Wenn du dich kostenlos registrierst kannst du neue Themen verfassen, an Umfragen teilnehmen und vieles mehr. Falls Du bei der Registrierung oder Anmeldung Probleme hast, dann kontaktiere uns.
 |
|
|
30.01.2010, 13:52
|
Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #1
|
|
Neoncowboy light
Registriert seit: 24.01.2009
Ort: EIC-Country
Beiträge: 752
|
Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98
Mammut-Tour a la Greenhorn (Classic '98)
Das was ich jetzt versuche hier zu berichten ist mit Sicherheit kein Reisebericht mit wertvollen Tipps für Trails und Hinweise auf versteckte landschaftliche Schönheiten. Es handelt sich um meine erste USA-Rundreise anno 1998. Ein Stück her schon, gespickt mit blutigen Anfängerfehlern. Da hier ja gern noch Passagiere zusteigen, muss ich gleich mal warnen. Diese Tour wird kein Zuckerschlecken, Ihr müsst äußerst gern Auto fahren, Euch in der Ernährung umstellen und dürft nichts gegen billige Motels haben.... Alle Erstreisenden können hier nachlesen was sie besser nicht machen sollten und erfahrende USA-Reisende können sich vor Lachen die Bäuche halten oder sich die Haare raufen. Eine irre Tour, … Erholungseffekt unter Null. Viel gesehen aber bloß nicht richtig, Vorwort: USA aus Versehen
Die Story hat natürlich eine Vorgeschichte. Es war zum Jahreswechsel 1997/98, ich machte derzeit meine Umschulung zum Reiseverkehrskaufmann. Ich hatte gerade ein längeres Praktikum im Reisebüro um den Alltag dort kennenzulernen. Wie man Badeurlaub in Spanien, Ferienhäuser in Skandinavien und Busfahrten zur Tulpenblüte nach Holland verkauft. War interessant und hat auch Spaß gemacht.USA war nicht so nachgefragt, hier und da mal Flugtickets für Familienbesuche etc. Mein Mitumschüler und späterer Tour-Guide war zeitgleich in einem anderen Reisebüro und war damals schon zweimal in den Staaten. Beide waren wir ungebundene Singles.
Mit den Sonderangeboten kam ein Flyer der Condor reingeschneit, „2 fliegen – Einer zahlt!“ Die Condor hatte damals eine neue Route ins Programm aufgenommen, München – Las Vegas via Köln mit Zwischenstopp rückzu in Denver. Dazu bot man einen Mietwagen inklusive an. Alles so um die 1400DM rum, für 2 Personen ein toller Preis. Da kam also mein Spezi zu mir in mein Reisebüro und sagte er fände niemand der zu der Zeit mit ihm mitfliegen könne und ich sagte scherzhaft, „ meine Güte dann komme ich eben mit“. Wir simulierten die Buchung am Computer mal ob das tatsächlich für den Preis geht. Es ging! Allerdings kommt hier schon Lektion 1, „immer das Kleingedruckte lesen!“ In dem Moment war das Angebot nämlich fest gebucht! Es gab nicht wie bei anderen Buchungen Reservierungsoptionen, alles war sofort im Kasten. Man nennt das „Buchen ohne Verstand, oder wer lesen kann ist klar im Vorteil.“ Jetzt war Schluss mit Flachserei, wir hatten soeben zwei Tickets gebucht. Ach Du Schreck, das war eigentlich überhaupt nicht eingeplant für das Jahr. Was nun? Ganz klar, ab auf die Stadtverwaltung und einen Reisepass beantragt. Im Jahr 8 nach der „Wende“ hatte den noch nicht sehr viele Bürger in Neufünfland, genügte ja meist der Perso in Europa.
