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Reiseberichte Hoher Norden

Reiseberichte über Alaska, Yukon, die Northwest Territories und Nunavut.


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Alt 10.03.2006, 13:04   Kluane NP im Yukon Beitrag #1
Baumjoe Mann
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Kluane NP im Yukon

Hallo zusammen,

hier ist dann noch der Artikel zu den Infos über den Kluane Nationalpark im Yukon Territorium ([[Kluane Nationalpark]]):

Auf den Spuren der Eiszeit wandern

Ein helles Fauchen, wie ich es aus Fernsehdokumentationen von Löwen kenne, lässt mich überrascht herumfahren. Ein Grizzlybär stürmt durch das ausgetrocknete Flussbett auf uns zu. Nein, noch schlimmer: Eine Bärin. Denn fünf Meter hinter ihr stellt sich ein Junges auf seine Hinterbeine. Der Super-GAU. Ich drehe mich um und renne panisch los. Nach vier Schritten fällt es mir siedend heiß ein: Niemals nie nicht wegrennen, wenn ein Bär angreift. Doch Wissen und Umsetzen sind zwei verschiedene Dinge. Es kostet mich meine ganze Willenskraft zu stoppen, mich umzudrehen und die Arme auszubreiten. Mitwanderer Glen macht das Gleiche. „Ich habe zwei Sekunden gar nichts gedacht“, erzählt er mir später. Ob ich es ohne ihn ebenfalls geschafft hätte, Ruhe zu bewahren?

Wir befinden uns auf der Slims River West Route in der Region am Sheep Mountain des Kluane Nationalparks. Das Schutzgebiet im äußersten Südwesten des kanadischen Yukon Territoriums grenzt an Britisch Kolumbien und Alaska. Hier liegt der Mount Logan, mit 5.959 Metern höchster Berg Kanadas, inmitten eines der größten nonpalaren Eisfelder der Welt. Eine wilde, urwüchsig anmutende Landschaft von karger Schönheit. „Breathtaking – Atemberaubend“, hatte mir Chris im knapp 160 Kilometer entfernten Whitehorse den Park empfohlen. Und wirklich, der Pfad entlang des Westufers des Slims Rivers bietet spektakuläre Einblicke in die Parklandschaft. Nicht umsonst ist dieser Trek weit über die Grenzen Kanadas bekannt. Ebenso wie der gesamte Park ist er jedoch selbst zur Hauptreisezeit nicht so überlaufen, wie beispielsweise die Parks Denali, Banff oder Jasper.

„Was haben wir falsch gemacht?“

Nun, „atemberaubend“ trifft auf die momentane Situation mit Sicherheit zu. Die Bärin kommt mit enormem Tempo auf uns zu gefegt. Noch 50 Meter. Tausend Gedanken schießen mir gleichzeitig durch den Kopf. „Mist, das Bärenspray ist im Rucksack. Da komme ich nicht rechtzeitig ran.“ Noch 40 Meter. „Verdammt, was haben wir falsch gemacht? Wir haben laut miteinander gesprochen und sind mit dem Wind gegangen. Wir können sie nicht überrascht haben.“ Noch 35 Meter. „Der Wald ist zu weit weg. Außerdem liegt der Fluss noch dazwischen. Keine Chance.“ Noch 30 Meter. „Schluck, zehn Meter noch und ich lasse mich fallen und spiele toter Mann.“ Noch 25 Meter. „Maaaaammmmmiiiiiiieeeeee!“

In 20 Meter Entfernung bleibt die Bärin stehen und richtet sich auf. Sie ist nicht größer als ich – etwa 1,80 Meter – aber dreimal so breit. Runter auf alle viere stürzt sie weiter auf uns zu. Etwa 15 Meter vor uns stellt sie sich erneut auf ihre Hinterbeine. Wir reden beruhigend auf sie ein. Das soll helfen. Ich frage mich bis heute, was ich wohl gesagt haben mag. Sie wendet sich von uns ab. „Glück gehabt, Gefahr gebannt, Zeit meinen touristischen Pflichten nachzukommen“, denke ich. Ich zücke meine Kamera und drücke ab. Der elektronische Filmtransport ist in dieser Stille wirklich unglaublich laut. Ich ernte einen bitterbösen Blick von Glen, beobachte eine sich umdrehende und erneut aufstellende Bärin und verfüge seit dem über ein total verwackeltes Bärenbild.

