East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I

  1. #1 East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I
    Chinaski

    East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I

    Bin vielleicht ein bisschen spät dran mit meinem Reisebericht, leider bin ich seit Anfang Mai schon wieder in D’land. Mit den Gedanken bin ich aber immer noch drüben. Na ja, und vielleicht ist so ‘ne Tour ohne Auto ja doch mal was anderes hier im Forum... Für die altgedienten hier dürfte es eh ziemlich langweilig sein, aber vielleicht findet ja irgendein Newbie hier die Antwort auf die Fragen, die hier im Forum sowieso schon oft genug beantwortet wurden. Aber man merkt ja, dass die Leute sich hier oft ziemliche Gedanken machen, wenn sie das erste Mal in den Staaten unterwegs sind. Dabei ist es eigentlich alles ganz easy.

    1. Die Reiseroute

    FRA - NYC - DC - LV - LA - SF – FRA

    2. Planung & Buchung

    Gebucht habe ich so mit ca. sechs Wochen Vorlaufzeit, also relativ spontan. In den sechs Monaten vorher hatte ich mir allerdings schon mal ausreichend Gedanken gemacht, wie die Route aussehen könnte, was ich sehen will und was für Hotels man nehmen könnte. Grundsätzlich wollte ich mich auf die Großstädte beschränken, und weil ich alleine unterwegs war, hatte ich auch keinen Bock, großartige Strecken mit dem Auto zu fahren. Die endgültige Route hab ich dann in ein paar Stunden zusammengedengelt, mit den üblichen Hilfsmittelchen aus dem Internet.

    Für die Transatlantikflüge habe ich mich bei http://airline-direct.de/ kundig gemacht, gebucht dann direkt bei der LH. Der Preis von ca. 750,- € war mit dem kurzen Vorlauf noch ganz zivil, Direktflug fand ich gut, und Gabelflug war bei der LH auch kein Problem. Bei der LTU hätte ich es natürlich preiwerter gekriegt, wäre aber weniger flexibel gewesen.

    Die Flüge innerhalb der Staaten habe ich mit http://www.sidestep.com/ ausbaldowert und dann ebenfalls direkt bei der Airline gebucht, das war in dem Falle dann halt zufällig UAL. Kostenpunkt für drei Flüge ca. 230,- €.

    Die Etappe von NYC nach DC hab ich mit der Bahn gemacht und zwei Wochen vor Abflug das Ticket über http://www.amtrak.com klar gemacht, dabei hab ich mir dann mal den Acela Express für $ 146,- geleistet.

    Hotels habe ich über http://www.expedia.de/ gebucht. In DC hatte ich das Glück, bei einer Freundin unterkommen zu können.

    Unter sonstige Reisevorbereitungen ist wohl dann hauptsächlich der Erwerb von ein paar Adaptersteckern erwähnenswert, womit ich dann in Sachen Laptop, Digitalkamera und Handy versorgt war. Ach ja, das Handy… Eine SIM-Karte von http://cellion.de habe ich auch noch mitgenommen.

    Es empfiehlt sich außerdem, neben seiner Kreditkarte ein paar Dollar in bar dabei zu haben, für den Notfall besorgt man sich ein paar Reiseschecks, obwohl man die nicht wirklich braucht. Wenn man sie bei einer Bank einlöst, kostet es keine Gebühren, ist aber eine ziemliche Prozedur inclusive der Abgabe von bis zu zwei Fingeabdrücken (kein Witz). In den ganzen “Checks Cashed”-Läden zahlt man eine Gebühr, dafür stellen die keine Fragen und wollen auch keine Fingerabdrücke. Bis $ 100,- sollte man eigentlich auch in vielen Läden damit zahlen können (hab ich nicht probiert), und wenn sie an der Hotelrezeption genug Bargeld haben, tauschen sie einem die Dinger ebenfalls ohne Gebühr.

    Ansonsten kommt man mit seiner Maestro-Karte fürs Girokonto ganz prima an Bargeld, und zwar an sämtlichen Geldautomaten mit dem “Cirrus”-Logo, die es in den großen Städten an allen Ecken gibt. Letzte Aktion vor der Abreise war die Buchung des Flughafentransfers von JFK nach Manhattan, den hab ich ein paar Tage vorher ich bei http://supershuttle.com/ organisiert. Ich wünschte, ich würde bezahlt für die ganze Schleichwerbung hier…

    3. New York

    Okay, am Ostermontag ging es dann erst mal von FRA nach JFK. Generell empfehle ich für die ganze Fliegerei immer frühes Einchecken, am besten online, geht ca. 24 Stunden vor Abflug. Das habe ich vor der Abfahrt nach Frankfurt dann auch mal schön gemacht, bevor man dann aber die Bordkarte endgültig kriegt muss man eben doch noch mal an den Schalter/Automaten und seinen Pass vorzeigen. Da ich wegen der Abflugzeit eh noch eine Nacht in Frankfurt eingeschoben hatte, hab ich das mal noch am Vorabend erledigt. Von dem verfluchten Check-In-Automaten war ich leider erst mal ein bisschen überfordert, zum Glück half mir ein netter Herr der LH weiter, und ich musste am nächsten Morgen vorm Abflug nur noch den Koffer aufgeben. Lustigerweise war dann der Flug der einzige, der überbucht war, deshalb erwähne ich das mit dem Check In. Ich hab meine Bordkarte aber nicht mehr hergegeben, auch wenn es dafür eine nette Prämie gegeben hätte.

