ausgerüstet für den Tag machten wir uns auf den Weg zur Cable-Car-Haltestelle Powell and Market, wo meine Freundin zunächst die Muni-Pässe (erstmal nur für diesen Tag) kaufte und ich kurz in das Informationscenter gelatscht bin. Nachdem ich uns mit weiteren Plänen, Karten und Gutscheinen ausgerüstet hatte, stellten wir uns in die Schlange zum Cable-Car an. Es war Sonntag und bereits relativ voll, trotzdem ging es Zack-Zack und ein Kaffee-to-go von einem dort ansässigen Laden verkürzte die Wartezeit. Untermalt wurde die Szenerie von einem Blues-Straßenmusikanten, der wirklich gut Trompete spielen konnte. Es war einfach mal ein richtig toller Start. Die Schlange vor uns wurde schließlich immer kleiner und als wir dann dran waren, hüpften wir hinten auf das Cable-Car und los ging es. Wir fuhren die Powell hoch, am Union Square vorbei, dann auf die Strecke Richtung Taylor und Bay. Unser Ziel war Columbus and Lombard, wo wir von der Bahn sprangen und genau das wollte ich schon immer mal machen. Dummerweise hatte ich ursprünglich den Weg von oben zur Lombard geplant, dass wir im „falschen“ Cable-Car waren sorgte nun dafür, dass wir hochlaufen mussten. Aufgrund der sommerlichen Sonneneinstrahlung und der dadurch erhöhten Temperatur kam ich dann gleich das erste Mal so richtig ins Schwitzen. Gelohnt hat sich die Kletterei auf jeden Fall, denn vor uns lag die Lombard-Street mit ihrem berühmten „Teilabschnitt“. Die Straße, die Häuser, die Blumen, das Wetter - es passte irgendwie und auch die Sicht von oben war toll. Gegenüber der Coit-Tower, im Hafen ein dickes Ferienschiff. Einfach klasse. Nach einer kurzen Verschnaufpause gingen wir dann zum Ghiradelli-Gebäude herunter. Kurz schlenderten wir durch eines der Schokoladengeschäfte und atmeten den Kakao-süßen Geruch ein. Dabei blieb es dann aber auch schon. Man(n) sollte ja jede Möglichkeit „nutzen“ und so nutzen wir beide die öffentlichen Restrooms des Platzes.

Zeit um ein dickes Lob auszusprechen, denn im Gegensatz zu der gemeinen europäischen, öffentlichen Toilette verdienen die Restrooms in den Staaten eine besondere Erwähnung. Egal ob Flughafen, öffentliche Toilette, Tankstelle, in den Parks oder selbst die Plumpsklos am Grand Canyon. Alle befanden sich in einem nahezu tadellosen Zustand. Keine bepinkelten Klobrillen, keine leeren Toilettenrollen oder sonstigen Ekelhaftigkeiten. Fehlte einmal Flüssigseife, so wurde diese vom oft anwesenden Personal permanent nachgefüllt. Auch erwähnenswert: Die elektronischen Handtrockner. Anstatt die nassen Hände hoch halten zu müssen, bringt man die Hände zwischen zwei parallel angebrachte Düsen auf Hüfthöhe. Durch eine Bewegung nach unten und oben, werden sowohl die Handflächen als auch die Hände außen per Luftdruck getrocknet. Das restliche Wasser tropft nach unten ab und die sind ultratrocken. Der Clou ist, dass das Prozedere nur wenige Augenblicke dauert. Da kann man nur auf europäische Nachmacher hoffen, wobei meine Freundin anmerkte, diese auch schon mal in Deutschland gesehen zu haben. Für mich jedenfalls war es Neuland.

