Tja, ich frage mich auch, ob da noch irgendwo das böse Erwachen kommt

. Bisher hat jedenfalls alles wesentlich besser geklappt als ich es geplant hatte. Vieleicht kommt ja morgen beim 1. Arbeitstag das böse Erwachen.
Was mein Englisch anbelangt:
Starker Deutscher Akzent.
Abgesehen davon hatte ich im März während meines US-Aufenthaltes mehrere Telefonate mit meinem zukünftigem Arbeitgeber, eine längere Telefonkonferenz am 27. März und für den 28. März hatten die dann eine Videokonferenz geplant (ich war in New York, mein AG in Milwaukee).
Das habe ich dann dankend abgelehnt und bin auf eigene Kosten eingeflogen. Ich war der Ansicht, daß ich mir dann ein Taxi zur Firma nehmen könnte, dann dort das Gepräch haben würde, anschließend ein bischen durch Milwaukee laufen würde und dann ein Taxi zurück zum Flughafen nehmen würde.
Was tatsächlich passierte:
- Von der Firma am Flughafen abgeholt worden
- Am Vormittag diverse kürzere Gespräche mit diversen Leuten (scheint eher unüblich zu sein, allerdings war klar das ich am Abend zurück nach New York fliegen würde und am nächsten Tag zurück nach D, also wollte jeder, der vieleicht irgendetwas von mir/über micht wissen wollte, die Gelegenheit nutzen....)
- Das eigentliche Gespräch mit 3 Gesprächspartnern fand beim Mittagessen in einem Restaurant statt (!!)
- Danach wurde ich noch von einer zukünftigen Kollegin ein paar Stunden durch Milwaukee gefahren, bevor sie mich dann am späten Nachmittag am Flughafen absetzte.
Wenn mein Englisch ein ernsthaftes Problem gewesen wäre, dann hätten die den Bewerbungsprozess nach den ersten Telefonaten beendet.
So etwas wie eine 95%ige Zusage hatte ich dann schon auf dem Rückflug, nur ist das ein größeres Unternehmen und da geht eine Neuanstellung nun mal nicht von jetzt auf gleich.
Wovor ich auch ziemliche Angst hatte war das Autofahren. Habe mit 18 meinen Führerschein gemacht, bin ein paar mal mit dem Wagen meines Vaters gefahren und das wars.
Ich hatte dann hier 5 Fahrstunden genommen. Abgesehen vom Start der 1. Fahrstunde (East Wisconsin street um 8 Uhr 30 AM - also zur morgendlichen Hauptverkehrszeit im Zentrum von Milwaukee) war alles nur halb so wild. Allerdings hatte der Fahrlehrer wohl nicht damit gerechnet, einen Anfänger zu bekommen, der fragt, welches Pedal das Gas und welches die Bremse ist

. Hatte vorher das Drivers Instruction Book vom DMV in Wisconsin heruntergeladen und gelesen - solche Triviala stehen da leider nicht drin.
Na ja. Jedenfalls habe ich gestern meinen neuen (1996er) Wagen alleine von Burlington nach Milwaukee gefahren und abgesehen von der verlorenen Tankklappe (wie teuer kann so ein Ding sein? Und was kann passieren, wenn ich ein paar Tage ohne so ein Ding unterwegs bin?) ist alles gut gegangen. Außer, das jemand wie ich, der konstant 2-3 Meilen unter dem Speed Limit bleibt, ein Verkehrshindernis ist.
Ansonsten habe ich keinen längerfristigen Plan. Wenn es hier so wietergeht wie bisher, werde ich auf jeden Fall bleiben. Also in ein paar Jahren Staatsbürgerschaft beantragen auch falls ich dann meine Deutsche verlieren sollte (Ja, ich habe die threads und die Texte vom deutschen Konsulat gelesen - ich denke als Informatiker kann ich behaupten, das eine fehlende US-Staatsbürgerschaft für mich nachteilig ist wegen Stellenproblemen/security clearance oder so - das ist jetzt aber OT). Außerdem betrachte ich die Deutsche Staatsangehörigkeit als Plan B - wenn alles schiefgeht, kann ich ja wieder zurück. Wenn es in den nächsten 5 Jahren so weitergehen sollte wie bisher, dann bin ich gerne bereit, auf meine Deutsche Staatsbürgerschaft zu verzichten.
Und wenn jetzt plötzlich doch irgendetwas ganz böse schiefgehen sollte, kann ich immer noch zurückgehen und bei zukünftigen Vorstellungsgesprächen das US-Abenteuer als "Misslungenen Versuch" (bei weniger als einem halben Jahr) oder als "wertvolle Auslandserfahrung" (bei 2 Jahren oder so) verkaufen.
Ich möchte jetzt aber trotzdem eine Warnung abgeben:
Für alle, die mit dem Gedanken spielen, auszuwandern:
Ich hatte sehr viel Glück *und* relativ gute Voraussetzungen.
- Als Diplominformatiker mit langjähriger Berufserfahrung hat man (in D wie auch in den USA) überdurchschnittlich gute Stellenaussichten.
- Durch den Greencardgewinn ist es wesentlich leichter, weil zukünftige AGs keinen kostspieligen, jahrelangen H1-Visa-Kampf führen müssen.
- Als flexibler Single hat man auch die besseren Karten - ich hatte mich zwar auf die Ostküste (Washinton DC - New York metroploitan area - Boston) konzentriert, mich aber letzten Endes überall beworben (ein paar Bewerbungen sind nach Arizona und Kalifornien gegangen - und wenn es eine interessante Stelle in Alaska gegeben hätte, wäre ich auch dorthin gegangen).
Dazu kamen ein zukünftiger Arbeitskollege, der mir ziemlich tatkräftig geholfen hatte. Und meine Bekannten in Maryland, die sich sofort bereit erklärten, meine GreenCard in Empfang zu nehmen.
Ansonsten scheint auch Milwaukee selber ein Glücksfall zu sein. Ich wohne jetzt im Süden in einem One-Bedroom Apartment für 525 $/Monat inkl. Wasser, Gas und Parkplatz (aber ohne Strom).
Ein Walmart, Radioshack, Kohls und diverse andere Geschäfte sowie ein Kino ca. 15-20 Minuten Fussweg entfernt (und seit gestern mit dem Wagen noch leichter zu erreichen).
Habe ich eigentlich schon erwähnt, das ich auf meinen 1996er-Gebrauchtwagen einen Monat Garantie bekommen habe (ist hier ziemlich unüblich)?
Also man sollte meine bisherige Geschichte nicht als Regelfall betrachten. Und vieleicht kommt das böse Erwachen ja noch.
Gruß
Roland