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27.02.2003, 02:11
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Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen Beitrag #1
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Benutzer
Registriert seit: 03.07.2001
Beiträge: 7.868
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Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen
Zitat:
Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen
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Berlin (rpo). Dieser Vorschlag aus dem Finanzministerium sorgt für heftigen Wirbel: Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen.
Im Bundesfinanzministerium gibt es Überlegungen, die Abgabe in eine reine Gewinnsteuer umzugestalten. Entschieden sei jedoch noch nichts, erklärte das Berliner Ministerium am Mittwoch. In der Kommission zur Gemeindefinanzreform entbrannte heftiger Streit über den Vorstoß der Regierung. Ein Konsens zwischen Politikern, Wirtschaft und Gewerkschaften ist bislang nicht in Sicht.
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Gesehen in Rheinischer Post. Dort wurde auch noch darauf hingewiesen, dass es angeblich nicht zu einer zusaetzlichen Belastung der Betroffenen werden soll, aber das ist wohl eher Wunschdenken. Auch frage ich mich, was die Gewerkschaften hiermit zu tun haben - Freiberufler sind normalerweise nicht in Gewerkschaften organisiert.
Sehen wir also bald eine Auswanderungswelle von Freiberuflern?
Gruss aus Colorado!
Christoph
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27.02.2003, 08:14
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Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen Beitrag #2
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Ehrenmitglied
Registriert seit: 25.10.2002
Beiträge: 4.254
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Die Welle hat schon begonnen! 
N.
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27.02.2003, 09:50
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Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen Beitrag #3
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Amerika Kenner
Registriert seit: 20.02.2003
Beiträge: 362
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Es ist doch ganz klar, daß der Finanzbedarf unseres Staates stetig wächst und immer mehr Steuern eingenommen werden müssen.
Wenn unsere Herren & Damen Politiker über Einnahmen & Ausgaben nachdenken, kommt in den seltensten Fällen ein "Ausgaben sinnvoll reduzieren" in Frage. Normalerweise werden nur die Einnahmen erhöht.
Also geht man her und schröpft die Leute, die noch über einige Mittel verfügen. Und das sind halt nur noch die Freiberufler ...
Ich hab die Nase voll hier in diesem eigentlich mal schönen Land. Alles geht den Bach runter. Jeder weiß, was alles schiefläuft in D. Aber keiner ist bereit, auch nur ein ganz klein bisschen, auf Besitzstände zu verzichten.
Es kotzt (!!!!) mich an!!
Ich will hier raus ...........   
Habe erstmal fertig ..
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27.02.2003, 11:14
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Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen Beitrag #4
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Amerika Fan
Registriert seit: 11.07.2002
Beiträge: 91
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Wie wär's mit ein bißchen Hintergrundinformation vor dem Aufregen? 
Die Gewerbesteuer wird inzwischen durch diverse Regelungen fast vollständig auf die Einkommensteuer angerechnet, führt also im Endeffekt kaum zu einer steuerlichen Mehrbelastung. Die Steuer geht lediglich in andere Kassen (Gemeinden), was für den Steuerpflichtigen jedoch egal sein kann.
Im übrigen: habt Ihr mal überlegt, weshalb eigentlich Gewerbetreibende (einschließlich Kleingewerbetreibende) Gewerbesteuer zahlen müssen, Angehörige sogenannter Freier Berufe (z.B. gutverdienende Ärzte, Rechtsanwälte, Architekten,...) derzeit jedoch nicht und diese noch nicht einmal einer Bilanzierungspflicht unterliegen? Und wieso eine bestimmte Tätigkeit mal Gewerbetätigkeit, mal Freier Beruf ist? Es ist ein buntes Sammelsurium historischer Vorschriften, geprägt von Interessenverbänden und ihrer Lobby.
(Nebenbei bemerkt: die Steuern sind in Deutschland eindeutig zu hoch und die Bürokratie viel zu stark, aber dann sollte man schon ausgewogene Lösungsvorschläge unterbreiten, die nicht wieder nur einzelne Interessengruppen bevorzugen.)
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27.02.2003, 11:33
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Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen Beitrag #5
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Amerika Kenner
Registriert seit: 20.02.2003
Beiträge: 362
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einigen wir uns auf Ärzte, Rechtsanwälte und sonstige Freiberufler?!? Ob die alle gut verdienen weiß ich nicht. Ist ja auch eine Frage, was denn gutverdienend heißt.
Für unsere Regierung sind alle gutverdienend, die mehr als 40.000 Euro im Jahr verdienen. Also eine ganze Menge.
Im übrigen gibt's auf die Gewerbesteuer den sogenannten Hebesatz, und den legt jede Gemeinde selber fest.
Bleibt unter dem Strich auf jeden Fall eine Steuerbelastung, weil neu eingeführt. Ansonsten hätte man ja auch, was sicherlich bürokratieerleichternd gewesen wäre, den Anteil der Gemeinden an der Einkommenssteuer erhöhen können. Aber nein, lieber noch ein paar mehr Formulare und Auskünfte, die erteilt werden müssen.
Und das sind ja nun Informationen, die nicht unbedingt im Hintergrund stehen müssen, oder :lol: 
Ich bleib dabei. Mit immer mehr Steuern sind's hier bei uns auf dem Holzweg, die Herren Eichel und Schröder usw.