Ganz ehrlich, ich hatte von nichts eine Ahnung was die USA angeht. Ich hätte auch geglaubt Mount Rushmore liegt neben Disneyland. Entfernungen konnte ich nicht einschätzen. Das Land kannte ich nur aus den Nachrichten oder dem Kino. Amokläufer, wilde Schießereien, ab und zu sorgt Schwarzenegger für Ordnung, die spielen dort den ganzen Tag Football und essen Burger bis es qualmt. Rock-Berühmtheiten wie Bruce Springsteen oder CCR begleiteten mich schon durch mein DDR-Leben, … alles klar, ein Land wo Freiheit groß geschrieben würde (letzteres stimmt übrigens, toll!). Ganz nebenbei, … diese Klischees pflegen viele die sich noch nie mit dem Thema befasst haben.
Es sollte eine Low-Budget-Tour werden. Um besser durchs Leben zu kommen fuhr ich nebenbei noch Taxi an den Wochenende, finanziell war ich nicht besonders stark aufgestellt damals, kam aber zurecht. Der Countdown lief also... Etwa 6 Wochen lagen zwischen der Spontanbuchung und dem Abflug von Köln. Ich machte mir um nichts einen Kopf, Lothar kannte sich ja aus, war ja schon drüben. Auf nach Köln
Es war kurz nach Fasching, Anfang März 1998. An einem Montagmorgen ging der Flieger und der Wetterbericht machte etwas Sorgen. Schnee und Eis waren nochmal angesagt. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, also entschieden wir uns sehr zeitig aufzubrechen. Wie gesagt sehr zeitig..., wollten wir doch auf keinen Fall den Flug gefährden weil wir unterwegs feststeckten, immerhin über 300km bis Köln-Bonn.Wir fuhren kurz vor Mitternacht ab, der Flug ging am späten Vormittag. Natürlich war ich noch nie so schnell nach Köln gefahren wie in dieser Nacht. Alles frei auf der A44 und der angesagte Schneefall erfreute vielleicht die Kinder in der Oberpfalz. Aber auch gut so. Auto abstellen auf einen riesengroßen Langzeitparker-Stellplatz. Natürlich fuhr kein Shuttlebus frühs kurz vor Drei. Schleppen war angesagt, aber wir sind ja groß und kräftig. Durch einen geöffneten Nebeneingang kamen wir ins Terminal. Außer ein paar Reinigungskräften gehörte der Airport uns. An Sleep and Fly hatten wir natürlich nicht gedacht, ich war vorher noch zwei Nächte Taxi gefahren und eigentlich stehend ko. Die Ersten am Check in, gute 5 Stunden zu früh! Gut das wir uns an der Tanke unterwegs ein Sixpack Bier mitgenommen hatten, aber Vorsicht.... man will ja nicht angebrütet einchecken oder gar noch nicht befördert werden wegen Trunkenheit. Als angehende Reiseverkehrsleute sollte man ja Bescheid wissen. Die Zeit ging nicht rum, elend lang zog sich die Nacht. Die ersten Reisenden nach Berlin und sonst wohin gaben uns aber Hoffnung, … es gibt noch Leben in Köln-Bonn! Und irgendwann gesellten sich weitere Menschen zu uns mit Ziel Las Vegas und wunderten sich über ein paar rumstehende Bierbüchsen.... Mein erster Transatlantik-Flug
Irgendwann kam die Maschine aus München die die Kölner Zusteiger aufnehmen sollte. Auf den besten Plätzen saßen natürlich die Leute die schon in Bavaria eingestiegen waren. Ein großer Airbus, roch noch irgendwie neu. Mittelplatz in der Mittelreihe. Ich bin recht groß und überlegte gleich ob ich mir gleich einen Knoten in die Beine mache... Takeoff! Neben mir eine liebenswerte ältere Dame aus dem Sauerland und zur anderen Seite Lothar der wohl schon vor der Nordsee in den Schlaf des Gerechten fiel. Meine Nachbarin zur Rechten tat dies nicht. Es war wirklich eine nette Person. Ich konnte mir spätestens über Schottland vorstellen wie sie die leckersten Kuchen bäckt, gen Island wurde ich mit der Familienhistorie bekannt gemacht. Die Schwester wohnte seit den 50ern bei Las Vegas, ist mit einem GI in die Staaten gegangen. Weiter will ich nicht ausholen, sonst steigt wohl möglich niemand bei uns ein.... Die Familien-Saga wechselte auf Höhe Grönland in den Speiseplan für die nächsten zwei Wochen. Ehrlich, einen rheinischen Sauerbraten mache ich Euch heute noch aus den Effeff vom Feinsten. Böse sein konnte ich der Dame allerdings auch nicht, es war eben eine nette Omi die wohl für ihr Leben gern erzählte. Kurz vor Kanada stellte ich mich schlafend... Zehn Jahre später, auf meinem zweiten Flug in die Staaten hatte ich eine kleine Asiatin als Nachbarin, die war muxmäuschenstill. Anno 2008 dankte ich meinen Schöpfer für so viel Gnade und dachte an die Omi mit dem Sauerbraten und bleierte ab und zu in einen leichten Schlummer. Von Sauerbraten von damals träumte ich dabei eher nicht...