    Ansonsten fand ich LH okay. Vor der Landung in JFK donnert man ja erst mal schön über Manhattan, spätestens dann trifft einen so ein bisschen der Schlag, jedenfalls wenn man das lange nicht mehr gesehen hat, so wie ich (27 Jahre nicht mehr), oder wenn man es zum ersten Mal sieht. Hölle, und wenn ich das zehn Mal im Jahr sehen dürfte, ich wäre wahrscheinlich nicht wesentlich unaufgeregter. Und ich war da wohl nicht der Einzige, nach dem Touchdown in JFK haben einige Leute applaudiert. Landungsklatscher, wie früher auf dem Flug nach Malle. Ich dachte, die wären ausgestorben. Aber auf dem Rückflug haben sie nach der Landung in FRA auch geklatscht, und das konnte ich dann wirklich nicht mehr verstehen…

    Immigration und Zoll waren in meinem Fall dann kein Problem, ich schätze mal, dass ich 30 Minuten nachdem ich den Flieger verlassen hatte also endlich wirklich in New York war. Da bin ich dann doch erst mal fast in Ohnmacht gefallen, das lag aber nur an der ersten Zigarette nach 10 Stunden. Aber um es mal vorweg zu sagen, die Stadt hat mich natürlich sowieso ziemlich umgehauen, so wie das wohl fast allen geht.

    Als nächstes kümmerte ich mich dann mal um das Shuttle zum Hotel. Als ich da so mit meiner ausgedruckten Reservierung durch die Halle geeiert bin, fiel ich erst mal einem Witzbold in die Hände, der mir erzählte, dass Supershuttle streiken würde, aber er könne mir da ein Taxi empfehlen… Ich hab erst mal dankend abgelehnt und bin weiter an den zuständigen Schalter, da wusste man natürlich gar nichts von irgendeinem Streik.

    In JFK ist das mit dem Shuttle ein bisschen anders organisiert als an den anderen Airports. Meistens läuft draußen ein Mitarbeiter vom Shuttleservice rum, dem man einfach seine Reservierungsnummer gibt und fertig. In New York ruft man die Vögel halt für lau über die entsprechende Servicenummer an, und in meinem Fall war das Shuttle dann nach ca. 20 Minuten da und der Kutscher hat mich am Schalter eingesammelt. Reservierung ist natürlich keine Pflicht, man kann auch vor Ort buchen. Kosten incl. Trinkgeld: $ 20,-. Trinkgeld ist ja in den Staaten bekanntlich immer wichtig, wer's noch nicht weiß: Gastronomie 20%, Taxifahrer 10% und die Zimmermädchen im Hotel kriegen bitte auch einen oder zwei Dollar pro Tag.

    Ansonsten gibt es in den meisten großen Städten fürs Taxi Festpreise vom Flughafen in die Innenstadt, das liegt dann incl. Tip bei ca. $ 60,- In SF vor dem Rückflug war ich dann ganz luxuriös und hab mir eine hoteleigene Limousine aufschwatzen lassen, Kostenpunkt ebenfalls $ 60,-. War ja nur ‘ne Ausnahme, und falls man zu zweit unterwegs ist, ist es ja auch nicht mehr viel teurer als mit dem Shuttle.

    Für die sechs Übernachtungen in NY hatte ich mir das Radisson Martinique on Broadway ausgesucht. Obwohl ich im Internet vorher einen Haufen Horrorstories über den Laden gelesen hatte. Die kann ich dann auch nicht bestätigen. Internet auf’m Zimmer gab’s für umsonst und hat’s ganz gut getan. Der Zimmersafe hat extra gekostet, $ 5,-/Tag, damit kann man leben und New York ist nun mal hotelmäßig leider grundsätzlich keine besonders preiwerte Stadt.

    Unschlagbar ist das Hotel wegen der Lage, das Empire State Building ist um die Ecke, bis zum Times Square sind es auch nur ein paar Blocks. Man ist mitten drin im Getümmel und kann wunderbar drin untergehen. Man kann eine ganze verdammte Menge zu Fuß machen, ansonsten ist direkt vorm Hotel auch der Eingang zur Subway, und mit einem Wochenticket für ca. $ 25,- hat man in NY dann eh schon gewonnen, ansonsten brauche ich ja nicht groß erzählen, welche Möglichkeiten die Stadt bietet.

    Und wer jetzt noch nicht eingeschlafen ist, kann sich unter http://www.flickr.com/photos/1076806...7604253479693/ auch noch einen Haufen Bilder aus New York angucken.
    Geändert von Chinaski (06.07.2008 um 00:13 Uhr)

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  3. #2 East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I
    Chinaski

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    4. Washington, D.C.

    Mein Amtrak-Ticket nach DC hab ich mir zwei Tage vor der Abfahrt in der Penn Station am Automaten ausdrucken lassen. Der Bahnhof ist nur einen Block vom Hotel entfernt, da bin ich am Tag der Reise mit Rucksack und Rollkoffer halt einfach hingelatscht. Anders als in D’land wartet man auf den Zug dann nicht am Bahnsteig, sondern in der Bahnhofshalle. Für den Acela Express gibt’s sogar noch eine eigene Wartezone, und wenn der Zug dann aufgerufen wird, begibt man sich zum Bahnsteig. Reservierte Plätze gibt es nicht, aber man kriegt auf jeden Fall einen Sitzplatz. Keine Ahnung, wie das bei den regulären Zügen ist. Die sind dann auf der Strecke aber übrigens auch nicht viel langsamer, als der amerikanische “Hochgeschwindigkeitszug”, mit dem es sich etwas teurer aber ansonsten sehr angenehm fährt, man sitzt bequemer als im ICE.

