Samstag, 07. Juni 2008
Wie immer sorgt der Jetlag bei mir für ein Erwachen mitten in der Nacht, aber dank Internet und Notebook fällt die Beschäftigung bis zum Morgen weniger langweilig aus als früher. Ich nutze die Zeit für E-Mails, Bilder sortieren und sichern sowie die letzten Vorberichte zur Fußball-EM, die hier keinerlei Notiz wert ist.
Nachdem die restlichen Familienmitglieder von den ersten Sonnenstrahlen geweckt werden, alle
Haare gerichtet und die Koffer wieder im gestrigen Zustand sind, sagen wir dem schönen Hotel Auf Wiedersehen und machen uns auf den Weg nach Mystic, was aber eigentlich nur ein Vorort von New London ist. Es ist sehr nebelig und wir nehmen den Highway, weil wir uns auf der Suche nach einem ordentlichen Frühstück dort größere Chancen ausrechnen, was sich auch auszahlt.
Gut gestärkt erreichen wir kurz nach der Öffnung das
Aquarium in Mystic, das verglichen mit anderen Einrichtungen dieser Art recht klein, aber sehr schön ist. Wir konzentrieren uns zunächst auf die Fütterung der weißen Beluga-Wale, was insbesondere für unsere Tochter ein interessantes Erlebnis ist. Mit etwas Überredungskunst und anderen Kindern als Vorbild schaffen wir es auch, sie an den Touch Pool zu locken, in dem man Seesterne, Krabben oder kleine Krebse auf die Hand nehmen darf. Die Seelöwen-Show steht als nächster Punkt auf dem Programm mit vielen lustigen Einlagen, allerdings leidet die Show etwas unter der Kulisse. Zum Schluss nehmen wir uns noch die Außenanlagen mit den Pinguinen vor, denen aber die zunehmende Hitze etwas den Spaß verdorben hat.

Nur ein paar Autominuten vom Aquarium entfernt, findet man die zweite Attraktion im Ort,
den Seaport. Hier wird die Geschichte des früheren Walfängerortes in einem Freilichtmuseum sehr anschaulich dargestellt. Wir erforschen zunächst die alten Segelschiffe und besuchen anschließend die alten Häuser, in denen viele Ehrenamtliche den Besuchern zeigen, wie hart das Leben der Besatzungen damals war oder wie die Schiffe gebaut wurden. Auch das damalige Alltagsleben findet seinen Platz in der Bank, Apotheke oder im Krämerladen.

Wie in fast allen amerikanischen Museen gibt es auch hier einen Bereich für Kinder, in dem man malen, basteln oder puzzeln kann, einer Ausstellung des Spielzeuges aus der Zeit zum Ausprobieren. Unserer Tochter hat es vor allem ein eher technisches Spielzeug angetan. Hier kann man eine Meereskulisse mit Schiffen, Walen, Leuchtturm oder altem Hafen aufbauen, diese dann mittels Kamera und Beleuchtung ins richtige Licht rücken und daraus einen kleinen Film machen. So sind wir am Ende sehr froh, schon am frühen Morgen mit dem Besichtigungsprogramm angefangen zu haben.
Am Nachmittag freuen wir uns auf den klimatisierten Mietwagen, der uns weiter nach Newport in Rhode Island bringt. Nicht zum ersten Mal staunen wir über die gigantischen Brücken, die frühere zeitaufwendige Fährfahrten ersetzen, werden aber auch schnell damit konfrontiert, dass nicht nur wir uns über die leichte Erreichbarkeit des Ortes an einem sonnigen Wochenende freuen.
Recht mühselig zieht sich der Verkehr durch die Kleinstadt, die wenigen Parkplätze in Hafennähe sind belegt, so dass wir beschließen, uns auf die
Mansions, die Prachtvillen der Multimillionäre, zu beschränken. Zwar darf man nahe der Anwesen meistens kostenlos parken, das Betreten des Grundstückes ist bei den meisten Villen allerdings nur gegen eine üppige Eintrittsgebühr möglich, die auch einen Rundgang im Inneren einschließt.
Für die Führungen durch das Innere fehlt uns Zeit und Inspiration, so machen wir einen Wettkampf daraus, wer durch Zaun und hohes Buschwerk den besten Blick auf die Villa findet, um wenigstens ein paar Fotos mit nach Hause nehmen zu können. Obwohl uns Newport sehr gut gefällt, bleibt das Gefühl der Abzocke hängen, wenn man selbst für die Außenansicht der Villen den vollen Eintrittspreis zahlen soll.

Dafür belohnen wir uns mit der Fahrt über den
Ocean Drive, der nichts mit der gleichnamigen Straße in Miami Beach gemeinsam hat. Die Straße führt immer am Meer entlang über die Insel und bietet zahlreiche schöne Aussichtspunkte, aber auch Plätze für ein Barbecue am Meer. Wir fahren jedoch weiter zum
Fort Adams State Park am Ende des Ocean Drive. Für einen Besuch des Forts ist es schon zu spät, aber der Blick hinüber zum Hafen von Newport mit hunderten Segelbooten und Yachten ist faszinierend. Von hier sieht man ebenfalls die Newport Bridge, auf der wir die Insel erreicht haben, in voller Größe und Länge. Außerdem haben wir die Gelegenheit die Wassertemperatur zumindest mit den Füßen vorzutesten, was aber kein Vergnügen ist.

Noch einmal fahren wir über die Newport Bridge, machen uns auf die Suche nach einem Supermarkt, um dem unerwartet heißen Wetter etwas entgegen setzen zu können, und landen nach kurzer Fahrt in Warwick, einem Vorort von Providence, wo wir das
Comfort Inn direkt am Airport gebucht haben. Obwohl deutlich teurer als in der letzten Nacht, kann das Hotel qualitativ nicht mithalten. Die Zimmer sind deutlich kleiner, die Ausstattung spartanischer. Aber es ist alles sauber und vom Fluglärm bekommen wir nichts mit, obwohl wir die großen Flieger von Southwest vom Fenster aus stehen sehen. Gegenüber locken mehrere Fast Food-Ketten und Family Restaurants und wir erliegen wieder dem amerikanischen Gefühl, auch solche Strecken mit dem Auto fahren zu müssen. Allerdings machen es fehlende Fußwege und nicht vorhandene Fußgängerampeln auch allzu leicht.