So lange war ich noch nie geflogen, mal in den Mittelmeerraum oder ganz früher mit einer IL18 nach Budapest (eines der letzten Abenteuer im real existierenden Sozialismus!), das geht ja fix, manche Taxifahrt dauerte seiner Zeit länger. Was man so aus dem Fenster ab und an mal erspähen konnte sah alles andere als spannend aus. Der Präsident empfing uns nicht auf dem Monitor mit warmen Worten und Arni schaute auch nicht rein ob alles in der Spur läuft, schlichtweg unspektakulär. Der freundliche Condor-Pilot machte die Passagiere auf den Bryce Canyon zur Linken aufmerksam. Was sollte das sein?! … ich sah nur rotes Gestein. Ein wirkliches Greenhorn war ich also, keine Ahnung von nichts, sollte doch dieser Nationalpark in meiner Hitliste später ganz weit vorne landen. Beim Landeanflug auf Las Vegas saß ich natürlich auf der Seite wo es außer Wüste nichts zu sehen gab. Was sollte ich hier?!? Ich überlegte ob ich Lothar, der vor einer Stunde schon wieder erwacht war und selbst die Bordmahlzeiten verpennte, hassen sollte. Durch die Imigration und schon gab es den nächsten Patzer. Lothar hatte man am Haken. Hier wurde die Lektion 2 der „grünen Karte“ behandelt. Bei seiner letzten Ausreise war die wohl nicht ordnungsgemäß bearbeitet worden so das mein Reisekollege seit dem als illegal im Land galt. Dieses Problem konnte zwar mit den Stempeln im Pass geklärt werden, aber dadurch waren wir die Letzten am Gepäckband und gar die Allerletzten die bei der Autovermietung ankamen. Natürlich hatte der ganze Flieger dieses Sonderangebot wahrgenommen und es macht sich nicht von selbst so gut 100-150 Paare mit Autos auszustatten. Aber als alter „Ossi“ kannte man sich ja noch gut mit anstehen aus... Damals gab es das Mietwagen-Center beim Flughafen noch nicht, alle Vermieter hatten eigene kleine Busse die die Leute rankarrten. Einen Plymouth Neon wurde unser Gefährt, nicht sehr groß aber für zwei Personen ganz ok. Das Auto wusste noch nicht an wen es geraten war und was ihm die nächsten zwei Wochen an Meilen bevor stand. 
Weit mussten wir nicht mehr, nur um zwei Ecken zum Motel6. Schnell noch einen Sprung in den kleinen Pool..., dies musste der Himmel auf Erden sein. Entspannen!!!!! Meine Blicke fielen auf das riesige MGM Hotel gegenüber das das benachbarte Motel6 fast zu erdrücken schien. Es war wohlig warm im Pool wie bei uns im Sommer und ich konnte es nicht fassen das es erst nachmittags um 4 war wo ich doch schon ewig auf den Beinen war. Danach fiel ich halbtot auf dieses wunderbare Bett und schlief auf der Stelle ein.