    Da ich in DC das große Glück der Privatunterkunft hatte, habe ich mich da erst mal gleich für satte zwei Wochen eingezeckt. Gegenüber New York ist Washington natürlich dann erst mal klein, ruhig und gemütlich. Dafür kann man sich Museen angucken, bis der Arzt kommt. Die Museen in DC reichen für drei Wochen, würde ich mal vermuten. Die meisten sind rund um die National Mall oder Downtown, auf ein paar Quadratmeilen ist quasi alles zugeschissen mit großartigen Museen.

    Der Eintritt ist in den meisten Fällen frei. Die meisten Exponate darf man außerdem auch noch so oft fotografieren, wie man lustig ist, selbst wenn man mit dem Blitzlicht unterwegs ist, gibt es keinen Stress. Ganz ausgezeichnet ist diese exorbitante Museumsdichte übrigens auch dann, wenn man so ‘ne Sextanerblase hat, wie ich. Ein gutes Reiseziel für Sextanerblasen ist dann übrigens auch Las Vegas, nur geht man da halt ins nächste Casino statt ins Museum.

    Generell kann ich mal sagen, dass ich in DC so viel in Kultur gemacht habe, wie noch nie vorher im Leben. Das fand ich ganz amüsant, weil man als arroganter Europäer immer denkt, die Amis seien so kulturlos. Mein absolutes Lieblingsmuseum war die National Gallery of Art, da hängt und steht grundsätzlich schon mal alles rum, was Rang und Namen hat. Alleine der Laden könnte einen sicher fünf Tage lang beschäftigen, wenn man sich gründlich umsehen will. Normalerweise bin ich gar nicht so ein Museumstyp, und ich hab auch keine Ahnung von Kunst. Aber das hat mich umgehauen.

    Sehr eindrucksvoll und natürlich auch sehr deprimierend war das National Holocaus Museum. Wer sich das ansehen will, sollte es am Vormittag tun, weil sie die Leute alle halbe Stunde gruppenweise durchschleusen. Museen für Luft- und Raumfahrt gönnt man sich gleich zwei, da jubelt das Kind im Manne. Ich hab mir natürlich beide angesehen, wobei der eine Laden dann am Dulles Airport ist. Bis dahin kommt man leider nur mit dem Bus oder dem Auto, ansonsten gilt die Metro in DC als eine der besten in den Staaten, Wochenticket gibt’s für $ 35,-, damit lassen sich sämtliche Sehenswürdigkeiten in der DC Area bestens abklappern. Neben den ganzen Museen, Memorials und Regierungsgebäuden gibt es dann auch noch ein paar ganz sehenswerte Stadtteile wie Georgetown oder Adams-Morgan, letzteres ist quasi das Kreuzberg von DC.

    Bilder hier: http://www.flickr.com/photos/1076806...7604353465085/

    5. Inlandsflüge

    Das mit den Flügen innerhalb der USA scheint ja hier im Forum auch ab und zu mal ein Problem zu sein, ist es aber nicht. Einchecken kann man wie gesagt ja auch online. Man braucht sich auch keine Gedanken machen, dass man sich natürlich meistens den Boarding Pass nicht ausdrucken kann, weil man ja selten seinen Drucker dabei hat. Kein Problem, den drucken sie einem auch gerne noch mal am Schalter bei der Gepäckaufgabe aus.

    An den meisten Airports kann man gleich draußen vorm Terminal einchecken, nennt sich Curbside Check-In und kostet pro Koffer $ 2,-, und dabei sollte man natürlich das übliche Trinkgeld nicht vergessen! Obwohl ich bloß einen Koffer hatte, hab ich den Jungs immer einen Fünfer gegeben, weil die da einen ziemlichen Knochenjob machen. Und es macht die ganze Sache ein bisschen fluffiger, wenn man nicht lange mit seinem Koffer rumturnen muss. Man will ja entspannt reisen, oder?

    Die Transferzeiten sollte man natürlich ziemlich großzügig kalkulieren. Check-Out im Hotel ist ja meistens eh spätestens um 11 Uhr. Meine Abflugzeiten lagen alle zwischen 14 und 15 Uhr, da bin ich dann halt um 10 ausgeschlafen aus dem Hotel raus und hatte bis zum Abflug Zeit genug. Die Schlange vor der Sicherheitskontrolle kann u.U. auch mal etwas länger sein, in LAX bin ich erst mal fast auf den Arsch gefallen, als ich die gesehen habe. Da haben sie die Leute dann halt nach ihrer Abflugzeit durchgeschleust, und wer nicht grade auf den allerletzten Drücker ankam, hat seinen Flug auch noch gekriegt.

    Vor den Sicherheitskontrollen selbst braucht man auch keinen Bammel haben. Prinzipiell besteht natürlich immer die Möglichkeit, dass sie einen ganz fürchterlich filzen, und es geistern ja auch immer diese Meldungen durch die Presse, dass die Zollies in den Staaten beispielsweise am laufenden Band Laptops nach illegalen Dateien filzen und sie im Zweifelsfall auch mal beschlagnahmen. Dürfen sie grundsätzlich natürlich machen, dürfen aber nicht nur die Amis, so was kann einem auch auf dem Weg von Münster/Osnabrück nach Malle passieren.

