Ich fürchte in Sachen Arbeitsschutz und -sicherheit und Sicherheitsvorschriften im Allgemeinen bin ich ein typischer deutscher Staatsbürger: Da sollte alles hübsch seine Ordnung haben...
Zwischenzeitlich sind wir nun in China Town gelandet und überlegten uns spontan, mal in ein chinesiches Restaurant zu gehen. Die Auswahl ist riesig, das Vertrauen in die Etablissements gering und so folgen wir spontan einem Päarchen, das sehr gesund und wohl bei Verstand scheint und gehen einfach hinterher. Drinnen angekommen sitzen die unterschiedlichsten Typen, angefangen von "normalen" Amerikanern, Asiaten, Geschäftsleute mit Schlips und Kragen, junge, alte und das ist eigentlich immer ein gutes Zeichen.
Wir sind scheinbar die einzigen Touristen und fühlten uns deshalb besonders authentisch und bekommen einen Tisch mitten im Lokal. Toll... genau der richtige Platz zum gucken und beobachten und als NYC Neuling gibt es da eine Menge zu sehen...
Mein Blick streift umher und ich stelle fest - um an den Anfang der Geschichte zurückzukommen: einen TÜV haben die hier sicher nicht. Die Elektrokabel sind auf das abenteuerlichste verlegt und war es mal zu kurz, wird mit Klebeband das nächst einfach dazu gepappt. Ich musste sofort schmunzelnd an meine Freundin zu Hause denken, die sicher gleich wieder rausgegangen wäre. Die Hygiene war auch sehr speziell und so stellte ich mir vor, welchen Spass unser Ordnungsamt und die "Gesundheitspolizei" hier so hätte.
Schön war auch der Schrank, der mir gegenüber an der Wand stand: Es fehlten mittlerweile die Türen und so hatte ich ungehinderten Blick zu Klopapierrollen, Reinigungszeugs aller Art, Servietten und Besteck und was man alles sonst noch so für ein ordentlich

geführtes Restaurant braucht.
Mein Vertrauen in ein tolles Essen war trotzdem groß: so viele Menschen hier im Raum konnten doch nicht irren

???

Sarah hatte sich was weniger abenteuerliches bestellt - ich glaube es waren Nudeln mit Hühnchen, aber wir waren von unserer Wahl begeistert und während ich meine kunstvoll geschnitzten Zutaten verspeiste, hatte ich freien Blick zum Klopapier...
Das Essen war toll und blieb nebenwirkungsfrei, wir genossen die Mulitkultiatmosphäre und nachdem wir noch schnell ein Foto von dem Restaurant von außen machten (wer weiß, vielleicht wollen wir es irgendwann mal wieder finden

) bummelten wir nun satt und zufrieden durch China Town.
Hatte ich zu Hause das letzte Mal so in den 70igern einen "Schutzmann" in Aktion gesehen, war ich ganz Perplex, dass es das in einer Stadt wie New York noch gibt. Oder wieder gibt oder immer noch gibt...
Keine Ahnung - ich fand sie toll, wie sie den chaotischen Verkehr im Griff hatte und meine Familie musste mich förmlich wegziehen, damit noch ein bißchen Platz auf meiner Speicherkarte für andere Sehenswürdigkeiten bliebe.

Rückblickend muss ich sagen, das mein erstes China-Town-Erlebnis auch das beste und schönste gewesen ist. An diesem Tag konnte man so richtig in dieses Leben hier eintauchen, sich mitziehen lassen von dem
Sog der Leute und meiner Meinung ist dieses China Town gleichzeitig auch das Authentischste...
Na gut - aus meiner touristischen Sicht natürlich. Ein Asiate sieht das womöglich komplett anders



.

Nach einigen billigen "I Love NY" T-Shirts - die sich zu Hause dann auch als das rausstellten was sie waren: nämlich billig - verließen wir diesen quirlligen Stadtteil - allerdings nicht, ohne meiner neuen "Freundin" noch einen Besuch abzustatten.

Das Leben auf der Strasse pulsiert hier nur so und ich kann jedem empfehlen, der das erste Mal in dieser Stadt ist, einige Zeit hier einzuplanen. Die Fotomotive gehen oder fahren sozusagen im Sekundentakt an einem vorbei...