Beim Bärenrapport im Visitors Center, sagt uns der Ranger: „Das war nur ein Scheinangriff.“ Scheinangriff!!?? Der spinnt wohl. Sollen sie ihren Bären doch Schilder zum Hochhalten mit dem Wort „Scheinangriff“ mitgeben, dann bräuchte ich nicht so eine Angst haben. Ist doch wahr. Außerdem hält ihn der „Scheinangriff“ nicht davon ab, den Trail für alle nachfolgenden Wanderer erst mal zu schließen. „Die Bären fressen jetzt rund um die Uhr, um Reserven für den Winterschlaf anzulegen. Sie flüchten nicht mehr unbedingt, wenn sie in einem Beerenfeld auf Menschen treffen“, erklärt er uns noch das Verhalten der Bärin. Da bin ich ja beruhigt.
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Alt 10.03.2006, 13:04   Kluane NP im Yukon Beitrag #2
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Kluane NP im Yukon, Teil 2

Durch Bäche und Schlamm

Bereits vorher hatte diese Wanderung einige Überraschungen für mich parat. Die erste Flussüberquerung, ein fünf Meter breiter, reißender und vor allem eiskalter Bergfluss. Einen Meter vor dem rettenden Ufer zog es mir die Beine weg und ich landete samt Rucksack im Fluss. Kletschnass wanderte ich weiter am Ufer des Slims River entlang. Hier sollte sich jede Menge Gletscherschlamm abgelagert haben, in dem man einsinken kann. „Wir haben mal einen Wanderer rausholen müssen, der mehrere Stunden darin fest steckte“, hatte mich Jill im Visitors Centre gewarnt. Das die Amis immer so übertreiben müssen. Plötzlich sackten mir die Beine weg und ich steckte bis zu den Knien im Schlamm. Nach kurzer Zeit hatte ich meine Füße befreit. Weitere drei Minuten später angelte ich meine Schuhe aus dem Schlamm.

In einer gewagten Kletterpartie – Originalton Jill: „Wenn du den richtigen Weg nicht findest, kannst es auch über die Felsen versuchen, aber das ist mit Trekkingrucksack ein wenig heikel“ – umging ich diese Schlammfalle. Und wirklich, mindestens 50 Prozent des Schweißes auf meiner Stirn entsprangen dem Gedanken, dass es nicht gut wäre, jetzt auszurutschen und 25 bis 30 Meter tief zu fallen. Nächstes Hindernis war ein kleines, etwa 500 Meter breites Wäldchen. Doch es ist kein aufgeräumter, deutscher Wald, durch den man locker spazieren kann. Dicht an dicht stehen die oftmals verdorrten Fichten. Und dazwischen noch hohe Büsche. Mehrmals blieb ich mit dem Rucksack zwischen zwei Bäumen hängen. Jeden Meter galt es sich zu erkämpfen. Nicht zu vergessen die Hitze und die Geißel des Nordens: Moskitos.

In einem ausgetrockneten Bachbett, war ich mir über den weiteren Verlauf des Weges nicht mehr ganz sicher. Hinter mir sah ich einen weiteren Wanderer. Der baumlange Glen aus New York wollte ebenfalls zum Observation Mountain. Wir schlossen uns zusammen. Auf zartes Drängen meinerseits kamen wir gemeinsam zu dem Entschluss, dass der Weg hier in die Berge führen müsste. Als wir dort noch Fußspuren sahen, war die Sache klar. Etwa eine halbe Stunde mühten wir uns steil bergauf. Der Weg war etwa einen knappen Meter breit, links die Felswand, rechts der Abgrund. Die entdeckten Spuren wurden immer kleiner. Wir folgten einem Pfad der hier heimischen Dallschafe. Den nächsten Vorsprung nutzten wir zur Neuorientierung. Uns bot sich ein atemberaubender Blick auf die stattlichen Bergriesen, das mächtige Tal und die kakaofarbenen Fluten des Slims River und ... den Weg, den wir eigentlich hätten nehmen müssen.