    Generelle Praxis ist so was nach meiner bescheidenen Erfahrung (noch) nicht. Und obwohl ich mit Lederjacke, Jeans und Dreitagebart nun auch nicht aussehe, wie ein Familienpapi oder ein Geschäftsreisender, gab’s keine Probleme. Der einzige Unterschied zu den Kontrollen in Europa ist, dass man halt auch noch die Schuhe ausziehen muss. Einmal hab ich vergessen, den Linsenreiniger für die Kamera aus dem Rucksack zu nehmen, normal müssen Flüssigkeiten ja extra im Plastikbeutel durch die Kontrolle, da hat in dem Fall aber auch niemand gemeckert. Das nächste Mal hab ich in der Hektik den Hosengürtel drin gelassen und bin auch unbeanstandet durchgekommen. Hektik ist da eh immer. Die größte Hektik macht übrigens die Security im Empire State Building, da ist man praktisch im Laufschritt unterwegs, bis man in den ersten Fahrstuhl steigt.

    Am Flughafen muss man sich halt ein bisschen organisieren und macht die Schnürsenkel schon auf den letzten Metern in der Warteschlange auf. Wenn hinter mir irgendwelche Leute waren, die es offensichtlich eiliger hatten als ich, hab ich die auch einfach mal vorgelassen. Mit meinem ganzen Zeug brauchte ich nämlich immer mindestens ungefähr drei von diesen Plastikwannen, und der Laptop muss ja dann auch noch aus- und wiede eingepackt werden. Das hat immer gedauert, bis ich das alles auseinandergepflückt und wieder zusammengerafft hatte. Ist alles nervig, aber kein Grund für schlaflose Nächte. Mit Ruhe, Gelassenheit und Höflichkeit kommt man da am Besten durch. Und wenn man sich nicht völlig dämlich anstellt, bleiben auch die Damen und Herren von der TSA ruhig, gelassen und sogar durchaus höflich.

    Ach so, aber Stullen solle man einpacken, selbst auf längeren Inlandsflügen gibt’s im Flugzeug nicht mehr als ‘ne Tüte Erdnüsse.

    6. Viva Las Vegas

    Nach den ganzen Museen in Washington war Las Vegas natürlich erst mal ein absoluter Kulturschock. Bisschen befremdlich fand ich auch, dass ich nach zwei Wochen in DC plötzlich wieder so oft Deutsch auf der Straße gehört habe. Ich meine, dafür fahre ich ja nicht nach Amerika, oder? Vom Flughafen zum Hotel hab ich mir ausnahmsweise mal ein Taxi genommen, und entweder dürfen die Kutscher bei solchen Touren einen happigen Zuschlag nehmen oder der Typ hat mich mit der Kirche ums Dorf gefahren… Ich werde jedenfalls nie wieder einem Taxifahrer erzählen, dass ich das erste Mal in der Stadt bin. Auf der Rückfahrt zum Flughafen hat die Droschke merkwürdigerweise nur die Hälfte gekostet.

    Wegen der Flughafennähe hatte ich mir für die fünf Nächte dann auch das Tropicana ausgesucht. Das Hotel hat seine besten Tage schon hinter sich, man kann wohl davon ausgehen, dass sie den Laden in ein paar Jahren auch platt machen und was Neues hinstellen. Dafür sind die Zimmerpreise zivil, selbst wenn der Internetanschluss am Tag noch mal einen Zehner extra kostet. Ansonsten war ich mit Ausstattung und Service zufrieden.

    Generell würde ich mal behaupten, dass man in Las Vegas besser bedient ist, wenn man sich ein Hotel am Strip nimmt, und je weiter südlich man bleibt, desto besser fährt man. Nördlichste halbwegs empfehlenswerte Adresse ist m.E. der Stratosphere Tower, kurz danach geht dann auch schon Downtown Las Vegas los und die Gegend wird erst mal ein bisschen finsterer.

    Downtown Las Vegas kann man sich durchaus mal angucken, noch ein Stück weiter nördlich wird es dann wieder etwas erträglicher mit Fremont Street Experience, Golden Nugget und so was, obwohl mich das dann auch nicht unbedingt aus den Socken gehauen hat. Solche Touren kann man ganz gut mit dem Bus machen, Tageskarte $ 5,-. Absolutes Highlight in Las Vegas war die Hubschraubertour zum Grand Canyon. Punkt.

    Wer immer noch nicht eingeschlafen ist, kann hier http://www.flickr.com/photos/1076806...7604568899585/ und hier http://www.flickr.com/photos/1076806...7604603847041/ Bildchen gucken.
    Geändert von Chinaski (04.07.2008 um 19:12 Uhr)

  4. #3 East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I
    Chinaski

    East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto III

    7. City of Angels

    Los Angeles war die zweitlängste Etappe auf meiner Tour. Die 12 Nächte habe ich im Best Western Hollywood Hills verbracht, das kann ich auch nur weiterempfehlen. Zimmersafe gab es keinen, dafür Internet umsonst, das war manchmal etwas holprig, funktionierte aber generell durchaus zufriedenstellend. Das Hotel liegt in einer halbwegs guten Ecke, von denen gibt es in LA nicht viele, und es liegt hanz günstig, um sich in Hollywood eben mal unzugucken. Das stellt man sich übrigens dann auch glamouröser vor vor, als es das in Wirklichkeit ist. Selbst der Hollywood Boulevard ist bloß auf ein paar Metern schick, ansonsten reiht sich da praktisch ein Pornoladen an die nächste Tattoobude. Los Angeles hat eben definitiv seinen ganz eigenen Charme.

