Hallo liebe Fomis,
seit geraumer Zeit lese ich hier im Forum um mich auf meine nächste Tour im hohen Norden vorzubereiten. Heute habe ich mich mal angemeldet. Zum Einstieg habe ich euch meinen Reisebericht vom Ross River angehängt. Einige Bilder dazu findet ihr auf meiner Homepage.
Viel Spaß beim Lesen wünscht euch
Jürgen
U61 und der Tanz auf den Rappids
Eine abenteuerliche Reise mit dem Kanu vom Oberlauf des Ross River’s nach Pelly Crossing im Yukon Territory, Kanada.
Meine letzte Kanutour im Yukon liegt schon einige Jahre zurück. Doch der Ruf der Wildnis wird in letzter Zeit immer Größer. Kein schlechter Grund um eine Kanutour zu organisieren. Schnell finden sich zwei Teams doch ein geeigneter Fluss muss noch her. Durch Recherche im Internet komme ich auf den Pelly River. Im Vergleich zum Yukon wird der Pelly wenig befahren, führt durch unberührte, wildreiche Natur und ist technisch nicht schwierig. Genau das was ich will. Zum perfekten Kanadaurlaub gehört auch ein Flug mit dem Wasser-flugzeug. Also hole ich bei Alpine Aviation den Preis für den Transport zur Einsatzstelle ein. Anders als erwartet empfiehlt uns Gerd unser Pilot einen Trip auf dem Ross River, beginnend ab den Itsi Lakes. Itsi Lakes, kennt die jemand? Eine Suche im Internet ist sehr bescheiden.. Der Ross River mündet bei dem gleichnamigen Indianerdorf Ross River in den Pelly River. Da von unserer Seite nichts dagegen spricht entscheiden wir uns für die Fahrt von den Itsi Lakes nach Pelly Crosssing.
„Da bin ich wieder“ denke ich, als ich nach unserer Ankunft in Whitehorse meine Hände in den Yukon halte. Irgendwie hat dieser Fluß etwas Besonderes. Bei strahlendem Sonnenschein erledigen wir ein paar Besorgungen. Am nächsten Morgen holt uns Gerd vom Hotel ab. Irgendwie ist er wohl nicht so von der Menge unseres Gepäcks begeistert. Wir benötigen die gesamte Länge des Schwatka Lakes zum Starten. Die an der Außenseite der Beaver befestigten Kanus machen das fliegen nicht gerade einfacher. Vor so manchen Berg müssen wir abdrehen und in einer Schleife versucht Gerd das Flugzeug höher zu schrauben.
Was auch gelingt. Nach 2 Stunden endet dieser Konturenflug mit einer sanften Landung auf dem Itsi Lake. Nachdem wir alles in den Kanus verstaut haben suchen wir paddelnd eine geeignete Stelle für unser erstes Lager. Hier herrscht die totale Stille. Der See ist komplett von Fichten eingesäumt. Die gleich dahinter aufragende Berge der Itsi Range sind teilweise noch mit schneebedeckt. Der Loon (Taucher) singt sein Lied, die Sonne strahlt uns ins Gesicht, wir sind hier ganz alleine. Eine atemberaubende Atmosphäre umgibt uns. Am hintersten Ende finden wir eine steinige Stelle zum campen. Im klaren Wasser sehen wir viele
Fische.
Am nächsten morgen hüllen Dunstschleier den See ein. Mit zunehmendem Sonnenstand verschwinden sie langsam. Leider finden wir keine Möglichkeit um an die Berge zu gelangen. Dichtes Unterholz macht eine Annäherung sehr schwierig. Gerne währen wir hier einige Tage geblieben und hätten einen dieser Berge bestiegen. Nur kleine Hügel können erklommen werden. Von hier haben wir eine herrliche Sicht auf den See und die Berge. So wie es aussieht ist unser Platz der Einzige zum Campen gewesen. Erst am Auslauf des John Lakes finden wir auf der rechten Seite eine sehr gute Stelle für das 2. Lager. Leider finden sich hier Spuren von anderen. Eigentlich sollte sich jeder Reisende an das No Trace
Camping halten. Nur so hat man auch das Gefühl das hier noch niemand war. Immer wieder werden wir auf dieser Reise den Müll und die Reste von Lagerfeuern der Anderen und unsere Eigenen entfernen.