Zurück zum Thema :
Wir gingen die Stufen vom Ghiradelli-Gebäude hinunter und standen dann quasi schon am Hafen. Der erste Weg führte uns zum Pier (ich glaube 41) des „Maritime National Historic Parks“. Zu sehen gab es hier ein paar alte Schiffe, die man auch für die Abgabe von ein paar Dollar begehen durfte. Wir konzentrierten uns jedoch auf die äußeren Eindrücke und schlurften die Holzplanken einmal auf und ab. Entlang der Jefferson Street ging es nun Richtung Pier 39. Unser Weg führte an unzähligen Souvenirgeschäften und Restaurants vorbei. Linksseitig folgte das Cannery- und das Anchorage Shopping Center, welche wir aber beide zunächst auf der selbigen Seite liegen ließen. Am Terminal der „Blue+Gold Fleet“ hielten wir inne und entschieden uns für die dort angebotene Bay Cruise. Zuvor waren wir an günstigeren, kleinen Fischerbarkassen vorbei gelaufen, ließen aber von den Booten ab, da sie etwas klein waren und einen entsprechenden Seegang entwickelt hätten, was nach Windstärke 12 auf der Ostsee vor 2 Jahren, ein No-Go für meine Freundin ist. Also Tickets gekauft und dann ging es auch schon los. Es folgte eine herrliche Rundfahrt durch die Bay. Bei ohrenbetäubender, quiekender Musik aus dem Bordlautsprecher und dem Gesabbel von Captain Nemo (warum heißen die alle Nemo?) verließen wir den Pier, fuhren an den Seelöwen, -hunden oder was weiß ich was vorbei, direkt Richtung Golden Gate Bridge.







Da lag sie nun vor uns und wie bestellt hüllte sich - wie Watte - ein wenig Nebel um die Brücke. Die Durchfahrt war sehr beeindruckend und ein erstes Highlight unserer Reise. Hinter der Brücke drehte das Schiff und steuerte nun auf Alcatraz zu. Captain Nemo erzählte irgendwas gruseliges über die Gefängnisinsel, jedoch musste man Angst haben, dass das Abspielgerät der Kassettenstimme seinen Geist aufgeben würde. Hinter der Insel schwenkte das Boot ächzend ein und fuhr nun gen Bay Bridge und Skyline des Finacial Destricts. Die Reise näherte sich dem Ende und das Getöse der Seelöwen oder -elefanten oder was weiß ich, deutete an, dass wir den Ausgangspunkt wieder erreicht hatten. Wir stolperten von Bord und flanierten einmal über den Pier 39, dem Fishermen`s Wharf. Touri über Touri, aber trotzdem nicht unangenehm. Ein flaues Gefühl in der Magengegend deutet auf das Verlangen nach Essen hin und so entschlossen wir uns eine Kleinigkeit einzuwerfen. Da wir in keines der Restaurants am Wharf gehen wollten, latschten wir einfach Richtung Überseepier den „Embarcadero“ entlang. Leider war unsere Annahme hier etwas Brauchbares zu finden falsch und nach einem kurzen Marsch beschlossen wir via Straßenbahn zurück zur Cannery zu fahren, wo wir Stunden zuvor nette Lokalitäten gesehen hatten. Dort angekommen entschieden wir uns für eine Kneipen-Restaurant Mischung (irgendwas mit Jack, Jake oder John). Die Auswahl erwies sich als ausgezeichnet, denn kaum hatten wir Platz gefunden, begann ein Musiker einige Meter entfernt live zu spielen, darunter auch Stilecht einige Hits über „San Francisco“. Während wir unser Mittagessen verdrückten (Burger Nr. 1) schallten rockige Klassiker von der anderen Seite der Cannery. Untermalt wurde das ganze durch den anhaltenden Sonnenschein. Muss ich mehr schreiben? Kaum!