    Normalerweise guckt man sich in LA die Universal Studios an und Disneyland oder macht die Tour mit den Häusern der Filmstars. Disneyland habe ich als Kind schon mal sehen dürfen, und für Filme interessiere ich mich auch nicht so brennend. Ich war ja nur da, weil ein gewisser Charles Bukowski in Hollywood gelebt hat, und das ist leider mein Lieblingsschriftsteller. Ich wollte schon immer mal wissen, wie der Mann so gelebt hat. Wie üblich war ich dabei viel zu Fuß und mit dem Fotoapparat unterwegs, Bilder gibt es hier http://www.flickr.com/photos/1076806...7604653587363/ . Wenn man dabei in Hollywood nicht über einen der zahlreichen (und oft auch sehr jungen) Obdachlosen stolpert, dann stolpert man übrigens über einen Scientologen, die Burschen sind da an jeder verdammten Ecke zu finden ("Scientollywood").

    In Downtown LA gibt es weniger Scientologen, dafür aber noch mehr Obdachlose, und dabei war ich noch nicht mal in den ganz schlimmen Ecken wie der Skid Row, da leben dann ca. 7.000 - 8.000 Menschen auf der Straße. Es reicht schon, wenn man sich mal am Pershing Square umguckt. Von einem Besuch der Skid Row raten einem selbst hart gesottene Eingeborene ab. Grundsätzlich halte ich die Scientologen aber für gefährlicher als die Penner, der Gegensatz zwischen arm und reich ist allerdings generell ziemlich krass in der Stadt der Engel.

    Downtown ist einerseits völlig bombastisch, mit Banken und sonstigen Glaspalästen, andererseits ist das ein ziemlich seelenloser und uncharmanter Ort, absolut kein Vergleich mit Manhattan. Ich hab da nicht mal 'n vernünftigen Buch- oder Plattenladen oder so was gefunden. Downtown Los Angeles ist auch nicht unbedingt eine Touristenecke, die bleiben meistens in Hollywood.

    Es ist nicht leicht, LA zu mögen, dafür muss man einen Sinn fürs Kaputte haben. Dafür ist es garantiert aufregend und sehr spannend, man weiß nie, was einen ein paar Blocks weiter erwartet. In manchen Ecken hätte ich gern Augen im Hinterkopf gehabt, das gilt auch und ganz besonders für Hollywood. Aber wie man sieht, lebe ich ja noch.

    Bisschen aufgeschmissen ist man in LA allerdings ohne Auto. Die U-Bahn ist zwar sehr modern, dafür ist das Streckennetz leider vergleichsweise winzig. Für Touren von Hollywoood nach Downtown hat’s noch gereicht, deshalb hab ich auch nicht viel mehr von der Stadt gesehen. Nach Venice oder so hätt ich schon wieder den Bus nehmen müssen, oder mir ein Auto mieten. Und dafür hatte ich ehrlich gesagt nicht die Nerven. Nirgendwo in der westlichen Welt fahren sie so dermaßen wie die Wahnsinnigen wie in Los Angeles. Selbst in Barcelona fahren sie lässiger, cooler und wesentlich zivilisierter. Dafür sind die Fußgänger in Los Angeles so brav und diszipliniert wie in Deutschland. Ist nicht so lässig wie in New York, wo sie ja grundsätzlich alle bei rot über die Ampeln rennen. Bei den Durchgeknallten in LA lässt man das lieber bleiben und wartet brav auf grünes Licht. Außerdem gucken die Cops vom LAPD sich das auch nicht so geduldig an wie die Kollegen vom NYPD, Jaywalking in LA kann teuer werden.

    8. Frisco

    Das Erste, was mir in SF aufgefallen ist, war der Himmel. Der ist da nämlich plötzlich wieder richtig blau gewesen, jedenfalls sieht er anders aus, als durch den legendären Smog in LA. Die imposante Dunstglocke lässt sich beim Abflug gut beobachten. Nach dem harten, harten Pflaster von Los Angeles sind die Straßen von San Francisco erst mal die reinste Erholung. Ganz einfach weil die Stadt dann auch wieder was fürs Auge ist. Das gilt sowohl für die Architektur als auch und ganz besonders für die Frauen.

    Heilige Scheiße, die Frauen in SF waren noch hübscher als die in NY. Unglaublich, aber wahr. San Francisco ist ein netter kleiner Schmelztiegel, daran liegt’s glaube ich. Das fand ich in den Staaten sowieso sehr angenehm, dass es von den Hautfarben her im Straßenbild meistens ziemlich bunt war, nicht so langweilig einfarbig wie in D’land. Und wenn sich das dann alles ein bisschen vermischt, kommen am Ende scheinbar hübsche Menschen dabei raus. Man braucht nur hingucken und merkt, dass Rassisten Idioten sind.

    Für die sieben Übernachtungen hatte ich mir das Sir Francis Drake ausgesucht, in der Nähe vom Union Square. Das charmanteste Hotel, in dem ich jemals abgestiegen bin, kein Zimmersafe, aber dafür das beste Wireless-LAN, das ich jemals in einem Hotel hatte, und das gab es ohne Aufpreis. Ich hatte das große Glück, ein Eckzimmer zu kriegen, groß und mit jeder Menge Fenstern. Unten auf der Powell Street sind von morgens bis nachts die Cable Cars vorbeigebimmelt, da brauchte ich mir in der 4. Etage schon mal keinen Wecker mehr stellen. Man braucht auch kein verdammtes Auto in San Francisco, es wird einem sogar davon abgeraten, da Auto zu fahren, wenn man sich nicht auskennt, machen einen die Hügel und die Einbahnstraßen kirre. GPS wäre jedenfalls ratsam.

