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09.11.2005, 13:11
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Eisenbahnkreuzfahrt USA Beitrag #1
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Gast
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Eisenbahnkreuzfahrt USA
Mein Reisebericht ist zwar schon etwas älter, nämlich aus dem Jahr 2000, aber vielleicht interessiert sich ja jemand für eine ganz andere Art die USA zu bereisen, nämlich auf Schienen. Meine Rundreise dauerte fast fünf Wochen und führte mich auf mehr als 23.500 Kilometern durch 38 Bundesstaaten der USA und in eine kanadische Kleinstadt.
Aufgrund der Fülle der Eindrücke und Erlebnisse kürze ich den Bericht etwas ab und stelle ihn abschnittsweise hier vor. Wenn ihr genug habt, lasst es mich einfach wissen. Also „All Aboard“!
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09.11.2005, 13:18
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Eisenbahnkreuzfahrt USA Beitrag #2
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Gast
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Re: Eisenbahnkreuzfahrt USA
04. – 06. September 2000
Nach einem kurzen Inlandsflug mit Lufthansa von Dresden nach München und dem genauso gewöhnlich wie langweiligen Transatlantikflug mit Delta nach New York bereite ich mich bei einem ersten USA-Trip natürlich akribisch auf die Einreise vor, die dann, fast enttäuschend, nur ein paar Minuten in Anspruch nahm. Als Student mit begrenztem Budget lies ich die Taxis und Shuttles natürlich links liegen, um den gut ausgeschilderten und vor allem kostenlosen Bus zur U-Bahn zu nehmen und alle Langzeitparkplätze rund um den JFK kennenzulernen. Nach einer knappen Stunde Durchrütteln und einer kurzen Einweisung in den Metrocard-Automaten saß ich endlich in der Subway, die mich mit nur einem Umstieg zu meinem Billighotel im nördlichen Manhattan, fast in Harlem brachte. Die Größe des Einzelzimmers war genauso bescheiden wie der Ausblick auf die zwei Meter entfernte Häuserwand gegenüber, aber ich wollte ja nur in Ruhe schlafen.
[smiley=06]

Vom Jetlag zu unchristlicher Zeit geweckt, fuhr ich am nächsten Morgen mit allen Pendlern Richtung Südmanhattan, um die kostenlose Fähre nach Staten Island zu suchen. Die Fahrt war fantastisch, zumal ich auf der Hinfahrt wohl der einzige Passagier auf dem riesigen Schiff war und der Blick auf die Freiheitsstatue und die Skyline Südmanhattans ein perfekter Einstieg in meinen USA-Trip darstellte. Der nächste Teil meiner Stadterkundung müsste heute leider ausfallen, da der Besuch der New Yorker Börse nicht mehr gestattet und das World Trade Center bzw. sein Nachfolger wohl erst in ein paar Jahren wieder zu besichtigen ist. Der Blick vom Aussichtsdeck war grandios, zumal das Wetter sich von seiner schönsten Seite zeigte.
Um das auszunutzen führte mich mein Weg anschließend über die Brooklyn Bridge, die ich noch schöner als die berühmtere Golden Gate Bridge in Erinnerung habe. Zurück in Manhattan verkostete ich in Chinatown einige exotische Kleinigkeiten, um mich für den Nachmittag in SoHo und den Spaziergang durch Greenwich Village zu rüsten. Obwohl diese Stadtviertel aus Filmen und Serien so bekannt sind, passte die Ruhe so gar nicht in das Gesamtbild von New York, sorgte aber für einen entspannten Ausklang des Tages. *8)

Für den zweiten Tag im Big Apple hatte ich mir vor allem den Central Park, dessen Ausmaße vor allem in Nord-Süd-Richtung gigantisch sind, sowie die Fifth Avenue und Umgebung vorgenommen. Am Rockefeller Center fand gerade eine riesige Hochzeit statt. Bis heute konnte ich nicht herausfinden, wer sich da so pompös getraut hat. Natürlich musste ich auch einen Blick in die Grand Central Station werfen, die noch stark an die Pionierzeiten erinnert, von der aber leider schon lange keine Fernzüge mehr fahren. Bis zum UN-Gebäude schaffte ich es schon gar nicht mehr. Offenbar werden bei Vollversammlungen alle Straßen um das Gebäude weiträumig abgesperrt, wie ein Officer mir als ahnungslosem Tourist mitteilte.
