Hi Twolives,
ich versteh wie es dir geht. Ich bin zwar recht erfahren was Unternehmungen betrifft (Habe AGs gegründet und geleitet, etc) aber war auch erst mal platt als ich mit der selben Situation wie Du konfrontiert war. Gott sei dank hat sich aber ein Großteil der Konfusion nach ein paar Wochen Recherche gelegt :-)
Zu deinen Fragen, vereinfacht erklärt:
Meines Erachtens kommt nur eine Corporation (Inc) in Frage, alles andere ist haftungstechnisch sehr gefährlich bzw für Aliens nicht erlaubt/sinnvoll.
Die Kapitalisierung der Gesellschaft erfolgt durch Ausgabe von Aktien, in dem Fall an dich. D.h. du zahlst Geld in die Firma in
Amerika ein. Diese Einzahlung ist in Amerika steuerfrei, die Gelder müssen aber von irgendwoher kommen, nämlich dem Eigentümer der amerikanischen Firma. Wenn du privat der Eigentümer bist, must du das Geld natürlich vorher in Deutschland versteuern.
Das Kapital sollte so bemessen sein, dass du die Kosten der Firmengründung, der Investitionen sowie des Betriebes der ersten ein bis zwei Jahre damit abdeckst.
Du kannst Aktien auch an Dritte verkaufen, die dafür entsprechende Einlagen leisten müssen. Dies nennt man dann, wenn es im kleinen Rahmen passiert, ein Private Placement. Aufgrund massiver Betrügereien im letzten Jahrhundert reglementiert das amerikanische Recht die Ausgabe von Aktien an Dritte sehr stark. Mehr Informationen findest du auf der Website der SEC,
www.sec.gov (oder so ähnlich:-) Schau nach dem Act von 33 und 34. Weiters gelten sowohl die Börsegesetzte des Bundes als auch der einzelnen States. Verfehlungen in dem Bereich können sehr schnell in einer saftigen Strafe münden. Anders als bei uns kann man hier auch sehr schnell ins Gefängnis wandern.
Nachdem die Frage der Einzahlung geklärt ist jetzt zum lustigen Aspekt, der Gewinnminimierung:
Mit Hilfe von Rechnungen kannst du natürlich nahezu beliebig Beträge von A nach B verschieben. Beachte jedoch, dass du damit oft den Überblick über die wirkliche Geschäftlage verlierst. Du kannst damit natürlich auch Erlöse hin und her schieben, allerdings sollten hier echte Leistungen dahinter stehen. Ziel bei solchen Maßnahmen ist natürlich das minimieren von Gewinnen und damit der Steuerlast. Ein beliebtes Modell ist auch, das die Freiberufler alle selbsständige Unternehmer sind, mit Firma in dem UK, sich dort versichern und dort auch dort die Erlöse lukrieren. Du kannst sie dann direkt dort bezahlen und umgehst so einen Großteil der deutschen Abgabenlast.
Ein Gehalt wie in Deutschland darfst du dir nicht auszahlen, ausser du bist permanent Resident. Wenn du ca 80.000 oder mehr USD investierst, kannst du dir ein Visum besorgen, dann darfst du in deiner eigenen Firma arbeiten. Dazu gibts viele Infos hier auf diesem Board.
Für dich relevant ist ausserdem das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den USA, ein grausames Werk

Lies dich da einfach mal ein.
Zu der von dir nachgefragten Reihenfolge:
1.) Als erstes solltest du genau wissen, was du eigentlich machen möchtest.
2.) Dann solltest du dir anhand von Marktdaten anschauen, wo überhaupt Bedarf nach deinen Dienstleistungen besteht.
3.) Dann schaust du dir die individuellen States an. Jeder State hat andere lokale Gesetze. California ist zB sehr unfreundlich gegenüber Firmen, Nevada dagegen nicht. Es gibt unterschiedliche Arbeitsgesetze in den einzelnen Staaten, unterschiedliches Wertpapierrecht, etc. Auch Kapitaleinzahlungen werden unterschiedlich besteuert. In manchen Staaten werden die Gründer einer Corporation öffentlich deklariert, in anderen nur die Direktoren. In vielen Staaten brauchst du mindestens 3 Direktoren, das ist inakzeptabel für kleine Firmen.
4.) Spätestens jetzt solltest du einen fix fertigen Businessplan in der Hand haben, der auch eine Planrechnung für die ersten Jahre enthält. Das wird nicht einfach sein, da du ja bestimmte Zahlen für das "fremde" Land oft nicht weisst bzw bestimmte Konzepte bei uns unbekannt sind (zB 401K Contribution der Firma)
5.) Mit dem Businessplan gehtst du zum Steuerberater und lässt alles auf steuerliche Korrektheit prüfen, auch betreffend der Auswirkungen auf deine persönliche Steuersituation.
6.) Mit der Info vom Steuerberater gehst du zu einem Anwalt und lässt dir die Satzung der Firma erstellen. Das kostet normalerweise nicht viel, ausser du hast komplizierte Spezialwünsche. Du kannst diese Unterlagen auch aus Büchern übernehmen, es ist aber immer gut wenn man einen versierten Anwalt zur Seite hat. Ich mache bei meinen Gründungen immer einen Rohentwurf und lass den dann überprüfen und erweitern.
7.) Du besorgst dir einen Registered Agent, das ist eine Person/Firma die offizielle Post für dich entgegen nimmt. Das kann auch dein Büro sein, aber es ist oft einfacher, einen Service dafür zu beauftragen, da man als junge Firma unter Umständen öfters umziehen muss.
8.) Du oder ein Treuhänder gründest die Firma. Das geht innerhalb von 24 Stunden.
9.) Der ganze Rest....
Ein paar Anmerkungen zu den Big 4: Die Organisation dieser Gesellschaften besteht aus einer Vielzahl von Partners, die über Equity oder andere Modelle an der Firma beteiligt sind. Dazu gibt es noch eine ganze Menge Professionals, die normale Angestellte sind und irgendwann gerne Partner wären. Die Qualitätsunterschiede und Preise sind hier gewaltig. Es ist entscheiden, sich an die richtigen Leute zu wenden und auf das eigene Bauchgefühl zu hören, ob jemand auch weiss wovon er redet. Im Allgemeinen ist es so, das du mit Partnern immer besser beraten bist, diese sind aber auch wesentlich teurer und nur schwer zu bekommen.
Du hast vollkommen recht dass du dich darauf intensiv vorbereitest. Dann bist du nämlich in der Lage, mit einem fertigen Konzept zu einem der Big-4 zu gehen und sie mit einer Bestätigung oder Verbesserung des Konzeptes zu beauftragen, nicht aber eines gleich neu zu erstellen.
Bitte vergiss nicht, dass alles, was du in öffentlichen Boards zu dem Thema liest, sehr verreinfachend ist. Es gibt so viele Regeln, Ausnahmebestimmungen etc das man unbedingt professionellen Rat einholen muss, um nicht nach ein paar Jahren, wenn alles läuft, auf einmal in einer steuerlichen Sackgasse zu stecken.
LG
Martin