|
|
|
30.01.2010, 13:57
|
Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #2
|
|
Neoncowboy light
Registriert seit: 24.01.2009
Ort: EIC-Country
Beiträge: 752
|
1.Nacht in Las Vegas
Mitten in meinen KO-Schlaf wurde ich von Lothar etwas unsanft geweckt, ich solle mal langsam in die Gänge kommen. Schlafen könnte ich noch wenn ich tot bin, schließlich wären wir in Las Vegas … und das ist so richtig toll erst bei Nacht! Da hatte er Recht. Es war inzwischen so kurz nach 12 in der Nacht, rein in den Neon und eine Runde über den Sprit gedreht. Ganz großes Kino! Stau mitten in der Nacht kannte ich nicht, all diese bunten Fassaden der Hotels, die glitzernden Reklamen. Ich war überwältigt. Vielleicht noch vergleichbar mit meiner erster Fahrt durchs nächtlich Westberlin zu Wendezeiten. Natürlich kann man Westberlin nicht mit Las Vegas vergleichen, mir blieb wirklich der Mund offen stehen vor staunen. 96,3KKLZ spielte bombatische Rockmusik im Radio. Geil! Totale visuelle Reizüberflutung. Wir fuhren runter zur Freemont Street in Downtown. Um diese Zeit waren dort aber auch schon die Lichter ausgegangen, soll heißen die Lichtshows waren schon vorbei und kaum noch Menschen unterwegs. Ein Serviceteam war dabei am Leuchtehimmel ein paar Leuchtkörper auszuwechseln, in einer anderen Ecke drehte ein Team eine Szene für irgendeinen Film oder Fernsehserie. Also den Strip wieder hoch und ein spät nächtlicher Spaziergang durch die umliegenden Hotels. Ich war schon wieder sowas von Baff, MGM, New York New York, Excalibur und das tollste war das Luxor von dem man nur den Spot sah und die Lichter die auf den Kanten entlang blitzten. Einfach irre! Es war inzwischen so zwischen 3 und 4 Uhr in der Früh und in allen Ecken saßen noch Leute an den Slot-Machines und Spieltischen. Das klimpern der Coins in den Cubes war damals noch ständig zu hören (schade das man das nicht mehr hat, das gehörte zu Las Vegas irgendwie dazu). Es gab so viel zu gucken. Im Luxor wurde dann der Wunsch geboren, „hier willst Du mal richtig Urlaub machen“. Dagegen war das Motel6 ja nur eine ganz kleine Nummer, Low Budget-Tour eben (wobei ich nichts gegen die Kette sagen will, preiswert und meistens ganz gut). Diese erste Nacht in Amerika ging dem Ende zu, zurück ins Bett. Klarer Fall, Las Vegas war Liebe auf den ersten Blick. Hier wollte ich bleiben, mussten wir wirklich diese Rundreise machen???

Anmerkung: Bei den Bilder handelt es sich um Scans. Natürlich bei weiten nicht so kräftig und brilliant wie heute mit digitaler Forografie.
Geändert von eicbaer (30.01.2010 um 14:32 Uhr)
|
|
|
30.01.2010, 14:59
|
Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #3
|
|
Neoncowboy light
Registriert seit: 24.01.2009
Ort: EIC-Country
Beiträge: 752
|
2. Tag: Ab durch die Wüste
Heute sollte es schon losgehen in Richtung Sierra Nevada. Der Jetlag sorgte für eine kurze Nacht. Nach unserem nächtlichen Sightseeing war mein Zeitgefühl völlig aus den Fugen geraten. Ich wollte hier nicht weg, hier war es großartig. Anstatt nach nebenan an irgendeinen Frühstücksbüfett zu gehen machten wir einen Kaltstart und wollten unterwegs was frühstücken. Grober Unfug wie ich heute weiß, ich war der Annahme großes Hotel = großer Preis. Völlig falsch. Damals waren die Büfetts wirklich noch spottbillig, ich meine so um die 5-6$gab es schon gut zu futtern. Weshalb ich nicht aus der Glitzerstadt weg wollte wusste ich spätestens hinter der Stadtgrenze die seiner Zeit noch kurz hinter dem Luxor lag. Wüste! Bis Barstow über die I-15, … das interessanteste waren die riesigen Trucks teils mit Anhänger. Wow! In Barstow der obligatorische Stop am Riesenthermometer. Allerhöchste Zeit für Frühstück, es war mir überhaupt nicht aufgefallen