(Der Text ist für einen Beitrag insgesamt zu lang, deswegen hier ein CUT und im nächsten Beitrag geht es direkt weiter...)
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wilder-suedwesten-fuer-anfaenger-die-21-tage-schleife-powell-cable-car.jpg   wilder-suedwesten-fuer-anfaenger-die-21-tage-schleife-golden-gate.jpg  

Geändert von Makewood (16.10.2009 um 10:51 Uhr)
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Alt 16.10.2009, 08:09   Wilder Südwesten für Anfänger - Die 21 Tage Schleife Beitrag #7
Makewood Mann
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UND WEITER GEHT ES MIT TAG 2, TEIL 2

Nachdem wir unsere Plastikbecher mit mehr Eis als Diet Coke (auf jeden Fall eine Unsitte der Amerikaner bzw. amerikanischen Fast-Food-Ketten) geleert hatten, konnte es gestärkt weitergehen. Nächstes Ziel: Der Coit Tower. Aus dem Forum hier hatten wir im Vorfeld über die Filbert Steps gelesen und deswegen beschlossen das Pferd von hinten aufzuzäumen und was soll ich sagen, ächzend und schwitzend erreichten wird nach der gefühlten Everestbesteigung den Coit Tower. Trotz der Mühen, war der Weg echt toll, jedoch Frage ich mich, wie mancher Einwohner seine Einkäufe in die Wohnungen bekommt. Aufgrund der schönen Aussicht beschlossen wir für 5$ auf die Spitze des Towers zu fahren. Der Aufzug muss offensichtlich etwas älter gewesen sein, denn für die knapp dreißig Meter brauchte man schon mal 30 bis 45 Sekunden. Der nette asiatische Aufzugsbediener fragte dann in die Runde wer aus welchem Land kommen würde und nachdem geklärt war, dass eigentlich alle aus Deutschland sind, klärte er uns erstmal über die aktuellen Fussballergebnisse auf. Er war Bayern Fan! Kopfschüttelnd verließen wir den klapprigen Aufzug und genossen den Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Als besonders faszinierend empfand ich dabei den in die Bay herein ziehenden Nebel. Nachdem wir alles bestaunt hatten liftete uns der nette Asiate wieder nach unten. Apropos asiatisch: Unser Weg führte uns nun Richtung China-Town und somit zur touristisch letzten Station des Tages. Je näher wir den wehenden roten Fahnen kamen umso lauter wurde es. Offensichtlich hatten wir ungewollt einen Volltreffer gelandet, denn irgendein Straßenfest war im Gange und nach den ersten Metern auf der chinesischen Meile waren wir beide direkt verzaubert. Entlang der Straße wurde an Ständen allerlei Zeugs angeboten. Es gab Essen, das nach leckeren Gewürzen roch, bunte Fahnen, Lampions, Straßenmusiker, kurzum es war richtig was los. Besonders ins Auge, nein, ins Ohr fielen die Karaoke-Stationen auf der Straße. Irgendwelche Passanten (mit asiatischem Aussehen) brüllten, pfiffen und gröhlten in die Mikrophone der bereitstehenden Anlagen. Ein „ohrenbetäubendes“ Schauspiel. Natürlich besuchten wir auch einen dieser chinesischen Touri-Shops und siehe da, auch hier gab es allerlei Krims und Krams. Neben bunter Kleidung (hier kann man sich mal richtig für Karneval ausrüsten) fanden wir in einem Gang mit Spielzeug diverse Actionfiguren: Spiderman, Batman, Hulk und außerdem Benjamin Franklin und ACHTUNG: Moses und Jesus. Da musste ich ein Foto von machen!







