11. Mai: New York
Unser letzter Tag in New York beginnt so wie der vorige; wir wachen zu früh auf und sind daher schon wieder irgendwann zwischen sieben und acht auf der Straße. Heute steht vor allem der Central Park auf dem Programm, außerdem hatten wir uns Spielraum gelassen, falls wir Montag oder Dienstag irgendetwas nicht geschafft hätten. Aber weil alles so gut geklappt hat, können wir es heute geradezu ruhig angehen lassen. Leider spielt das Wetter zum ersten Mal nicht ganz so mit, es ist kühl und die Sonne versteckt sich im Laufe des Tages mehr und mehr. Dass das noch mit das beste Wetter ist, das wir in den nächsten drei Wochen sehen sollen, ahnen wir noch nicht...
Erneut machen wir uns zunächst auf den Weg zum Grand Central und gönnen uns ein kleines Frühstück. Von da aus gehen wir zielstrebig weiter zum UN-Gebäude - und müssen uns, als wir davor stehen, mehrmals vergewissern, dass wir hier auch wirklich richtig sind. Denn in der Mitte des Hochhauses klafft ein riesiges "Loch", offenbar werden in mehreren Etagen gleichzeitig die Scheiben ausgetauscht, und auch ganz oben und ganz unten wird gebaut. Ein ungewöhnlicher Anblick, aber, gut, im normalen Zustand können wir es uns auch woanders angucken.
So langsam beginnen wir doch zu frieren, wir wollen nächste Woche nicht erkältet sein (die Büffets in Las Vegas warten!) und so beschließen wir, halt eben zwei Schals zu kaufen. Das erste Kaufhaus, an dem wir vorbei kommen und das um diese Zeit schon auf hat, ist ausgerechnet ein H&M. Es widerstrebt uns zwar etwas, das Mode-Pendant von Starbucks zu betreten, aber immerhin werden wir fündig und das noch dazu billig. Auch wenn es schon erschreckend ist, dass ein H&M in Manhattan wirklich exakt so aussieht wie ein H&M in Hagen, Rostock oder Bielefeld.
Weiter geht es an diversen Hotels und Kaufhäusern (jetzt kommen sie natürlich) vorbei bis zum Trump Tower. Gestern in der Wall Street hab ich noch über das unvermeidbare Donald-Building gelästert, doch das hier kenne ich von früher und da mache ich eine Ausnahme: Marmor, "Gold" und Wasserfälle mögen kitschig sein, aber irgendwas an dieser Komposition empfinden wir als ansprechend.
Witzigerweise habe ich hier auch zum ersten Mal das "Ich-bin-in-den-
USA-Gefühl", das ich mit unserer ersten Reise von '98 verbinde. Man sagt ja, dass Düfte der stärkste Auslöser von Erinnerungen sind und so ist es auch in diesem Fall: Der Chlor-Geruch des Wassers wirft mich kurzzeitig um dreizehn Jahre zurück. In dieser geistigen Umneblung bestellen wir sogar einen Kaffee bei Starbucks, die sich inzwischen bis in den Trump Tower gedrängt haben.
Gemütlich bewegen wir uns danach weiter in Richtung Central Park, bis uns der Hunger überkommt.
Meiner Erinnerung nach gab es in der Ecke früher viele leckere asiatische Imbisse - nur wo? Wir suchen verzweifelt und entdecken schließlich lediglich ein großes Einkaufscenter und werden selbst da nur in einem Bio-Supermarkt fündig, in dem man sich breiiges Essen in riesige Pappschachteln klatscht. Sieht komisch aus, schmeckt aber erstaunlich gut.
Es folgt eine ausgiebige Runde durch den Park bis zum Guggenheim Museum, das wir gegen 15 Uhr erreichen. Gestern wären wir von da aus wahrscheinlich zurück gelaufen, aber heute sind wir doch geschafft und nehmen die U-Bahn zum Hotel zurück.
Da ziehen wir uns die anderthalb Stunden lang die NY1-Nachrichten rein und können am Ende die Meldungen auswendig mitsprechen. Wie halten die Moderatoren das nur aus?
Zum Abschluss unseres New-York-Aufenthalts steht noch einmal der Times Square auf dem Programm, dieses Mal bei Dunkelheit. Auf dem Weg dorthin fällt uns auf, wie ungewöhnlich und einmalig die Autofahrer in NY sind: Untereinander verhalten sie sich so, als wollten sich gegenseitig unentwegt an die Gurgel springen, aber gegenüber Fußgänger könnten sie toleranter nicht sein. Egal, ob Menschenmassen oder einzelne Wahnsinnige über eine rote Ampel laufen, es wird immer brav gebremst, nie gehupt. Seltsam.
Wirklich dunkel ist es leider noch nicht, als wir den Times Square schließlich erreichen, also setzen wir uns zunächst in einen "The Counter". Wieder Burger zum Selbstzusammenbauen, hier werden sie aber an den Tisch gebracht und das Ganze ist übersichtlich: Die Kellnerin drückt uns am Anfang eine Art Fragebogen in die Hand, auf dem wir von der Brotsorte über das Fleisch und Gemüse bis hin zu Käse und Soße wirklich alles ankreuzen können, was wir wollen und nicht wollen. Das Resultat kann sich sehen lassen, aber wir wiederum können Burger so langsam nicht mehr sehen und beschließen danach, ein paar Tage Pause zu machen. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Burger Medium gebraten ist; halbrohes Hack ist sicher nicht jedermanns Sache.
Als wir fertig sind, ist es draußen immerhin dunkler, Autolärm, Werbung und Menschenmassen beschallen uns, und wir lassen uns von den bunten Farben der unzähligen Werbe-Displays blenden. Wir können nach drei Tagen natürlich nicht sagen, was "typisch New York" ist, aber dieser bunte, laute und doch irgendwie schöne Mix, trifft zumindest Manhattan für uns sehr gut.
Vielleicht, nein, wahrscheinlich die interessanteste Stadt unserer Reise - und doch ist die Vorfreude auf den morgigen Flug nach San Francisco schon riesig. Südwesten, wir kommen!