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27.02.2003, 11:43
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Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen Beitrag #6
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Amerika Fan
Registriert seit: 11.07.2002
Beiträge: 91
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Na, nun bleiben wir mal bei der Sache. Bei Steuervereinfachung und -senkung hast Du ja völlig recht.
Bloß ist es leider so, daß das derzeitige Steuerrecht einen völlig willkürlichen Unterschied zwischen Gewerbetreibenden und Freiberuflern macht. Der Inhaber des Zeitungskiosk ist Gewerbetreibender, der Inhaber der Arztpraxis nebenan (möglicherweise Laborarzt mit Millionenumsatz im Jahr) Freiberufler mit entsprechenden steuerlichen Vorteilen. Gerecht??? Wohl kaum. Schau Dir mal den Katalog Freier Berufe an und erklär mir dann, wieso das derzeit so ist und nicht anders.
Gezahlte Gewerbesteuer wird größtenteils auf die Einkommensteuer angerechnet. Einerseits in gezahlter Höhe als Betriebsausgabe absetzbar, andererseits noch Pauschalregelung nach § 35 EStG (Ermäßigung um 180 % des GewSt-Meßbetrages).
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27.02.2003, 12:21
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Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen Beitrag #7
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Amerika Kenner
Registriert seit: 20.02.2003
Beiträge: 362
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Hey super, dann sind wir uns ja völlig einig bzgl. Steuervereinfachung und -senkung.
Und gerecht ist die Aufteilung von Gewerbetreibendem und Freiberufler sicherlich auch nicht mehr, da althergebracht und nicht mehr auf unsere heutige Welt (Wirtschaft und die Menschen) anwendbar ist.
Aber:
eine Absetzung der Gewerbesteuer vermindert nur den Gewinn der Firma. Das heißt aber nix anderes, als daß der zu versteuernde Gewinn nur reduziert wird. Demzufolge bleibt immer noch eine ganze Menge übrig. Und welche Gemeinde fährt heute mit 180 % als Hebesatz. Meines Wissens liegt der doch normalerweise bei weit über 300 %. Ist ja auch klar. Woher sollen die Gemeinden denn noch Ihre Zahlungen (Transferleistungen) finanzieren.
Bin halt nur der Meinung, daß das gesamte Steuersystem bei uns in D völlig krank ist. Wir befinden uns in einem riesigen Gelee-Topf und zwar mittendrin. Und jeder, der versucht das ganze etwas aufzuweichen, damit wir wieder voran kommen in D, wird verteufelt und alle schreien auf. Und zwar Politiker, Gewerkschaften & Arbeitgeber.
Wir lassen es zu, daß unser Land sich selber lähmt ????????
Das kann doch nicht sein. Ich kann mich doch nicht darauf verlassen, daß wir in absehbarer Zeit wieder glücklich irgendwelchen Pferdefuhrwerken hinterherlaufen, Gräser mähen und Kartoffeln ernten.
Was glaubst du ist der Grund, daß wir inzwischen immer noch in Europa als Land mit der schwächsten wirtschaftlichsten Entwicklung dastehen??
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27.02.2003, 13:50
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Freiberufler sollen künftig Gewerbesteuer zahlen Beitrag #8
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Amerika Fan
Registriert seit: 11.07.2002
Beiträge: 91
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Da sind wir uns im Grundsatz völlig einig, Markus. Wenn's nach mir ginge, gäbe es längst eine einheitliche niedrige "flat tax" (konstanter Prozentsatz ohne Progression) bei gleichzeitigem Wegfall aller Vergünstigungen. Ich bin mir völlig sicher, daß unter dem Strich für den Staat am Ende mehr rausspringen würde als jetzt.
Um auf Dein Zahlenbeispiel zurückzukommen. 300 % Hebesatz bei der GewSt unterstellt. Diese sind als Betriebsausgabe absetzbar. Rechnen wir mal vorsichtig, 40 % ESt-Satz. Das bewirkt eine Entlastung bei der ESt um 0,4*300 % = 120 % des GewSt-Meßbetrages. Zusätzlich(!) kommt die Pauschalregelung nach § 35 EStG hinzu, also Reduzierung der ESt um 180 % des GewSt-Meßbetrages. Gesamte Ermäßigung bei der ESt damit 120 % + 180 % = 300 % des GewSt-Meßbetrages, also per saldo keinerlei Mehrbelastung. Das ist allerdings erst seit ein paar Jahren (ich glaube 2001) so.
Mich störte beim Eingangsposting - wie auch bei manchen anderen Postings hier - vor allem eines. Es wird in diesem Forum nicht selten holzschnittartig vergröbert nach dem Motto " Amerika gut - Deutschland schlecht". Hier wurde konkret der sachlich falsche Eindruck erweckt, es käme auf Freiberufler eine neue Steuerbelastung zu, die nirgendwo kompensiert würde.
Gerade von Menschen, die das Leben in Deutschland und in den USA kennen, würde ich eigentlich ein differenziertes und abgewogenes Urteil über die Verhältnisse hier wie da erwarten und nicht nur plattes Schwarz-Weiß-Denken. Es ist halt auch in den USA nicht alles Gold, was glänzt. Aber so ist es halt: die "reumütigen Konvertiten" sind die überzeugtesten Anhänger der neuen Lebensart und neigen dazu, ihre zweifellos vorhandenen Nachteile zu vergessen. [bitte beachten: Humor] 
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