Auf dem Rückweg sah ich schon von weitem die lange Menschenschlange, die vor mir das Empire State Building erklimmen wollte, so dass ich das wie auch die Museen auf den nächsten Besuch verschob. Natürlich musste ich aber noch zum Times Square, den wohl berühmtesten Platz der Stadt, wenn man die großzügige Kreuzung des Broadways mit dem rasterförmigen Straßennetz überhaupt so nennen kann. Zum Abschluss des Tages ließ ich mich einfach noch ein bisschen von den Menschenmassen durch die Straßen treiben, holte meine Zugfahrkarten, die ich bereits in Deutschland reserviert hatte, vom Amtrak-Schalter und schaute mir den trostlosen Bahnhof Penn. Station unter dem Madison Square Garden an.
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09.11.2005, 13:25
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Eisenbahnkreuzfahrt USA Beitrag #3
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Ehrenmitglied
Registriert seit: 01.01.2001
Ort: Mainz
Beiträge: 2.265
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Re: Eisenbahnkreuzfahrt USA
Zitat:
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... fünf Wochen und führte mich auf mehr als 23.500 Kilometern durch 38 Bundesstaaten der USA und in eine kanadische Kleinstadt.
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Hallo Torric, mach bitte unbedingt weiter. So eine Reise finde ich total faszinierend und ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen und Erlebnisse. Allein schon der Titel des Threads : 
Gruß, Christian
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09.11.2005, 15:50
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Eisenbahnkreuzfahrt USA Beitrag #4
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Gast
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Re: Eisenbahnkreuzfahrt USA
Soviele Vorschusslorbeeren! Hoffentlich kann ich die auch einhalten. Hier kommt auf jeden Fall der zweite Teil, in dem dann auch wirklich Züge vorkommen.
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09.11.2005, 15:54
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Eisenbahnkreuzfahrt USA Beitrag #5
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Gast
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Re: Eisenbahnkreuzfahrt USA
07. – 09. September 2000
Weiter geht es mit der eigentlichen Rundreise. Diese begann am frühen Morgen kurz nach 7 Uhr mit dem Maple Leaf, der New York mit Toronto verbindet und einen für mich wichtigen Zwischenstopp an den Niagarafällen einlegt. Der Zug war außergewöhnlich leer, so dass es kein großes Problem war, einen schönen Fensterplatz auf der linken Seite zu ergattern. Links deshalb, weil der Maple Leaf bis Albany, der Hauptstadt des Bundesstaates New York entlang des Hudson River fährt und man fast auf der ganzen Strecke den regen Schiffsbetrieb auf dem Fluss und die großen Highwaybrücken darüber sehen kann. Nach nur wenigen Minuten erlebte ich aber erst einmal eine faustdicke Überraschung. Mit mir im Abteil saß eine afroamerikanische Familie mit ihren Kindern, die mich kurzerhand zu einem ausgiebigen Frühstück einlud und die Fahrzeit doch sehr verkürzte.
Am Nachmittag erreichte der Zug Buffalo und der Schaffner erklärte mir, dass mein Rail Pass nur bis zum us-amerikanischen Bahnhof der Niagarafälle gültig sei, obwohl der kanadische Bahnhof viel zentraler liegt. Zum Glück fanden sich auf dem Bahnsteig, der von erfahrenen Taxifahrern nur so wimmelte, schnell kleine Gruppen, so dass sich der Fahrpreis bis zur Rainbow Bridge im Rahmen hielt. Mein Weg führte mich nach der unkomplizierten Grenzkontrolle gleich zu den Fällen, um das Naturwunder, was ich schon so oft auf Bildern gesehen hatte, endlich live erleben zu können. Für die Bootstouren war es schon zu spät, aber selbst aus sicherer Entfernung spürte man die Kraft des Wassers. Als Unterkunft hatte ich mir im Internet ein kleines No-Name-Motel ein paar Meter von den Fällen entfernt gesucht. Mein erstes Motel überhaupt war sicher keine Luxusherberge, aber verglichen mit dem New Yorker Hotel schon fast ein Traum, vor allem mit eigenem Bad. ;D

Nach einem ausgiebigen Frühstück am nächsten Morgen, was ich vor allem dem günstigen Umrechnungskurs des kanadischen Dollars verdankte, war ich einer der ersten auf dem Maid of the Mist-Boot. Konnte ich gestern die Wasserkräfte nur erahnen, war die Bootstour heute eines der eindrucksvollsten Erlebnisse meines Urlaubs, das man auf keinen Fall verpassen sollte, wenn man schon mal an den Fällen ist. Nachdem ich mein Gepäck aus dem Motel geholt und mir mit zwei Quartern die Wiedereinreise in die USA erkauft hatte, machte ich mich auf den Weg zu den Stadtbussen nach Buffalo, die auch den Bahnhof von Niagara Falls anbinden.