    Wenn man sich wirklich nur die Stadt angucken will, geht das aber auch mit Bussen & Bahnen, Wochenticket ca. $ 25, gilt auch fürs Cable Car, allerdings nicht für BART (Bay Area Rapid Transit System). In Frisco nimmt man dann auch ganz gerne mal das Fahrrad, fiel mir auf, sogar leihen kann man sich die Dinger. Und so riesig ist die Stadt dann ja auch nicht. Absolute Pflicht ist natürlich die Golden Gate Bridge, das geht ganz gut mit dem Rad beispielsweise. Wer es ganz und gar uneilig hat, kann es auch zu Fuß machen, dafür habe ich mich dann entschieden. Vom Fisherman’s Wharf bis zur Brücke sind es fünf Kilometer, die Hälfte der Strecke kann man direkt am Strand lang. Am Fort Point gibt es dann einen Weg nach oben zur Brücke, und natürlich bin ich dann auch noch über die Brücke und wieder zurück. Für den Ausflug ging fast ‘n ganzer Tag drauf, aber das sollte einem die Mutter aller Brücken ja wohl auch wert sein. Die Bay Bridge ist übrigens auch cool, nur leider kommt man zu Fuß nicht drauf.

    Wer starke Nerven hat, macht einen Spaziergang durch den Tenderloin District. Die Gegend ist ziemlich abgefucked, es wimmelt geradezu vor armen Obdachlosen und nachts stehen auch mal ein paar Nutten irgendwo rum. Das ist ein bisschen entsetzlich, aber auch nicht gleich lebensgefährlich, und die Gegend hat trotz allem Charme. Als mich tagsüber allerdings unterwegs einer anquatschte, dass er sich mit meiner Hautfarbe und meiner Kamera in der Ecke nicht unbedingt rumtreiben würde, habe ich aber dann doch mal zugesehen, dass ich Land gewonnen hab… Von irgendwelchen Hotels im Tenderloin möchte ich daher lieber mal abraten, außer man nimmt das Hilton, das liegt ulkigerweise in SF im Pennerbezirk. Na ja, ganz am Rand davon, aber drin ist drin.

    Haight Ashbury hab ich mir unter anderem auch noch angesehen. Auch da kann man vom Union Square aus zu Fuß hin, wenn man Bock hat. Ich bin so bescheuert, dass ich auf so was Bock hab. Schon nach drei Tagen New York konnte ich den Gürtel ein Loch enger schnallen, so viel bin ich da drüben rumgelatscht. In den Hollywood Hills bin ich bei glühender Hitze den blöden Berg rauf, um möglichst nah an diesen bescheuerten Hollywood-Schriftzug ranzukommen. Oben hab ich dann gesehen, dass sich schlaue Leute da mit dem Taxi hochkutschieren ließen. Well, aber nur die Harten kommen in den Garten…

    Die Haight Street geht es auch erst mal ganz hübsch den Berg hoch. Von dem ganzen Hippiequatsch ist natürlich nicht mehr viel übrig geblieben, dafür treiben sich jede Menge häufig ebenfalls obdachlose Gammelpunker rum. Von denen gibt es in San Francisco mehr als in Berlin und Hamburg zusammen, und treffen tun sie sich im Golden Gate Park. Aber keine Angst, die beißen nicht, die schnorren bloß. Und die Gegend ist ganz pittoresk, das gilt eigentlich für die ganze Stadt. Im Gegensatz zu Downtown LA fügen sich sogar die Hochhäuser im Financial District in SF halbwegs harmonisch ins Gesamtbild ein. Bilder vom Ganzen gibt’s hier: http://www.flickr.com/photos/1076806...7604874394609/

    Und das war’s dann auch endlich.
    Geändert von Chinaski (04.07.2008 um 17:08 Uhr)

  5. #4 East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I
    didikort
    Hallo,

    danke für die interessanten Informationen. Es ist schon interessant, wenn einmal die USA ohne Auto gemacht wird.

    Ich fand Deine Beschreibung sehr interessant. Sag aber bitte niemals in SF Frisco, die Leute werden Dich nicht mögen.

    gruß

    diederich

  6. #5 East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I
    Chinaski
    Danke fürs Lesen und für den freundlichen Kommentar erst mal, didikort.

    Dass "Frisco" ein Unwort ist, weiß ich, manchmal übermannt mich halt einfach der Reiz des Verbotenen. Ich hab aber auch schon mal irgendwo aufgeschnappt, dass die echten Eingeborenen sich gar nicht drüber aufregen, nur die Zugereisten mögen es nicht. Das habe ich aber glaube ich aus irgendeinem Film, ist also keine besonders verlässliche Quelle.

    Dafür weiß ich, dass die Hells Angels aus SF in den 60ern "Frisco" auf ihren Kutten stehen hatten (heute steht "California" drauf). Und guck Dir mal die Adresse der Homepage an: http://www.friscohellsangels.com/ Muss ja dann nicht unbedingt bedeuten, dass die Hells Angels Recht haben, drüber streiten würde ich mich mit den Jungs aber auch nicht.
    Geändert von Chinaski (04.07.2008 um 13:34 Uhr)

  7. #6 East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I
    Chinaski

    Fazit

    Oder halt, ein Fazit sollte ich vielleicht noch nachtragen... Da warnt dann als erstes mal der Gesundheitsminister, weil Amerika nämlich süchtig macht, das sieht man ja auch an den ganzen Freaks hier im Forum.