Atemberaubender Kaskawulch Gletscher

Zum Glück war es August und knapp 500 Kilometer unterhalb des Polarkreises abends noch lange hell. Gegen Mitternacht erreichten wir völlig ausgelaugt den primitiven Zeltplatz. Hier gab es Raum für fünf bis sechs Zelte und ein Outhouse. Außer uns war niemand da. Rund 30 Kilometer hatte ich in den vergangenen zwölf Stunden zurückgelegt. Ich war total erschossen. „Wie ist es mit dem Essen?“, fragte Glen. Ich schüttelte nur den Kopf und baute mein Zelt auf. Schnell die Lebensmittel bärensicher in die Bäume gehängt und noch während ich es mir im Schlafsack so richtig bequem machte, schlief ich ein.

Doch alle Strapazen haben sich gelohnt. Am nächsten Tag stehen wir auf dem Observation Mountain. Die Bärenmutter mit ihrem Jungen umgingen wir nach der kleinen Attacke weiträumig – „Wenn das Vieh noch einmal auf uns zu rennt, springe ich sofort in den Bergbach und lasse mich von seiner Strömung forttragen, auch wenn ich mir dabei alle Knochen breche“, unterrichte ich Glen von meinen Verteidigungsplänen – und steigen einen am Fuß kargen und steilen Berg hoch. Auf halber Höhe überraschen uns subalpine Wiesen. Gelb, blau, rosa und lila überragen die Blumen das kräftige grün des Grases. Plötzlich ein Flattern unmittelbar vor uns. Durch den Angriff der Bärin ein wenig für Gefahren der Natur sensibilisiert, sind wir beide einem Herzinfarkt nahe. Doch es sind nur Schneehühner – nahe Verwandte der inzwischen allgemein bekannten Moorhühner – die vor uns auffliegen. Sie vertrauen ihrer wirklich hervorragenden Tarnung bis zum letzten Moment.

Der nächste Anblick erinnert mich an den Urzeitfilm „Am Anfang war das Feuer“: Eine riesige, Gras bewachsene Hochebene und im Hintergrund endlose, Schnee bewehrte Bergketten. Also, wenn ich in der Steinzeit ein Mammut gewesen wäre, wäre ich genau auf dieser alpinen Tundra rum gelaufen. In der Tat bildete ein Teil des Yukon-Gebietes, heute für viele ein Synonym für eisige Kälte und Schnee ohne Ende, während der letzten Eiszeit einen gletscherfreien Streifen zwischen dem heutigen Alaska und dem Nordwest Territorium. Im Beringia-Museum am Flugplatz von Whitehorse sind rekonstruierte Skelette von damals in diesem Gebiet lebenden Tieren, wie einem gigantischen Riesenbiber – kein Scherz – und einem Säbelzahntiger ausgestellt.

Vom Gipfel des Observation Mountain genießen wir einen sagenhaften Blick auf den Kaskawulch Gletscher. Wie zwei riesige Straßen vereinen sich zwei kilometerlange und meterdicke Gletscherströme, die aus verschiedenen Tälern fließen, zu einem. In der Ferne sehen wir an diesem sonnigen Tag die zwischen 4.000 und fast 6.000 Meter hohen Bergriesen der St. Elias Mountains mit ihrem ewigen Eis. Ein Anblick, an dem wir uns gar nicht genug weiden können. Schließlich haben wir anderthalb Tage dafür gekämpft. Dadurch bekommt diese unglaubliche Aussicht einen höheren Stellenwert, als ein Punkt, der einfach und bequem mit dem Auto angefahren oder mit dem Flugzeug angeflogen wird. Das Wort „atemberaubend“ wir diesem Anblick nur teilweise gerecht.
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Alt 10.03.2006, 13:05   Kluane NP im Yukon Beitrag #3
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Kluane NP im Yukon, Teil 3

