Also heute soll es endlich weiter gehen:
Tag 11
Heute Morgen beim Continental Breakfast (Frühstück gabs nur bis 09:30Uhr, war dafür allerdings relativ umfassend) im Motel überraschte uns zunächst die Nachricht, dass das Motel 6 direkt neben uns in der Nacht überfallen worden war. Immerhin hatte es keine Verletzten gegeben, trotzdem starrten alle Gäste ungläubig auf den Fernseher. Den ersten Schrecken noch nicht ganz verdaut, stolperten wir bepackt mit unseren Papieren und einigen Coupons aus der Lobby. Das Wetter war wenig vielversprechend, doch dieses Mal waren wir entsprechend vorbereitet und warm angezogen.
Mit dem Auto machten wir uns auf den Weg zum Las Americas Outlet an der Grenze zu Tijuana, dort wollten wir einen Shopping-Trip im Outlet mit einem Grenzübertritt nach Tijuana verbinden. Idealerweise sind die Parkplätze an der Mall dort zahlreich, sodass man den Leihwagen, welchen man ja nicht über die Grenze bringen darf, beruhigt stehen lassen kann und in einem 5-Minuten-Fußmarsch am Grenzübergang ist. Da noch immer der Dunst des Morgens ganz tief hing, entschieden wir uns, zuerst ins Outlet zu gehen. Das open air Sammelsurium von Geschäften sah denen in Las Vegas zwar sehr ähnlich, war jedoch deutlich größer und sauberer. Zudem war es überhaupt nicht überlaufen, was ein ganz entspanntes Einkaufen ermöglichte.
Von Geschäft zu Geschäft und Cafe zu Fast-Food-Restaurant schlenderten wir, bis wir im für uns letzten Geschäft gegen Nachmittag entschieden, dass es Zeit war, zur Grenze zu gehen. Eigentlich nicht zu verfehlen, erkundigten wir uns trotzdem noch einmal bei einem Verkäufer, wie wir zur Grenze kämen. Mit kritischem Blick musterte er uns und fragte, ob das wirklich unser Ernst sei. Er würde uns auf gar keinen Fall raten, über die Grenze zu gehen, insbesondere nicht allein! Ein wenig verunsichert hakten wir nach und er antwortete bereitwillig, selbst in Tijuana zu wohnen, und sich ab der Dämmerung nicht mehr allein durch die Straßen dort zu trauen. Zum anderen sei die Straßenführung in Tijuana sehr verwirrend, sodass man sich schnell verlaufen könnte....Ein schneller Blick auf die Uhr ließ erkennen, dass die Dämmerung in 3 Stunden einsetzte...hmmmm....Ich weiß nicht, ob er sich einen Spaß daraus machte, uns zu schockieren, oder ob dies der Wahrheit entsprach, auf jeden Fall hatte er uns ordentlich verunsichert. Nichts desto Trotz wollte ich einen Blick auf Mexico werfen. Den Menschenmassen folgend kamen wir schnell in einem schmalen Gang an, viele Kameras überwachten uns dabei, wobei die Officers der Border Patrol mit finsterem Blick auf uns herab schauten. Vor lauter Ehrfurcht traute ich mich nicht einmal, meine Kamera aus der Tasche zu holen. In der wirklich bedrückenden Stimmung gelangten wir an das Ende einer scheinbar unendlichen Menschenschlange und über die Brücke der Autobahn strömten immer mehr Menschen nach. Warnschilder über und über, unmöglich zu übersehen, warnten vor dem bloßen herumstehen vor dem Kontrollgang. Wir schlängelten uns an den Leuten vorbei nach vorne zum Kontrollbereich. Zusätzlich durch hohe Metallgitter und weiterer zahlreicher Kameras gesichert, tat sich dieser vor uns auf. Die Menschen die in der Schlange anstanden, waren beeindruckend leise für so eine Masse von Personen, was die Situation noch beängstigender machte. Ich blickte nach rechts und konnte den richtigen Grenzzaun durch eine Schicht Maschendrahtzaun sehen. Die Wellblechtore waren mit Stacheldraht vor dem Überklettern gesichert, zudem gab es eine Sicherheitszone bis zu einem weiteren Zaun, dazwischen patrouillierte die Border Patrol mit Hunden und Fahrzeugen. Angeheizt durch die Erzählungen des Verkäufers und der bedrückenden Eindrücke die wir hier erlangen konnten, erschien der Grenzüberschritt plötzlich wie der freiwillige Schritt in die Hölle. Also machten wir kehrt und liefen zurück zum Auto. Aus der Ferne versuchten wir doch noch ein paar Eindrücke von Mexico zu bekommen, jedoch hingen die Wolken immer noch tief, sodass die Stadt drüben in einem weißen Schleier versank.