Unglaublich diese amerikanischen Chinesen. Nachdem uns noch ein Straßenumzug mit Plastikdrachen passiert hatte, erreichten wir langsam das eigentliche Tor zu Chinatown und somit aus unserer Perspektive das Ende des Festes. Minuten später bogen wir Richtung Union Square ab, den wir bereits morgens aus dem Cable-Car heraus gesehen hatten. Nach einem kleinen Blick über den Platz merkten wir, dass wir langsam müde wurden. Auch die Mägen machten sich noch mal bemerkbar und so beschlossen wir langsam zum Ende zu kommen. Wir schlenderten die Powell runter und erreichten wieder den Startort der heutigen Rundreise, die Cable-Car Station Powell und Market. Kurzerhand entschlossen wir uns in das dortige Einkaufszentrum zu gehen um nach „Essen“ zu suchen. Erfolgreich fuhren wir mit der Rolltreppe in die Fressmeile, wo wir bombardiert von den Möglichkeiten herumirrten. Nach Minuten der Verzweiflung (die Müdigkeit nahm Sekündlich zu), entschieden wir uns schließlich für einen Caesars Chicken Salat von Soup, den wir uns dann geteilt haben. Mühevoll schaufelten wir uns die Vitamine in den Körper, doch refreshed fühlten wir uns nicht mehr. So bewaffneten wir uns schließlich mit Getränken und Keksen und trollten uns zurück zum Serrano wo wir nach einem kurzen Versuch Fernsehen zu schauen eingeschlafen sind…
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Makewood ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.10.2009, 21:36   Wilder Südwesten für Anfänger - Die 21 Tage Schleife Beitrag #8
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Wilder Südwesten für Anfänger - Tag 3

TAG 3 : Durch die Stadt Teil II (Montag 21.09.09)



Guten Morgen San Francisco! Der Blick aus dem Fenster verriet, dass wir auch heute mit einem wunderschönen Tag zu rechnen hatten. Zwar lag noch etwas Nebel über den Hochhäusern der Stadt, jedoch ließ sich bereits erahnen, dass auch am heutigen Tage die Sonne der Gewinner sein würde. Während uns abermals ein ausgezeichnetes Frühstück kredenzt wurde, schmiedeten wir nun die Pläne für den Tag. Beginnen wollten wir mit ausgiebigem Shopping rund um den Union Square und im Westfield San Francisco Center. Wie sich herausstellte öffneten die wenigsten Geschäfte jedoch vor 10 Uhr und so liefen wir zunächst einmal durch die Straßen. Nach einem kurzen Stopp im „Old Navy“ wanderten wir einen Bogen Richtung Macey`s am Union Square, wo wir bis in die oberste Etage gefahren sind. Oben angekommen schauten wir direkt aus der Weihnachtsabteilung (mehr KITSCH geht nicht) auf den vor uns liegenden Union Square, leider durch ein überdimensionales Poster, so dass der Blick doch etwas getrübt war. Richtig spannend war der Laden jedoch nicht und so schlenderten wir weiter. Zwar bin ich dank meiner männlichen Gene eher weniger shoppinginteressiert, jedoch faszinierten mich die kleinen Unterschiede zu Deutschland bzw. Europa.





(Westfield San Francisco Center)


Während in Deutschland (klammern wir C&A mal aus) oftmals in Modehäusern laute Technomusik wummert, spielte man hier Musik, die deutlich entspannender wirkte, sogar richtig fröhlich machte. Die meisten Ladenlokale wirkten perfekt ausgestattet. Weiter fiel auf, dass die Angestellten deutlich lockerer sind als bei uns. Zwar wird man immer und überall mit einem „How are you?“ begrüßt, doch ließ man uns oft nach einem kurzen Hinweis, dass man bei Fragen schreien soll, in Frieden. Toll fand ich, dass dies viel weniger aufgesetzt herüberkam, als eigentlich erwartet. Trotz der tollen Shops wollte der Einkaufswahn irgendwie nicht aufkommen und nach dem gestrigen Gewaltmarsch taten einem bereits nach kürzester Zeit die Füße weh. So beschlossen wir, nach einem abschließenden Besuch bei den „Urban Outfitters“ (sehr coole Kette, wie ich finde) eine kleine Kaffeepause zu machen. Schnell den nächsten Starbucks gesucht und ab zurück zum Union Square, wo man es sich gemütlich machen konnte. Während unsere Akkus dank der Sonne langsam wieder aufgeladen wurden, beschlossen wir unseren Plan zu ändern und noch mal nach Chinatown zu gehen. Meine Freundin hatte hier am Vortag eine schicke Tasche gesehen, die nun nach längerem Überlegen doch erstanden werden sollte. Der Besuch sollte nur kurz sein, denn unsere Nasen führten uns Richtung Financial Destrict, wo ich persönlich mal einen Blick auf die Hochhäuser aus der Mäuseperspektive wagen wollte. So gingen wir an der Trans-Amerika Pyramide vorbei und landeten schließlich am Embarcadero Plaza mit dem gegenüberliegendem Ferry Building.