das ich die letzte Mahlzeit im Flieger hatte. Alles durcheinander. Das Frühstück war echt lecker, ein Restaurant gleich neben dem Thermometer hatten wir uns ausgesucht. Anno '98 stand der Dollar noch deutlich stärker gegenüber der D-Mark da. Alles recht teuer und nicht unbedingt täglich tauglich für mein schmales Budget. Auch nach dem Frühstück nichts wie Wüste. Wir entschlossen uns nicht den schnellen Highway Richtung Bakersfield zu nehmen sondern über kleine Nebenstraßen zu fahren. Der Weg sollte heute das Ziel sein. Ich erinnere mich an eine Gegend die nicht wirklich schön war. Ödland, runtergekommene Häuser, teils gammelige Wohnwagen mit einem Autowrack davor. Das sollte jetzt die USA sein? Na toll, da konnte ich auch nach Espenhain oder Böhlen südlich von Leipzig fahren, da sah es lange Zeit nach der Wende noch so ähnlich aus (sorry Leute dort, inzwischen ist viel passiert und auch bei Euch ist es viel schöner geworden). Gegen Nachmittag kehrte das Grün ins Leben zurück, hügeliges Weideland erinnerte mich etwas an Irland. Wiesen und weidene Rinder, es wurde besser wenn auch nicht spektakulär. Wir tourten über schmale Strassen die oft nicht viel breiter waren als der Neon selbst. Navi gab es noch nicht und wir vertrauten voll und ganz unseren Road-Atlas. Das klappte eigentlich immer sehr gut, … ja es gab ein Leben auch ohne Navigationsgeräte! Zuweilen kamen Zweifel ob es denn der richtige Weg wäre wenn einen eine halbe Stunde mal kein Auto begegnete. Wir waren nun in Kalifornien. Visalia sollte unser Tagesziel sein. Ein wahrer Fahrtag. Greenhörner aufgepasst, muß man nicht machen! Meine Empfehlung, erstmal einen Tag am Ankunftsort aklimatisieren und die Stadt erkunden, egal wo auch immer. Kurz vor Visalia fuhren wir durch endlose Orangenplantagen, Orangen-Haine so weit das Auge reichte. Etwas Fallobst ohne Schäden sammelten wir ein, keinen Gedanken daran verschwendend ob das rechtens ist und mit welchen Chemo-Zeugs die behandelt waren. Wir entkamen unerkannt mit einem gefüllten Beutel Obst. Die schmeckten übrigens sehr gut. In Las Vegas hatte man uns das nächste Motel6 schon reserviert, das Tagesziel war erreicht! Gleich nebenan Supermärkte wo wir erstmal üppig Proviant bunkerten. Abendessen gab es an der heißen Theke am Supermarkt. Nicht besonders chic aber durchaus schmackhaft. Kein toller Tag. Ein sonnig-warmer Tag Anfang März. Unterwegs gab es keine Highlights, bzw. wir haben sie nicht entdeckt.

Fortsetzung folgt...
|
|
|
31.01.2010, 09:50
|
Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #4
|
|
Neoncowboy light
Registriert seit: 24.01.2009
Ort: EIC-Country
Beiträge: 752
|
3.Tag: Redwoods und Yosemite
Das Jetlag hatte uns immer noch nicht losgelassen. Sehr früh waren wir schon wieder munter. Jetzt noch lange auf dem Motelzimmer zu hocken machte auch keinen Sinn, also ab auf die Tour. Irgendeinen Nationalpark würden wir heute besuchen, sollte ganz nett sein. An einer Tankstelle gab es Kaffee und Bagels. Nicht der wahre Jakob, aber wir waren ja pflegeleicht. Von Visalia ging es in einen wolkenverhangenen trüben März-Tag. Obstplantagen und nette Häuser säumten die Route, ja hier war es deutlich freundlicher als gestern auf der Fahrt durch das Ödland. Es wurde bergiger, am frühen Vormittag erreichten wir den Parkeingang des Sequoia-Nationalparks. Hier sollten diese riesigen Bäume stehen? Natürlich hatte ich die roten Bäume schon im TV gesehen und was drüber gelesen. Mal gucken... Beim freundlichen Ranger kauften wir einen Golden Eagle Pass, dieser sollte sich klar lohnen auf unserer Reise. Der Ranger erzählte uns noch wohlwollend etwas, das schnelle Englisch ging aber nicht ganz ins Ohr ,so das uns eine wichtige Kleinigkeit entging.
