Hallo,
ich habe mit der High School im Vergleich zum Gymnasium eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. Generalisieren kann man allerdings nichts. Je nach Größe und Angebotsvielfalt der jeweiligen HS hat man, wie oben angesprochen, die Möglichkeit, es sich sehr einfach oder sehr schwer zu machen. Die weit verbreitete Theorie, man könne mit einfachsten Klassen und Freihand-Wahlen an sein Diploma kommen, stimmt allerdings nicht. Erforderlich für ausreichend Graduation Credits in Utah sind:
- Mathematik: Algebra II, Geometry, und Statistics oder Accounting (je 0.5 Credits)
- Englisch: Durchgehend CP English bis einschl. Junior Year, dann entweder CP English 12 oder ein Substitution-Fach (Journalism, Literature, Creative Writing, Debate), insgesamt 2.0 Credits
- Health and Nutrition Science, 0.5 Credits
- U.S. History, World History und World Civ, je 0.5 Credits
- Science: Physics, Chemistry, Biology oder Astronomy, insgesamt 1.0 Credits
- Foreign Language, Technology and Art: Sämtliche Fremdsprachen (einschl. Sign Language), Business, Management, Musik, Kunst, Informatik, Technik, Sport und alles, was man sich sonst nirgendwo einordnen kann. Insgesamt 1.5 Credits, d.h. drei Fächer für mindestens je ein halbes Jahr belegt
- U.S. Government and Citizenship, 1.0 credits
- Semenary ist als einziges Fach nicht Credit-tauglich.
Sodele, mit der Anzahl der Credits bin ich mir einigermaßen sicher, aber da ich das jetzt aus meiner Erinnerung heraus gemacht habe und die nun auch schon ein paar wenige Jährchen her ist, kann es da Abweichungen und Änderungen geben.
Anmerkungen dazu: Das Schwierigkeitslevel verändert die Anzahl der Credits, die für einen bestimmten Kurs vergeben werden, NICHT. AP und CE Classes dienen ausschließlich dazu, College Credits zu sammeln, in der High School werden sie nicht voll angerechnet. Wer durchfällt, erhält keine Credits, unabhängig von Schwierigkeitsgrad des Kurses.
Ich hatte AP Physics und AP German, wobei ersteres eine absolute Qual war (ich hätte es auch nach drei Quartalen noch abgewählt, wenn dann die ersten drei nicht umsonst gewesen wären). Bestanden habe ich beide.
Als deutscher Austauschschüler wird man mehr oder weniger automatisch Ehrenmitglied im German Club. Ebenso war ich Key Club Member, ein Klub, der sich außerschulisch für nationale und internationale Hilfsprojekte einsetzt. Highlight meiner 'Karriere' dort war die Mitorganisation einer großen Spendenaktion für Kinder in Darfur, sowie das gemeinschaftliche Zusammennähen von Decken für ein Krankenhaus in Ogden (zwei Nachmittage, eine der besten Erfahrungen während meiner High School-Zeit. Selten so viel Spaß mit so netten Leuten gehabt...

). Ebenfalls war ich noch Sportredakteur bei der Schülerzeitung, eine Tätigkeit, die mein Leben verändert hat. Nicht mehr und nicht weniger.
Dazu kommen School Spirit, High School Athletics, immer gute Stimmung, motivierte Leute all over the place...There's nothing like High School. Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, habe ich sicher mehr Zeit in der Schule hier verbracht, als in Deutschland.
Zwei Dinge noch, die einem erst auffallen, wenn man mal eine Zeit lang High School Student war:
1. Die Transparenz: Noten in Deutschland sind absolut willkürlich, wie die gesamte Leistungsbewertung in der deutschen Gesellschaft. In den USA wird nur die absolute Leistung der Schüler beobachtet und bewertet. Persönliche Sympatie von Lehrer zu Schüler ist, anders als in D, nicht entscheidend. Wenn Lehrer mal Fehler machen, werden diese eingestanden. Alle Noten sind jederzeit online überprüfbar, und waren es sogar schon zu meiner Zeit.
2. Die Unterstützung: Lehrer wollen, dass ihre Schüler erfolgreich sind. Man erfährt Unterstützung und individuelle Förderung in einem Maße, deren Umsetzbarkeit von sogenannten engstirnigen 'Experten' aus Deutschland grundsätzlich abgestritten wird. Wenn die gesamte Klasse durch einen Test durchfällt, übernimmt der jenige die Verantwortung, der sie auf Basis gesunden Menschenverstandes trägt - Der Lehrer. Und man geht das Thema nochmal durch, bis es eben alle verstanden haben und jeder bestanden hat. Man erinnere sich da mal an meinen Mathelehrer aus der 9./10. Klasse, der Arbeiten grundsätzlich nochmal schreiben ließ, wenn mehr als 90% der Klasse bestanden hatten...Lehrer in Deutschland wollen den Misserfolg ihrer Schüler. Das ist das Problem des gesamten Systems, und nicht die Dauer des Unterrichts oder die Anzahl der Jahre bis zum Abitur.
Meine Meinung zu Deutschland und den USA im Vergleich der Bildungssysteme, ich hoffe mal, ich bin nicht zu weit abgedriftet