(Trans-America-Pyramide)






(Ferry Building)



Kurz entschlossen besichtigten wir das Gebäude und setzten uns schließlich auf eine Bank auf der Rückseite. Von hier eröffnet sich ein toller Blick auf die Bay Bridge und auf sämtliche dahin schwimmende größere und kleinere Schiffchen. Nachdem wir uns satt gesehen hatten, beschlossen wir uns auch satt essen zu wollen und fanden bei „Noahs Bagels“ einen Platz. Mahlzeit!




(Bay Bridge)



Nachdem wir in Ruhe gegessen hatten, wollten wir uns nun zum Golden Gate Park aufmachen um dort ein wenig Luft zu schnuppern. Da wir quasi direkt an einer Bushaltestelle saßen und auch noch ein Bus der Linie 71 vorfuhr, stiegen wir ein. Nach einer kurzen Nachfrage ob er uns zum Golden Gate Park bringen würde, winkte er uns durch. Zahlen? Ticketautomat kaput! So durften wir das Verkehrsmittel nun gratis benutzen. Da wir mehr oder weniger die komplette Market Street hinunter gefahren sind, konnten wir noch so manch sehenswertes erblicken. Auch die kurze Fahrt durch die Haight Street mit vielen, kleinen Läden war interessant. Wir verließen unseren Bus auf Höhe der 9th Ave. und besuchten den angrenzenden Botanischen Garten. Leider zog etwas Nebel auf und so strahlte die Sonne nicht mehr in voller Stärke. Der Park war trotzdem schön angelegt und kleine Schilder wiesen die Herkünfte der ansehnlichen Flora aus. Unser Spaziergang brachte uns dann am de Young Museum vorbei, wo gerade ägyptische Geschichte ein Thema war. Auch die California Academy of Science war in Sichtweite. Zeit zur Besichtigung hatten wir freilich nicht mehr und so folgten wir einem Waldweg bis zum Park Presidio Blvd, welcher gleichzeitig der Hwy No.1 war, welchen wir in Kürze ausgiebig kennenlernen sollten. An der Kreuzung zur Fulton Street erwischten wir einen Elektrobus, der uns dann für 2 Dollar pro Nase zurück zur Market Ecke Powell brachte. Da es mittlerweile wieder Abend war, beschlossen wir nochmals das Westfield Center zu betreten und wie am Vorabend dort etwas zu essen. Im Gegensatz zum Vortag stand die Auswahl bereits fest und so bestellte meine Freundin einen Crêpe und ich gönnte mir mexikanische Borritos von „Andalé“. Nachdem ich mein Essen bestellt und bezahlt hatte drückte mir der Kassierer einen Eishockeypuck-ähnlichen Gegenstand in die Hand. Verdutzt schaute ich den Kerl an. Anhand meiner Reaktion begann er mir nun zu erklären, dass dies quasi ein Melder sei, der dann blinkt, wenn das Essen fertig ist und ich mich entsprechend so lange hinsetzten könne. Gesagt, getan und so traf ich meine Freundin mit einem weiteren Puck in der Hand an einem der Tische. Irgendwie mussten wir beide lachen. Einige Minuten weiter blinkten die Scheiben dann wie verrückt und der Verkäufer präsentierte mir stolz den fertigen Teller. Wir aßen in Ruhe auf und machten uns dann langsam wieder auf die Socken um heimzukehren. Der Versuch etwas Fernsehen zu schauen gelang heute schon besser und doch schliefen wir erneut recht früh ein…
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