Es ging bergauf, die Wolkendecke lichtete sich. Da sah doch die Welt gleich viel schöner aus. Wunderschöne Panoramen taten sich auf. Durch den schmelzenden Schnee kamen aus fast jeden Felsspalt kleine Bäche hervor. Mit jeder Kehre der Serpentinen wurde der Schnee mehr der sich am Straßenrand türmte. Wir waren anscheinend mutterseelenallein im Park. Bei gelegentlichen Stopp an den Scenic-Views fiel mir die wahnsinnig saubere klare Luft auf … und die fast unheimliche Stille. Keine Geräusche der Zivilisation, nicht mal von weit weg. Dazu diese Aussichten! Fantastisch! Aber wir waren noch lange nicht „oben“, von den Redwoods keine Spur. Es folgten noch einige Kehren und ein leichter Druck im Ohr ließ spüren das man deutlich höher gekommen war. Die Schneemassen links und rechts der tadellos geräumten Straße wurden immer höher. Irgendwann kam man sich vor wie in einer Bob-Bahn (siehe Fotos). Ein bißchen abenteuerlich und traumhaft weiß. Endlich kamen wir dann auch zu den Redwood-Bäumen, … gigantische Riesen! So uralt wie sie sind haben sie schon so viel erlebt, hochinteressant. Standen sie doch schon hier als die ersten Siedler ihre Füße an der Ostküste in die neue Welt setzten. Brände hatten sie überstanden und unendlich viele Stürme. Diese Mammut-Bäume ließen einen ehrfurchtsvoll verharren. Geradezu frevelhaft fand ich da schon den Tunnel-Tree. Eine Sünde aus der Zeit der frühen Auto-Tourismus-Zeiten der USA. Ein Tunnel durch einen Baum, ein Irrsin! Eine „Attraktion“ sicher auch heute noch, ...oder auch nicht mehr. Auf der Tour anno 2009 fand ich diesen Baum nicht mehr. Umgezogen wird er ja wohl nicht sein? Wurde die Straße verlegt oder ist er umgestürzt? Auf einem freigeräumten Parkplatz machten wir eine Brotzeit? Wir hatten ja gut Proviant an Bord an dessen Geschmack sich der thüringer Gaumen erst noch gewönnen musste.

Die Schneehöhe war so bei gut 2 Meter. Ein echt tolles Erlebnis. Ein paar weitere Menschen waren außer uns dann doch noch im Park, … zumindest deren Autos. Wo waren die Zeitgenossen? Ich konnte mir nicht vorstellen das man weit in die Wälder hineinkam bei dem hohen Schnee. Jedenfalls keine Spur von Artgenossen. Wir fuhren weiter, … also zumindest ein bißchen. Hier kam das was uns der freundliche Ranger am Parkeingang sicher mitteilen wollte. „Road closed“, zeigte uns das Schild frech an, eine Durchfahrt durch den Park war somit unmöglich. … kein Durchkommen in Richtung Kings Canyon. Das war auf Höhe der Ranger Station, auch diese war bis zur Dachkante eingeschneit. Ärgerlich zwar, aber spektakulär schön in dieser Welt hoch oben in den Bergen. Wir verweilten etwas, machten Fotos und stellten bald fest das es knackenkalt war. Rückzug.