Die ersten 30 Kilometer auf dem Ross River sind sehr anspruchsvoll. Eine Stromschnelle folgt der nächsten. Die meisten der Schnellen sind nicht wirklich schwierig. Doch wenn man bedenkt, was passiert wenn man in dieser Abgeschiedenheit mit dem voll beladenen Kanu kentert, ergibt es sich von selbst daß man das Risiko möglichst gering hält. Bei uns zu Hause hätten wir sie wahrscheinlich alle durchfahren. Die Natur verzeiht aber keine Fehler. So wird dieser erste Teil für mich sehr anstrengend. Alle 300 bis 500m müssen wir anhalten. Ich muß aussteigen und die Stromschnelle vor uns erkunden. Nachdem ich einen geeigneten Weg gefunden habe fahren wir durch. Anschließend dürfen wir unser Kanu leer schöpfen. Beim nächsten Mal werde ich unbedingt eine Spritzdecke mitnehmen. Daran hatte ich leider nicht gedacht. Da sehr viel Steine im Fluß liegen entscheide ich mich auch sehr oft zum treideln. Aber auch bei dieser Art eine Schnelle zu umgehen muß man vorsichtig sein. Die Seile sollten nur zur Kurskorrektur verwendet werden. Das Kanu sucht sich schon den gewünschten Weg. Ein fixiertes Seil führt auch hier sofort zur Kenterung des Kanus. In den kurzen Abschnitten mit ruhigem Wasser können wir die wunderschöne Landschaft genießen. Auch das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Da wir alle naß sind, sind wir darüber natürlich sehr erfreut. Am Ende des Tages taufe ich unser Kanu auf den Namen U61. 61 ist die Nummer des Kanus. U leite ich von U-Boot ab, da es sehr häufig abtauchen wollte und wir dadurch sehr viel Arbeit mit dem Ausschöpfen hatten. Wir lagern auf einer Sandbank mitten im Fluß. Schnell ist mit dem reichlich vorhandenen Treibholz ein Lagerfeuer entfacht. Dank Travellunch dauert es nicht lange, bis das Essen fertig ist. Einfach kochendes Wasser in die Tüte geben und 5 Minuten warten. Bei mir gibt es Spaghetti Carbonara und zum Nachtisch Mousso Chocolat. Nach dem Frühstück besuchen uns 2 Karibus. Beide verschwinden aber sofort wieder im Wald als sie uns entdecken.
Ross River was für ein Spaß. Gleich nach unserem Lagerplatz beginnt der Tag wie der vorherige. Yippie Ya Yeah, Stromschnellen! Unsere 1. Portage steht bevor. An einer gekennzeichneten Stelle legen wir an. Eine Steilhang schleppen wir alle Ausrüstung und die beiden Kanus hoch. Anschließend tragen wir alles ungefähr 800m durch das nasse Unterholz zur Einstiegstelle am Ende der Rappids. Fünfmal laufen wir den Weg. Nach 2 Stunden ist alles wieder im Wasser. Ich bin tropfnaß und dampfe, das lockt die Moskitos in großen Schwärmen an. Nichts wie weg von hier. Heute regnet es ab und zu. Viele Fichten hängen vom Ufer ins Wasser. Optisch schaut das ganze richtig wild aus. Vom Kanu aus sehen wir immer wieder Weißkopfseeadler und Biber. Nach unserer Portage gibt es keine nennenswerten Stromschnellen mehr. Trotzdem erfordert die Strecke ständige Aufmerksamkeit. Nicht nur große Steine, auch sehr viel Bäume liegen im Wasser. Sehr langsam nähern wir uns dem Mount Sheldon. Zu seinem Fuße liegt der Lake Sheldon. Unser Tagesziel. Direkt an der Einmündung des Flusses in den See errichten wir unser Lager auf einer großen Sandbank. Da es zu regen aufgehört hat können wir unsere Klamotten zum trocknen aufhängen.
