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Alt 28.10.2008, 14:13   Rundreise durch Nordamerika (Und damit meine ich Rundreise !) Beitrag #1
Donnergott Mann
Newbie
 
Benutzerbild von Donnergott
 
Registriert seit: 27.10.2008
Ort: Ostholstein
Beiträge: 31
Rundreise durch Nordamerika (Und damit meine ich Rundreise !)

USA –Canada komplett ! (allerdings schon in 1992)
Es war vielleicht der beeindruckenste Amerika-Trip den wir gemacht haben. Wir sind im Sommer 1992 von Frankfurt aus nach Detroit geflogen. Wir, das waren meine Frau Ilona, unsere Tochter Kristin und unsere Freunde Fabian und Silke. Ach ja, ich war auch dabei. J
In Detroit hatten wir massivste Schwierigkeiten bei der Einreise. Ich war ja schon erfahrener USA-Urlauber, es war bereits meine dritte Reise dorthin, und aufgrund des vorherigen Urlaubs usw. hatte ich sogar ein unbegrenztes Visum. Das gab natürlich jede Menge Gelegenheit zum frozzeln. Frei nach dem Motto: ich komme ja auf jeden Fall „rein“, aber bei Euch, das wird bei der Einreise erst mal genau geprüft“ usw. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Schwierigkeiten bei der Einreise hatte ich. Als erster von unserer kleinen Gruppe stand ich am Schalter und reichte stolz meine Papiere hinüber. Der Mitarbeiter dort schaute kurz auf meinen Pass, zog eine Liste unter seinem Tisch hervor, verglich meinen Namen mit einigen dort stehenden und beorderte mich und meine Familie kurzerhand in einen abseits gelegenen Raum mit einer großen Glaswand. Dort befanden sich ca. 60 Sitzplätze, einer kleinen Wartehalle ähnlich. Außer uns saßen dort zu Beginn ausschließlich Einwanderer. Eher Asylanten. Leute aus Afghanistan, Pakistan usw. Des englischen kaum mächtig hatten sie anscheinend alle ihre Habseligkeiten bei sich. Jeder hatte irgendwie eine alte Plastiktüten mit eben diesen Dingen bei sich. Wir waren hingegen die einzigen „normalen“ Urlauber. Und das schlimmste war – wir hatten keine Ahnung, was wir dort sollten oder verbrochen hatten. Nach ca. 1 h kam eine Mitarbeiterin unserer Fluggesellschaft, ich glaube es war LH oder Condor, und fragte, was wir denn „verbrochen“ hätten. Ich bat sie, meinen Onkel zu informieren, der draußen stehen müsste und uns abholen wollte. Während wir da so saßen und warteten, passierten einige Dinge, die unsere Laune nicht besserten. So wurde z.B. eine junge Deutsche richtiggehend in diesen Raum hineingeschoben. Ihr Freund, ein GI der ebenfalls mit ihr zusammen aus Deutschland gekommen war, wurde rabiat von ihr getrennt und sie bekam nur zu hören: „Wenn das Flugzeug gereinigt ist, gehen sie direkt wieder an Bord und fliegen zurück nach Germany“… Die Laune meiner Frau wurde dadurch nicht besser, das könnt Ihr mir glauben. Als dann noch ein Zollbeamter erschien, geschätzte 2m groß und Schultern in Schrankbreite, die rechte Hand immer kurz über dem großkalibrigen Revolver hängen lassend, auf einen Pakistani (?) neben mir zeigte und diesen nur mit dem Zeigefinger zu sich heranwinkte, kam echte Panik auf. Dieser Pakistani (sah für mich so aus, ich bleibe jetzt mal dabei und soll auf keinen Fall herabwürdigend klingen,) hielt seine Plastiktüte an den Körper gedrückt und wollte gerade nach vorne gehen, als der Beamte wiederum mit der linken Hand das Stopp-Zeichen machte und auf die Tüte zeigend verneinte. Der Mann sollte die Tüte nicht mitnehmen. Dann, ohne Tüte, bei dem Beamten angekommen, „riss“ dieser ihm die Hände „weg“ und nahm Fingerabdrücke mit einem Tempo und auch einem Anflug von Gewalt, wie man es in keinem Krimi sieht. Das war der Punkt, wo ich meiner Frau zuraunte, „wenn der mich so anfasst, dann gibt’s hier gleich richtig Ärger“.