 (...man beachte den Neon der wie ein Spielzeugauto neben dem Redwood wirkt)

Im Klartext hieß das, … die Bob-Bahn wieder runter und zurück nach Visalia. Gar so sehr trübte das unsere Stimmung aber nicht, war doch die Landschaft wunderschön anzusehen und auf der Rückfahrt entdecken wir Ausblicke die uns bei der Hochfahrt entgangen waren. Unten wieder angekommen empfingen uns warme sommerliche Temperaturen. Die Tour sollte ja weitergehen in Richtung Yosemite. „Wie bitte!“, werden jetzt die Experten entsetzt ausrufen! Sequoia und Yosemite an einem Tag?!?! Das war unser voller Ernst. Achtung Greenhörner, NICHT NACHMACHEN!!! Echt Frevel! Nun hatten wir das Problem das wir einen riesigen Umweg fahren mussten. Das sieht bei Google Maps nicht schlimm aus, dauert aber einige Stunden länger. Wir verließen den Sequoia N.P. am späten Vormittag und fuhren über Visalia und Fresno nach Oakhurst. Irgendwann so zwischen 2 und 3 waren wir in Oakhurst. Größere Pausen gab es nicht, außer zum Tanken. Wir wechselten uns beim Fahren ab. Sollten diese Eindrücke aus dem Redwood-Wald noch zu toppen sein?
Zu toppen vielleicht nicht, aber auf andere Art zu ergänzen. Vorweg gesagt, man kann nicht den einen Nationalpark mit einem anderen vergleichen, das geht nicht. Sequoia war toll, Yosemite sollte es auf alle Fälle auch werden. Das erste Highlight erwartete uns nach der Tunneldurchfahrt. Einer der wohl berühmtesten View-Points im Park. Hier hatten wir schonmal zu tun uns im Gerangel mit zwei japanischen Reisebussen zu behaupten. Oha, hier war schon deutlich Trubel als am Vormittag! Die Aussicht die sich bot war atemberaubend, die Emotionen unserer fernöstlichen Mitbesucher eher ohrenbetäubend. Lange hatten sie allerdings nicht für den Foto-Stopp und die Busse fuhren weiter. Alle Touristen kennen diesen Tunnel-View. Postkarten-Panorama. Der Blick ins Tal mit seinen Wasserfällen ist wunderschön. Ab und an dachte ich daran wie es wohl die Siedler mit einfachsten Mitteln einst geschafft haben sich einen Weg durch solche Landschaften zu bahnen. Wir gönnten uns hier eine längere Verweilpause, saßen auf der Mauer, ließen die Beine ins Tal baumeln und bießen mal in die amerikanische „Polnische“ Wurst aus dem Supermarkt. Low-Budget-Tour eben. Wer bedenkt wann wir im Yosemite angekommen waren und wann es Mitte März dunkel wird weiß wieviel Zeit wir für den Park hatten.Mehr Zeit als die Scenic-Views abzufahren blieb nicht. Dafür wurde es ab etwa 4 Uhr deutlich ruhiger im Park. Die Busse waren weg. Außer der Panorama-Straße war auch noch nicht viel frei zu befahren, vom Tioga ganz zu schweigen. Auf der einen Seite rein und zur anderen wieder raus. Yosemite in dreieinhalb Stunden. Hier wieder der Warnhinweis an Greenhörner, … NICHT NACHMACHEN! Klar gingen wir auch mal ein paar Meter vom Auto weg, aber ehrlich das war sehr oberflächlich. Im Yosemite können Wanderfeunde ohne Probleme einen zweiwöchigen Urlaub machen. Sicher gibt es abseits der Straße erst die wahren Naturwunder zu entdecken. Allerdings ist es sicher auch besser wenn dies den Wanderern vorbehalten bleibt und die breite Masse der Express-Touristen (da nehme ich uns nicht aus) am Scenic-View bleibt und den Park verschont.
Nach vielen Stopps ging es dann bald schon wieder aus dem Park hinaus. Wir passierten ein Gebiet das von einem Waldbrand heimgesucht worden ist. Kahle schwarze Baumstümpfe so weit das Auge reichte. Aber das gehört zum Kreislauf der Natur dazu. Sieht zwar nicht schön aus, aber die Natur macht so mal klar Tisch und fängt von vorne an. 11 Jahre später sollte es hier wieder Grün und bewachsen sein.