Am Morgen hören wir zum ersten mal wieder Zivilisationsgeräusche. Zwei Einheimische Jäger kommen mit dem Motorboot bei uns vorbei. Sie fragen uns nach Elchen. Leider haben wir auch noch keine gesehen. Vielleicht wissen die Tiere ja, daß die Jagdsaison wieder begonnen hat. Nach dem Abbau unseres Lagers und verwischen unserer Spuren durchqueren wir den Sheldon Lake, Field Lake und den Lewis Lake. Wieder haben wir viel Glück. Erst am Ende des Lewis Lake kommt Gegenwind auf. Von Links fließt der Prevoust River in den Ross. Auf den Karten ist eine Campmöglichkeit eingezeichnet. Wir begutachten die Stelle. Können aber nichts entdecken. Dieser Platz ist eher ungeeignet zu campen. Kurz danach kommt jedoch eine Insel. Auf der linken Seite dieser Insel befindet sich einer der besten Plätze für ein Lager. Unter großen Fichten errichten wir unser Camp für die Nacht. Auch wenn es viel regnet und alles Holz Naß ist findet man am unteren Stamm der Fichten immer trockenes Reisig. Das eignet sich hervorragend zum Feuermachen. Die kleine bewaldetet Insel lädt zum Erforschen ein. Das Innere der Insel ist nur spärlich bewachsen. So kommt man einfach vorwärts und Moskitos gibt es auch nicht so viele. Ich entdecke frische Bärenspuren. Heute grillen wir auch unsere Socken, Schuhe, Hosen und Jacken. Leider vertragen nicht alle Klamotten die hohe Temperatur des Feuers. Als wir später im Zelt liegen beginnt es wieder zu regen.
Laut Flußbeschreibung müßten gleich zu Beginn unserer Weiterfahrt zwei Rappids kommen. Nur die Erste ist erwähnenswert. Lustig ist es wie Sepp, der ja alleine im Kanu sitzt, über die großen Steine rutscht. Er braucht nur das Gleichgewicht zuhalten, sonst wird er naß. Am Beginn des Prevoust Canyon erkunde ich den Portage Trail. Als ich ihn nach einiger Zeit finde bin ich nicht gerade erfreut über das was ich sehe. Der Trail ist total morastig. Ohne Gepäck steck ich teilweise 30 cm tief im Morast. Für die 500 m brauche ich 1 Stunde. Total erschöpft komme ich zu den anderen zurück. Nach einer Verschnaufpause erkläre ich ihnen meine Taktik. Wir fahren in Canyon hinein und legen nach den ersten Schnellen am rechten Ufer an. Nun treideln wir die Kanus bis zu einer mit Treibholz versperrten Stelle. Ein Kanu nach dem anderen transportieren wir über das etwa 5m hohe Hindernis. Einfach alles auspacken, alles über die Bäume wuchten und wieder einpacken. Den restlichen Teil können wir wieder Gefahrlos durchpaddeln. 15 Kilometer weiter folgen die Skooum Rappids. Wieder erkunde ich den Weg. Ein Portage hier wäre sehr Anstrengend. Nach einem Waldbrand liegen hier Kreuz und Quer Bäume. Die Skooum Rappids bestehen aus 3 Abschnitten. An den ersten beiden mogeln wir uns treidelnd vom Ufer aus vorbei. Den letzten Abschnitt befahren wir. Nach dieser nur etwa 100m langen Stelle ist U61 randvoll mit Wasser gefüllt. Zum Glück sind es nur noch wenige Meter bis zu unserem Lager am Otter Creek. Die Mündung des Otter Creeks ist ein weiterer Spitzenplatz zum Campen. Hier werden wir einen Ruhetag einlegen. Im eiskalten, klaren Wasser des Creeks findet die Körperpflege statt. Roland schwimmt mit Tauchermaske und Schnorchel einige Meter. Anschließend fischt er Äschen aus dem Fluß.