Als wir dann endlich, nach 2 h, dran kamen, waren die Mitarbeiter zu uns Deutschen schon wesentlich freundlicher. Wir wurden alle drei getrennt befragt. Die Fragen lauteten zu meiner Überraschung: „Haben Sie ihrem Onkel deutsche Papiere mitgebracht?“ „Haben Sie Ihrem Onkel Geld mitgebracht“ usw. Dazu muss ich erläuternd einfügen: Mein Onkel lebte zu diesem Zeitpunkt seit 25 Jahren in den Staaten und brauchte von mir nun wirklich kein Geld. Umgekehrt würde da eher ein Schuh draus werden. J Nachdem wir alle Fragen so gut es geht beantwortet hatten wurden wir „entlassen“, durften also einreisen. Mein Onkel klärte uns dann später auf: er hatte mit seiner Freundin (eine Schweizerin) in den Monaten zuvor zahlreiche Urlaubsreisen innerhalb der USA unternommen. Irgendwann hatten sie aber alles gesehen, inklusive Hawaii und Alaska, so dass sie die USA auch mal wieder verlassen wollten. Bahamas und Virgin Islands waren das Ziel. Da sie, seine Freundin, aber ihre Aufenthaltsgenehmigung schon um viele, viele Monate überschritten hatte und sich demnach illegal in den Staaten aufhielt, konnte sie nicht ausreisen. Also hat mein Onkel ihr spontan „neue“ Papiere besorgt, die sie als Amerikanerin auswiesen. Bei der Wiedereinreise stolperten die Zöllner jedoch über ihren starken Akzent, prüften ein wenig genauer und kassierten sie direkt ein, (Abschiebehaft nennt man das bei uns.) nahmen meinem Onkel erst mal PKW-Schlüssel und Papiere ab (den Wagen sah er nie wieder) und ließen ein Strafverfahren anlaufen. Dadurch war mein Familienname, der nicht besonders häufig ist, in Detroit auf die schwarze Liste gerutscht. Und da Detroit ein kleiner Flughafen ist (für amerikanische Verhältnisse) wurden die Beamten dort sofort auf mich aufmerksam. Aber ich kann Euch sagen, wir haben in den Stunden dort echt Blut und Wasser geschwitzt. Aber nun war alles gut und wir waren „drin“.
An einer Mietstation am Flughafen übernahmen wir dann den reservierten Ford Windstar, einen sieben-sitzigen Van, nagelneu, noch keine 1.000 Meilen auf dem Tacho. Wir fuhren für eine Nacht nach Toledo (Ohio) um bei meinem Onkel zu nächtigen und den Schreck erst einmal zu verdauen.
Am nächsten Tag starteten wir fünf Richtung Nordwesten. Vorbei an Chicago (es regnete in Strömen, die Straßen waren überschwemmt und standen reichlich unter Wasser, so dass wir auf eine Tour in die Stadt verzichteten) fuhren wir in Richtung Minneapolis / St. Paul. Im Kopf ist mir von dort unser Besuch in einer netten Italienischen Pizzeria geblieben. Wir hatten Hunger und so bestellten Fabian und ich uns jeder eine große Pizza. Die Kellnerin fragte dreimal nach und wir bestätigten jedesmal: Ja, eine große ! Sie ging dann wortlos weg und kam mit einem Pizzablech wieder, das ungefähr einen Durchmesser von 70-80 cm hatte. Das wäre eine große Pizza. Ok, wir bestellten daraufhin dann noch ein paar kleine Pizzen…
Unser Weg führte uns am nächsten Tag weiter Richtung Winnipeg. Ich hatte dort eine Einladung von einem Timmendorfer Eishockeyspieler erhalten, den wir eben aus Timmendorfer Strand sehr gut kannten. In Winnipeg angekommen hielten wir an einer Tankstelle, riefen Mark McKay an und er kam innerhalb weniger Minuten dort hin um uns abzuholen. Seine erste Frage lautete, was wir nun machen sollten. Unser Vorschlag uns irgendein Hotel zu zeigen, wir wollten Einchecken und unsere Klamotten abstellen, lehnte er ab. Wir sollten bei ihm wohnen, das