An der Küste entlang fuhren wir zurück in Richtung San Diego. Kurz vor der Stadt entschieden wir uns trotz des Wetters für einen Abstecher nach Coronado. Die Stadt mit dem eigenen Namen am Strand (Ja, stimmt wirklich, schaut es euch auf GoogleMaps an!) ist nicht wirklich groß, jedoch idyllisch und vermittelt ein einmaliges Urlaubsflair. Gesäumt von traumhaften Villen spazierten wir an dem riesigen Strand entlang und genossen die Aussicht auf die jagenden Pelikane und den Sonnenuntergang hinter den Wolken.
(ein Teil des Schriftzuges "Coronado")
(Pelikan in Sturzflug)
Mit Einbruch der Dämmerung brachen wir auf und machten uns auf den Rückweg. Ein kurzer Stop an der Polizeistation in Coronado entfachte in mir erneut das Jagdfieber nach Patches, weshalb wir auch an dem Headquarter der San Diego Police noch einen Zwischenstop einlegten. Beide Polizeistationen waren bereits geschlossen, jedoch konnten wir in Coronado einen Streifenwagen abpassen und in San Diego selbst platzten wir in eine Polizeiübung.
Mittlerweile um zwei Patches reicher, nahmen sich die Polizisten in San Diego Zeit, einen ausgedehnten Plausch mit uns zu halten. Wir erfuhren, nicht nur, dass die ansässige Polizei ein Jugendprogramm aufgebaut hatte, dass Kinder ab 16 Jahren von der Straße holen und gleichzeitig die Möglichkeit geben sollte, auf den Polizeiberuf vorbereitet zu werden, sondern auch, dass die Unterstützer dieses Programms Polizeibeamte sind, die ihre Freizeit freiwillig dafür opferten. So triezte vor unseren Augen gerade ein SWAT die Kinder beim Ausdauerlauf, der Leiter der Patrol notierte die Zeiten und zahlreiche andere Kollegen standen für die nächste Übung bereit. Zudem erfuhren wir, warum uns die Stadt so ruhig und leer gefegt erscheint: In San Diego arbeiten zwar viele Menschen, die Meisten wohnen dort jedoch nicht. Nach Feierabend ziehen sie sich in die ausserhalb liegenden Wohngebiete zurück und geniessen dort den Abend. Zudem sind viele Militärs und deren Angehörige in San Diego / Corona wohnhaft, welche oft nicht da und wenn doch dann bei ihrer Familie sind. Orte wie das Gaslamp sind derweil überwiegend von Touristen besucht, der Andrang dort richtet sich nach der Saison.
(Petco Park)
Nach dem wirklich interessanten Gespräch packte uns der Hunger. Da wir es am Tag zuvor schon nicht zu Phils BBQ geschafft hatten, machten wir uns direkt auf den Weg dort hin. Nachdem ich mir die Folge man vs. food „Phils BBQ“ im Netz angesehen hatte, konnte ich es kaum erwarten, dort einzukehren. In der Dunkelheit fuhren wir an dem Diner jedoch erstmal vorbei. Kein Wunder, es war stockduster. Als wir die Adresse heraus gesucht hatten, hätte wir auf die Öffnungszeiten achten sollen. Montags ist in Phils BBQ Ruhetag! Natürlich war heute Montag....Eine Kreuzung zuvor waren wir an einem Burger King vorbei gekommen. Auch heute verhalf uns ein fetter Burger davor, nicht vom Fleisch zu fallen....