Königsweg Cottonwood

Ganz anders die Landschaft auf dem 83 Kilometer langen Cottonwood Trail. Diese Wanderung, oftmals auch Königsweg des Kluane genannt, liegt in der Nähe des Dorfes Haines Junction. Ist die Landschaft in der Sheep Mountain Region felsig, schroff und abweisend, durchläuft der Wanderer hier ausgedehnte Fichtenwälder, Gras bewachsene Hügel und hat Ausblicke auf die 2.000 bis 3.000 Meter hohen Berge der Auriol Range. Der insgesamt zu bewältigende Höhenunterschied beträgt nur rund 500 Meter und es wird eine maximale Höhe von knapp über 1.200 Meter erreicht.

Doch auch auf dieser vier bis fünf Tage langen Wanderung kommen mir trotz Hauptsaison nur insgesamt acht Wanderer entgegen (man kann den Trail von zwei Richtungen in Angriff nehmen). Nach einer kurzen Begrüßung wird die obligatorische Frage gestellt: „Hast du irgendwelche Bären gesehen?“ „Nee, nur Bärenkot, der aber noch nicht sehr alt schien. Und ihr?“, frage ich zurück. Solowanderer sind eher selten, meistens stoße ich auf Zweier- oder Dreier Teams. „Nein, auch nichts“, kommt die Antwort. Wir tauschen Informationen über die nächsten Kilometer der jeweils folgenden Strecke aus, bevor ich mich mit einem freundlichen „Viel Spaß noch“ verabschiede, dem mit ziemlicher Sicherheit ein „Sei vorsichtig“ folgt.

Pro Tag lege ich rund 20 Kilometer zurück. Ein weiterer Vorteil der den Kluane von den überlaufenen Parks unterscheidet: Ich darf mein Zelt da aufbauen, wo ich gerade Lust dazu habe, einen schönen Platz entdecke oder wo es die Natur eben zulässt. Angelegte, provisorische Zeltplätze – mit einem Outhouse, einigen zum Zelten geebneten Plätzen, einer Feuerstelle und manchmal einer Sitzbank – sind selten. Manchmal werden jedoch Gebiete für Zeltübernachtungen gesperrt, wenn dort zahlreiche Bärenaktivitäten gemeldet worden sind. Informationen darüber bekam ich bei der Parkverwaltung, bei der sich jeder Wanderer für Mehrtagestouren an- und vor allem wieder abmelden muss

Weideröschen und Baumwollgras

So kommt es, dass für heute 27 Kilometer auf meinem Plan stehen. Ich laufe durch das Herzland des Trails, die Cottonwood Flats, durch die auch der gleichnamige Fluss führt. Problemlos ist zu erkennen, wo der Name her rührt: Überall stoße ich auf ganze Büsche des Baumwollgrases. Die faserigen, weißen Köpfe der Pflanze stehen in schönem Kontrast zum leuchtenden rosa des Weideröschens, den verschiedenen Grüntönen der zahlreichen Pappeln und Fichten und natürlich dem blau des Himmels. Wie im gesamten Yukon Territorium regnet es im Kluane Park nicht viel. Die meisten Regenwolken werden vom nahen Küstengebirge aufgehalten und lassen ihren Niederschlag dort ab. Oftmals ziehen die dunklen Wolken vorbei, Regenschauer dauern nur wenige Minuten.

Bestimmt zum zwanzigsten Mal durchquere ich einen der eiskalten Bäche. Die Prozedur ist immer dieselbe: Eine flache und strömungsschwache Stelle suchen, Wanderschuhe und -socken ausziehen, die Trekking-Sandalen fest angurten und dann geht es durch die erfrischenden Fluten. Die Bäche sind meist nicht breit, Brücken gibt es kaum. Seltener, aber auch schwieriger ist die Durchquerung von Flüssen. Besonders zur Mittagszeit, wenn die Temperatur am höchsten und die Flüsse durch geschmolzenes Gletschereis am meisten Wasser führen, ist Konzentration angesagt, will man nicht ein eiskaltes Bad nehmen. Mir helfen jetzt die mitgeführten Wanderstöcke, durch die ich in der starken Strömung zusätzlichen Halt bekomme.