wäre doch schließlich so geplant gewesen. Das stimmte zwar, allerdings waren wir nun fünf Leute, nicht nur die drei, die er / sie kannten. Und ich wusste aus seinen Erzählungen, das er ein Reihenhaus hatte, in dem bereits seine Eltern wohnten. Seine Eltern = 2 Personen. Mark und seine Frau Sandra und sein Sohn Matt = 3 Personen. Den Sommer über rückten sie alle ein wenig zusammen, es waren ja nur wenige Monate, die die drei in Canada waren. Meist von Mai bis Juli / August nur. Jetzt kamen fünf Deutsche und die sollten auch noch dort wohnen. Aber wir hatten keine Chance. Die Ehebetten wurden geräumt und wir wurden auf die Betten und Zimmer verteilt. Wir haben dort vier traumhafte Tage verbracht. Die Gastfreundschaft war sensationell und ich habe sowas nie wieder erlebt. Mark, Sandra: solltet Ihr dieses hier jemals lesen: ich werde Euch das nie vergessen.
Von Winnipeg aus ging es weiter, wir wollten als nächstes Ziel Calgary ansteuern. Begleitung für diese Fahrt war schnell gefunden. Kerry Goulet, ein weiterer Kanadier der in Winnipeg lebte und in Timmendorf Eishockey spielte, fuhr zeitgleich mit seinen Eltern nach Calgary. Der Weg führte uns über Saskatoon, wo Kerry (und seine Eltern) uns für die eine Nacht mal eben bei seiner Schwester unterbringen wollte. Ihr könnt Euch vorstellen, das diese nicht begeistert war. Selbst eine Familie mit zwei Kindern und dann kommt der Bruder mit den Eltern. Ok, aber die fünf Deutschen, die man nie gesehen oder gehört hatte auch gleich noch mit? Wir hatten Mühe uns in dem Familienstreit durchzusetzen und für eine Nacht in ein Hotel zu ziehen. Abends hatten wir dann in der Stadt noch ein famoses Abendessen, dank der Einheimischen Empfehlungen hatten wir ein tolles Restaurant aufgesucht und bekamen tolles Essen. Witzig war, das Kerry, der mit uns gegangen war, Wert darauf legte, das wir nur Deutsch sprachen. So konnte er in dem Restaurant, in dem man ihn auch kannte, glänzen. Er musste ja alles für uns dolmetschen. J
Die Weiterfahrt nach Calgary am nächsten Tag verlief unspektakulär, außer, das wir erstaunt waren, was Canadier so alles zum Picknick unterwegs auf den Tisch zaubern. Es hätte nur noch gefehlt, das sie auch einen Grill aufgestellt und Fleisch am Highway gegrillt hätten. Kurz vor Calgary haben wir uns dann noch ein Museum zum Thema Dinosaurier angesehen, es war sehr interessant.
In Calgary selbst angekommen, wir hatten gelernt und uns erst ein Hotel gesucht, besuchten wir einen weiteren Hockeyspieler aus Timmendorf, der zuvor darauf bestanden hatte, das wir uns bei ihm melden. Auch hier gab es ein wenig Ärger, er wollte, das wir aus dem Hotel wieder auschecken und bei ihnen einziehen sollten. Seine Frau war da gar nicht mit einverstanden, es wäre zu eng für alle. (Sie hatte Recht). Wir blieben im Hotel. Auch hier hatten wir durch unseren „Einheimischen“ Marvin eine supertolle Zeit. Es gelang Marvin sogar, uns den Sattledome von innen zu zeigen. Eigentlich war er zu dieser Zeit belegt, durch ein Basketballspiel. Das Ding war gut besucht, aber nachdem Marvin den Ordnern erklärt hatte, das wir nur wegen dem Sattledome nach Calcary gekommen wären, hatten diese ein Einsehen und ließen uns kostenfrei rein. Und ich muss sagen: Beeindruckendes Bauwerk.
Ende 1. Teil. 2. Teil folgt sofort.
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Alt 28.10.2008, 14:14   Rundreise durch Nordamerika (Und damit meine ich Rundreise !) Beitrag #2
Donnergott Mann
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2. Teil Rundreise durch Nordamerika