    Es ist wirklich ein erstaunliches Land. Nicht mal Mr Bush und seine bescheuerte Politik konnte mir das vermiesen. Oder der ganze Mist, den man sonst so sieht, Obdachlosigkeit, Armut, Elend. Es ist schon alles ein bisschen heftiger als in Deutschland, und ich habe einige Amerikaner getroffen, die Dank Mr Bush ihr Land wesentlich kritischer und negativer sehen, als ich mit meiner rosaroten Touribrille.

    Seit ich wieder da bin, finde ich Deutschland nur noch öde und langweilig. Drüben habe ich in den sechs Wochen 4.500 Fotos gemacht (von denen natürlich mindestens 4.100 sowieso ziemlicher Mist sind), und hier zu Hause verstaubt die schöne Kamera. Bevor ich nach Amerika flog, habe ich in Deutschland noch Bilder gemacht, jetzt nicht mehr. Dafür beiße ich mich in den Arsch, dass ich in den sechs Wochen drüben nicht 5.500 Bilder gemacht habe, mir fallen da nämlich ein paar Ecken ein, die ich dummerweise gar nicht fotografiert habe, andere Ecken könnte man eben besser fotografieren…

    Grundsätzlich würde ich die Tour jederzeit wieder genau so machen. Las Vegas und Los Angeles hätte ich beide ein bisschen kürzer machen können, New York dafür länger, aber insgesamt hat’s gepasst. Und es war gar nicht so schwierig, das alles auf die Kette zu kriegen. Ist natürlich auch leichter zu organisieren als ‘ne Tour mit dem Auto und 35 Zwischenstationen, für einen Familienurlaub ist es wohl auch ‘ne schlechte Variante und sechs Wochen nur Großstätde sind ja vielleicht auch ein bisschen bescheuert. Jeder hat eben sein eigenes Amerika, und ich werde zusehen, dass ich meins so bald wie möglich wieder zu sehen kriege.

  8. #7 East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I
    Karl-Heinz
    Hallo Chinaski,

    danke Dir für Deinen interessanten und ausführlichen Reisebericht und vor allem Deine doch sehr interessanten Bilder mit recht guter Qualität.
    Übrigens beruhige Dich, jedesmal wenn ich von Europa nach Hause komme, bedauere ich auch, dass ich nicht mehr Bilder aufgenommen habe, zumal das heute mit den D-Kameras überhaupt kein Problem ist und schlechte Bilder einfach zu löschen sind. Man sollte sich eben mehr Zeit für die Aufnahmen nehmen.
    Immerhin machtest Du es richtig, dass Du mehrere Tage in einer Stadt bliebst und nicht versuchtest, Dir eine Stadt an einem Tag anzusehen und schon wieder weiter gereist bist.
    Übrigens fotografiere ich bevorzugt Menschen, die sind für mich besonders interessant.

    Erzähl mal mehr, warum Dich Dein Lieblingsschriftsteller Charles Bukowski so interessiert hat, wo er gewohnt hat, bzw. warum Dir Bukowski gefällt.

    Es besteht eben ein Unterschied zwischen einem Touristen und hier Lebenden, wie Sachen eingeschätzt werden. Wo ein Tourist vielleicht Schwierigkeiten sieht, sehe ich sie nicht als solche.
    Interessant jedenfalls die USA mal ohne Auto zu bereisen, das sollte doch für viele Leser hier interessant sein. Logischerweise benutze ich hier vorwiegend mein eigenes Fahrzeug. Nur bei größeren Reise innerhalb des Landes benutze ich Flugzeug und Mietwagen. Den Zug habe ich hier nur 2 mal benutzt, aber den Reisebus anfangs doch ab und zu.

    Ja, die Bezeichnung Frisco wird allgemein nicht benutzt, wie Dir ja bekannt zu sein scheint. Jedenfalls mögen es vor allem die Leute nicht, die in San Francisco wohnen. Ich habe aber bis heute noch nicht herausgefunden, warum sie es nicht mögen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es andere Städte in den USA gibt, die den Namen Frisco haben und vielleicht habe die keinen guten Ruf?
    Geändert von Karl-Heinz (05.07.2008 um 20:53 Uhr)

  9. #8 East Coast - West Coast, Großstädte in 45 Tagen und ohne Auto I
    Chinaski
    Hi Karl-Heinz,

    erst mal auch Dir Danke fürs Lesen und die lobenden Worte über meinen Bericht und die Bilder. Da ich mit meiner Art des Reisens hier im Forum scheinbar ein bisschen aus der Art schlage, hatte ich gar nicht mit Resonanz gerechnet. Einige grundsätzliche Erfahrungen hat man dann ja trotzdem gemeinsam, ganz egal auf welche Weise man unterwegs ist. Du als Wahlamerikaner wirst dabei sowieso einiges viel gelassener sehen können als ein Urlauber, aber bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen sind wir dann auch wieder alle gleich.

    Was die Bilder betrifft, tue ich mich damit meistens schwer einfach ungefragt Leute auf der Straße zu fotografieren. Wobei das ja dann quasi eine eigene Stilrichtung der Fotografie ist und sich "Street Photography" nennt. Aber dazu muss man sich überwinden können, und ich hab dafür meistens nicht die Nerven, obwohl es den meisten Leuten wahrscheinlich gar nichts ausmacht.