Plötzlich endet der Pfad vor mir. Erst gehe ich an einem Bach entlang, dann kämpfe mich durch die dicht an dicht stehenden Büsche. „Bush whacking“ wird diese anstrengende, Beine, Arme und Gesicht zerkratzende Fortbewegungsart auf englisch genannt. Zur Orientierung steige ich einen kleinen Hügel hoch. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin oder wo ich hin muss, aber da es wunderschön ist, halte ich mit der Kamera voll drauf. Von den ausgetretenen Wegen abzuweichen bringt immer neue Aussichten, doch besser ist es, wenn das geplant geschieht. Nach einer Weile stelle ich fest, dass ich einem Wildwechsel gefolgt bin und gehe wieder zurück zum letzten Punkt, an dem ich mich auf dem richtigen Weg befand.
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Alt 10.03.2006, 13:06   Kluane NP im Yukon Beitrag #4
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Kluane NP im Yukon, Teil 4

Nordlicht über dem Lagerfeuer

Bei der nächsten Bachüberquerung sehe ich in einiger Entfernung zwei Wanderer und folge ihnen blind. Mein Vertrauen in meine navigationstechnischen Fähigkeiten hat stark gelitten. Die beiden Berliner warten auf mich und erklären, dass sie zum Mount Goatherd wollen. Der einzige Weg der vom Cottonwood abgeht und pro Jahr vielleicht von zehn Leuten begangen wird. Also wieder zurück. Dann werden es eben 30 Kilometer. Bei den letzten fünf Kilometern bin ich ganz schön platt. „Wärst du doch beim Kanu fahren geblieben, da kannst du dich mit der Strömung treiben lassen und hast keine 20 Kilo Gepäck auf dem Rücken“, geht mir immer wieder durch den Kopf. Trotzdem macht das Wandern in dieser urwüchsigen Landschaft Spaß.

Spät abends ist es endlich geschafft. Ich nehme den schweren Rucksack vom schmerzenden Rücken und koche mir noch vor dem Aufbau des Zeltes mein Essen. An einem Bachdelta auf einem Lagerfeuer. Ein schöner Tag neigt sich dem Ende zu. Ich habe mein Ziel erreicht, bin physisch ziemlich erschlagen, fühle mich aber gleichzeitig sehr zufrieden mit dem Geschafften. Noch lange sitze ich glücklich am Lagerfeuer. Die Krönung dieses Tages ist ein Nordlicht, das weiß-grün über den sternenreichen Himmel tanzt.

Der letzte Wandertag soll mit seinen 15 Kilometern eine ruhige Erholungstour werden. Aber er zieht sich unheimlich in die Länge. Ich erreiche das Ufer des Kathleen Lake und denke hinter jeder Biegung, dass ich mein Ziel erreicht hätte. Da geht es noch mal steil bergauf durch die Wälder. Klasse Aussichten auf den See bei Sonnenschein, leider regnet es. Die Wurzeln auf dem Weg sind recht glitschig und nur meinen Wanderstöcken habe ich es zu verdanken, dass ich nicht dauernd auf dem Hosenboden lande. Ich will nur noch ankommen. Ziemlich fertig erreiche ich die Schutzhütte am Wegende. Jedoch nicht so fertig, um nicht schnellen Schrittes und fröhlich vor mich hin pfeifend an anderen Wanderern vorbei zu marschieren. Der Durst ist gar nichts, der Schein ist alles.

In ein paar Tagen, spätestens in zwei Wochen wird der gesamte Park unter einer dichten Schneedecke liegen. „Ideal für den Ski-Langlauf, Schneeschuh-, Hundeschlitten- oder Schneemobiltouren“, schwärmt mir Ron abends in einer Bar in Haines Junction vor und ergänzt: „Der Anblick der Berge ist dann einfach atemberaubend.“ Da ist es wieder. Und im nächsten Sommer warten die Donjek- und die Slims East-Route. Oder doch lieber das Kluane Plateau? Und was ist mit dem Mount Decoeli...?
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