Ein paar Tage später fuhren wir von Calcary weiter nach Banff. Für diejenigen, die es vielleicht nicht wissen: so gesehen ist Banff der „Eingang“ zu den Rocky Mountains. Die Fahrt von Banff nach Jasper ist ein Erlebnis gewesen, welches ich auch nie vergessen werde. Der Hammer war der Lake Luise. Wir hatten vorher Bilder gesehen, nach denen man sagen musste: die wurden nachcoloriert. Solche Farben kann es in Natura gar nicht geben. Als wir dort ankamen wussten wir sofort: solche Farben kann man nicht mal auf Film bannen. Unglaublich. Das war ein Anblick. Mir gehen die Superlativen aus. Auch die reine Fahrt war ein Traum. Wir haben unterwegs mehrere Elche und Schwarzbären am Straßenrand gesehen. An einer Stelle sogar einen Grizzly. Wir wunderten uns von weitem bereits, was für ein Pulk an Fahrzeugen dort an der Straße stand. U.a. war sogar ein Fernsehteam vor Ort und filmte den großen Bären. Wirklich ein Erlebnis.
Auch die weitere Strecke von Jasper über Kamloops nach Vancouver war ein Traum. Die Stadt selbst dann sowieso. Auch hier wieder das ganze Programm mit Stadt anschauen, Füße rund laufen usw. Von Vancouver aus ging es dann weiter gen Süden. An Seattle vorbei, herrliche Wälder mit den riesigen Sequaia (?)-Bäumen, den sogenannten Mammutbäumen sahen wir. In einem Waldstück gab es einen Baum, der im Fuß gespalten war, so dass wir mit unserem Van sogar hindurch fahren konnten. Unglaublich. (Schon wieder so ein Superlativ J). Dann kamen wir nach San Francisco und wir, meine Frau und ich, haben uns sofort verliebt. Eine total geile Stadt (der wir noch zwei weitere Besuche, bis jetzt, folgen ließen) in der wir uns ausführlich umschauten, die obligatorische Stadtrundfahrt machten, Cable-Car fuhren, Fishermans Wharf anschauten und so weiter und so fort. Nach einigen Tagen ging es dann weiter von S.F. aus durch den Yosemite Nationalpark Richtung Death Valley, dann weiter nach Las Vegas. Ich kann nicht sagen, was einen mehr beeindruckt: Yosemite oder das Death Valley. In Las Vegas ist dann sowieso wieder alles anders gewesen. Was für ein Gefunkel und Geglitzer. Unbeschreibbar. 2 Tage Vegas und dann noch ein Flug zum Grand Canyon, dort Führung von einem Indianer und ein schönes BBQ dort vor Ort.
Die Rückfahrt, bzw. Weiterfahrt von Las Vegas, vorbei an Denver, Colorado bis nach Toledo konnte man gut zum abschalten und Verarbeiten der Eindrücke nutzen. Irgenwo in der tiefsten Provinz haben wir dann ein paar Feierlichkeiten zum 4. Juli mit erlebt, mit Feuerwerk usw. In Toledo angekommen hätten wir eigentlich noch ein paar Tage Urlaub machen können : Aber uns hielt es nicht und wir fuhren spontan noch einmal nach Niagra Falls. Die Fälle sind auf jeden Fall beeindruckend, auch wenn wir zuvor in den Rockys schon höhere gesehen hatten. Zum Schluss blieben dann noch ein, zwei Tage Entspannung in Toledo, inklusive Wasserskien auf dem Lake Erie usw.
Ebenfalls nie vergessen werde ich das Gesicht der Mitarbeiterin bei der Autovermietung als ich den Wagen zurückgab. Sie dachte ich verstehe kein Englisch, oder zumindest nicht so gut, als ich immer wiederholte, der Leihwagen hätte jetzt 15.000 Meilen runter…. Sie ging zum Schluss raus und guckte und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Dabei waren nur 5 Wochen vergangen.
Alles in allem ein wirklich traumhafter Urlaub ! Und schon jetzt können wir es kaum erwarten im Herbst 2009 wieder rüber zu fliegen. Dieses mal das erste mal Neu England.

Abschließend hoffe ich niemanden gelangweilt zu haben und auch niemanden aufgrund der Länge des Textes überfordert zu haben. Danke, wenn Ihr es bis hierher gelesen haben solltet.
Donnergott ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.10.2008, 19:52   Rundreise durch Nordamerika (Und damit meine ich Rundreise !) Beitrag #3
Kali
eh. AF-Fan
 
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Registriert seit: 29.10.2005
Beiträge: 3.457
Bilder: 15
Hallo Donnergott,
wieso langweilen
So spannen wie deine "fast Gefangennahme" ablief.
Kali ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.10.2008, 07:32   Rundreise durch Nordamerika (Und damit meine ich Rundreise !) Beitrag #4
Donnergott Mann
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Benutzerbild von Donnergott
 
Registriert seit: 27.10.2008
Ort: Ostholstein
Beiträge: 31
Danke für das Kompliment, Kali !
Donnergott ist offline   Mit Zitat antworten
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