    Manchmal gibt's aber auch Ärger. Als ich vor dem Grauman's Chinese Theatre in Hollywood die Leute fotografiert habe, die sich die berühmten Hand- und Fußabdrücke angesehen haben, kam plötzlich einer von der Security an und hat mich freundlich, aber bestimmt des Platzes verwiesen. Sie hätten mich schon gestern im Auge gehabt und ich hätte Frauen fotografiert... Was wohl heißen sollte, dass ich ein ganz schlimmer Finger bin. Bin ich natürlich nicht, aber hat den Mann von der Security nicht die Bohne interessiert.

    Wie Du vielleicht gesehen hast, habe ich dafür ab und zu mal Obdachlose fotografiert. Da war ich tatsächlich ab und zu mal ein Arschloch und habe auch einen geknipst, der auf 'ner Parkbank schlief. Meistens bin ich aber natürlich hin und habe höflich gefragt und natürlich auch einen Dollar dafür rausgerückt. Einen gewissen Voyeurismus muss ich mir womöglich trotzdem vorwerfen lassen, aber ich hab lieber den Obdachlosen auf dem Hollywood Blvd. Geld für Fotos gegeben als diesen Figuren, die sich da als Rambo, Goofy, Marylin Monroe, Elvis Presley und was weiß ich noch alles verkleidet rumtreiben.

    Ich fotografiere eben gerne ein bisschen anders, als andere Touristen. Mir gefallen auch mal kaputte und hässliche Dinge, das hat nichts mit Amerika zu tun, solche Bilder mache ich auch in Berlin und Barcelona. Ist aber eine Seite von Amerika, die hier im Forum nicht so oft vorkommt, glaube ich. Hier dominiert ja ein bisschen die Highwayromantik und die weite Natur. Wofür ich aber durchaus Verständnis habe, und den Grand Canyon wollte ich ja auch unbedingt wieder sehen, nachdem ich 1980 schon mal einen Blick drauf werfen durfte, als ich mit meinen Eltern mal drüben war.

    Der Grand Canyon ist ja überhaupt das dollste Ding, das ich jemals im Leben gesehen habe. Ich hab fast geflennt, als ich da drin stand. Ich hab auch in DC in der National Gallery fast geflennt, als ich die ganzen verdammten Impressionisten da gesehen habe, ich wusste gar nicht, dass ich so auf Impressionisten stehe. Zum Glück habe ich die Tage hier im Forum gelesen, dass es auch anderen Leuten in Amerika gelegentlich das Wasser in die Augen treibt, das hat mich ein bisschen beruhigt.

    Na ja, und ansonsten hatte ich halt tatsächlich das große Glück, mir sechs Wochen Zeit nehmen zu können, um mich auf den einzelnen Stationen ein bisschen gründlicher umzusehen. Ich bin immer ganz beeindruckt, wenn ich hier lese, was die Leute teilweise für Touren abreißen und welche Strecken sie hinter sich bringen. Aber ich versteh das, man will natürlich so viel sehen, wie möglich. Bei mir kommt dann noch dazu, dass ich u.a. für fünf Jahre Taxifahrer gewesen bin, ich hab vom Autofahren einfach ein bisschen die Schnauze voll. Mein Auto hier in Deutschland hab ich verkauft, bevor ich nach Amerika bin, nicht weil ich musste, sondern einfach weil ich es eigentlich gar nicht brauche.

    Well, und für mich ist Amerika dann aber eben nicht Highway- und Wildwestromantik, und mit diesem Satz habe ich jetzt hoffentlich nicht gleich das ganze Forum gegen mich aufgebracht. Dabei weiß ich es zu schätzen, dass die Leute sich hier nicht zoffen, wie sie das in anderen Foren gern tun. Es ist auch nicht so negativ gemeint, wie es vielleicht klingt, jeder hat eben sein Amerika. Für mich hat das in dem Fall viel mit schlechter Musik (Punkrock) zu tun. Und mit Büchern...

    Bukowski ist 1920 in Deutschland geboren und als Kind in die USA ausgewandert, wo er die meiste Zeit in LA gelebt hat. Sein Geld hat er sich meistens mit irgendwelchen miesen Jobs verdient, gewohnt in irgendwelchen billigen Hütten, u.a. in East Hollywood, das ist auch keine so dolle Gegend. Außerdem hat er gern gesoffen und zwischendrin so ein bisschen am Abgrund gelebt, kurz vor der Gosse. Später hat er dann 12 Jahre bei der Post gearbeitet, als Briefsortierer. Irgendwann hat er angefangen, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben über die Jobs, die Absteigen, den Suff, Huren, Pferderennen... Davon hat er am Ende dann sogar ganz gut gelebt. Ansonsten gilt er halt eher als schmuddelig, sexistisch und vulgär. Bukowski ist vielen Leuten angeblich "zu primitiv", aber deshalb lese ich ihn gern, weil die Leute sich drüber aufregen.

    Warum sich die Leute über "Frisco" so aufregen, weiß scheinbar auch niemand so genau. Bei meiner Recherche bin ich dann aber beispielsweise auf diesen Artikel hier gestoßen: http://www.sfgate.com/cgi-bin/articl...=travelbayarea
    Der klärt das Rätsel zwar auch nicht endgültig auf, aber es scheint wohl durchaus immer auch Eingeborene gegeben zu haben, die eben selbst "Frisco" gesagt haben. Waren halt nur keine Sympathieträger, so wie die Hells Angels. Dass die feineren Bürger der Stadt so was dann nicht gern hören, liegt auf der Hand.

    Okay, ich hab hoffentlich nicht zu viel gequatscht jetzt.

    Cheers

    Chinaski
    Geändert von Chinaski (07.07.2008 um 01:27 Uhr)

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