Der Maple Leaf in die Rückrichtung nach New York wurde an der Grenze etwas aufgehalten und kam ein paar Minuten zu spät an. Ziemlich schnell wurde auch klar, dass der Zug dieses Mal wesentlich voller werden würde, den es war Freitagabend und es stiegen mehr und mehr College-Studenten ein, so dass auch dieses Fahrt nicht so langwierig wurde, wie ich zunächst dachte. In New York war der Zug dann leider wieder pünktlich, etwas Verspätung hätte ich mir gewünscht, da mein Anschlusszug nach Boston erst gegen 1 Uhr in der Nacht fahren würde. So verbrachte ich die restlichen Stunden im abgesperrten Warteraum der Penn. Station, was zumindest aus Sicherheitsaspekten ganz gut so war.

Der Nachtzug nach Boston war wiederum nur mäßig gefüllt und pünktlich, so dass ich keine Schwierigkeiten hatte, zwei Plätze für mich zu beanspruchen und halbwegs bequem einzuschlafen. Das Platzangebot war sehr großzügig, aber absolut kein Vergleich zu den Superlinern im Westen. Aber darauf komme ich noch. Viel Schlaf blieb auf der kurzen Strecke nach Boston nicht, weshalb ich mich gleich nach Ankunft am Bahnhof mit Kaffee eindeckte, bevor ich mein Gepäck loswurde und die Stadt erkunden konnte.
Die Orientierung in Boston fiel mir trotz des fehlenden Straßenrasters nicht allzu schwer, da ja der Freedom Trail alle wichtigen Sehenswürdigkeiten berührt. Und so spazierte ich entlang der vielen interessanten Gebäude aus der Kolonialzeit bis ich zu einer riesigen Baustelle kam, die mir den Genuss sehr versäuerte. Heute weiß ich, dass man gerade begonnen hatte, die mitten durch die Stadt führende Interstate unterirdisch zu verlegen. Damals musste ich mitten durch die Baustelle, weil der Freedom Trail eben so ausgeschildert war. Deswegen musste ich meinen Frust auch erst bei einer leckeren Pizza im italienischen Viertel nördlich der Altstadt loswerden, bevor es weiter zum Hafen und der USS Constitution ging. Um meine Füße zu schonen, fuhr ich zurück mit der T, der Bostoner U-Bahn, die mich auch direkt auf den Campus der Harvard University brachte. Dort konnte ich das lustige Treiben beobachten, das einmal im Jahr stattfindet, wenn die Eltern ihre Kinder das erste Mal zum College bringen. Da ich bis zur Abfahrt des Nachtzuges nach Washington noch etwas Zeit hatte, besuchte ich mit dem Aquarium und dem Boston Tea Party Ship zwei eher kitschige, typisch amerikanische Sehenswürdigkeiten der Stadt. :-*
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09.11.2005, 15:54
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Eisenbahnkreuzfahrt USA Beitrag #6
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Little Helper
Registriert seit: 26.04.2004
Ort: Schwäbisch Hall
Beiträge: 4.866
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Re: Eisenbahnkreuzfahrt USA
Hi Torric !
Bin ja auch ein kleiner Eisenbahnfan und ich kann mich der
Meinung und auch der Begeisterung von Christian nur an-
schließen.
Allerdings macht mir dein Stil und auch der von Hannibal sehr
zu schaffen, denn mein Bericht steht ja noch aus und eure
bildhafte Sprache ist ja nicht zu toppen. [smiley=04]
Da muss ich mich mächtig anstrengen um auch nur annähernd
mithalten zu können. [smiley=08]
Grüßle HANS
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09.11.2005, 16:48
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Eisenbahnkreuzfahrt USA Beitrag #7
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Amerikaner
Registriert seit: 26.04.2005
Ort: Vancouver
Beiträge: 1.474
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Re: Eisenbahnkreuzfahrt USA
Hi Torric,
ich find deinen Bericht auch einfach super!!! Vor allem ist's mal ganz was anderes - hoert sich echt spannend an... und die Idee mit der Eisenbahn einen Teil der USA zu bereisen hat sich bei mir gerade festgesetzt...
LG
Rebecca
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10.11.2005, 14:18
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Eisenbahnkreuzfahrt USA Beitrag #8
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Gast
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Re: Eisenbahnkreuzfahrt USA
Vielen Dank, es freut mich natürlich, wenn sich ein paar interessierte Leser finden. Und wenn es mir dann noch gelingt, jemanden davon zu überzeugen, es selbst mal mit dem Zug zu versuchen, um so besser. Deswegen folgt hier jetzt auch der dritte Teil.
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