In Grooveland gönnten wir uns eine Pause im „Iron Door Saloon“. Dieser ist wirklich originell und für amerikanische Verhältnisse schon richtig alt. Sicher hat hier auch schon manch Goldschürfer aus der Gründerzeit seine Whiskys gekippt. Wer da mal vorbei kommt, schaut mal rein. Der Saloon liegt direkt an der Straße. Die Tagesetappe sollte uns noch bis Modesto führen. Das ist noch ein Stück zu fahren vom Yosemite her. Das ganze inzwischen in der Dunkelheit. Nicht unmöglich, aber kein wahres Vergnügen wenn man dort nicht zu Hause ist. Ein Motel mußten wir uns in Modesto erst suchen. Ein langer harter Tag. Nebenan war irgendein asiatischer Schnell-Imbiss. Ein warmer Happen to go und noch ein Schlummertrunk im Motel, … Ende im Gelände!
Zwei Nationalparks an einem Tag und das noch mit Handicap, nicht empfehlenswert wenn man etwas bewusst wahrnehmen möchte. Das müssen so bei 300 Meilen gewesen sein, … heute sage ich „No go!“ Fortsetzung folgt!
Geändert von eicbaer (31.01.2010 um 10:26 Uhr)
|
|
|
01.02.2010, 10:05
|
Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #5
|
|
Amerika Fan
Registriert seit: 27.08.2009
Beiträge: 95
|
ist noch ein Plätzchen frei? 
Als Vorbereitung auf unseren Urlaub im Mai, fahr ich ein Stück bei euch mit
|
|
|
02.02.2010, 00:41
|
Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #6
|
|
Neoncowboy light
Registriert seit: 24.01.2009
Ort: EIC-Country
Beiträge: 752
|
... gerne doch, wir machen ein bißchen Ordnung auf der Rücksitzbank. Da die Story tatsächlich jemand liest schreibe ich in kürze wie es vor in San Francisco war, ... anno '98. Als Vorbereitung ist diese Tour allerdings nicht sehr geeignet... Willkommen an Bord!
Geändert von eicbaer (02.02.2010 um 00:44 Uhr)
|
|
|
02.02.2010, 01:07
|
Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #7
|
|
Amerika Tourist
Registriert seit: 20.12.2007
Ort: Herne
Beiträge: 106
|
Ich bin auch dabei. Sehr lustig geschrieben, bin schon gespannt wie es weitergeht
|
|
|
02.02.2010, 08:12
|
Die Greenhorn-Tour Südwest anno '98 Beitrag #8
|
|
Wahl-Amerikaner
Registriert seit: 12.05.2005
Ort: Freigericht
Beiträge: 569
|
Noch ein Mitreisender
Hallo,
ich hoffe es ist noch Platz, also sehr schön geschrieben.
Gruß
zimmer_r
|
|
|
 |
|
| Themen-Optionen |
Thema durchsuchen |
|
|
|
Andere Themen im Forum Reiseberichte USA
|
| Thema |
Datum |
Autor |
Antworten |
Letzter Beitrag |
Weihnachten und Silvester 2009 in New York City
Weihnachten und Silvester 2009 in New York City: Hallo, ich möchte einen kurzen Reisebericht zu...
|
02.01.2010 |
Harald2203 |
8 |
01.03.2010 02:49 |
12 Tage - Nevada, Utah, Arizona
12 Tage - Nevada, Utah, Arizona: Hallo alle zusammen,
nachdem meine Planung...
|
19.01.2010 |
Paralyzed |
26 |
26.01.2010 16:33 |
USA Reisebericht Nevada, Utah, Arizona und New Mexico - Herbst 2009
USA Reisebericht Nevada, Utah, Arizona und New Mexico - Herbst 2009: Hallo,
wir waren im Herbst 2009 "mal wieder"...
|
31.12.2009 |
kuchen99 |
0 |
31.12.2009 17:01 |
Schluchtenmarathon - Freud und Leid in NYC
Schluchtenmarathon - Freud und Leid in NYC: Frei nach dem Motto von Frank Sinatra: „If I can...
|
04.11.2009 |
zehrer |
6 |
08.11.2009 15:48 |
|